Karl-Heinz Hofmann

Die Lucas-Cranach- Stadt sucht in allen Stadtteilen nach Mitstreitern für das Kinderschutzprojekt „Notinsel“. Unter anderem sind Geschäftsleute , Gastronomen, Arztpraxen oder Anwaltskanzleien aufgerufen, ihr Geschäft oder Büro mit einem entsprechenden Logo als Zufluchtsort für Kinder zu kennzeichnen, die Hilfe suchen. Sie sollen damit ein deutliches Zeichen – auch für potenzielle Täter – setzen.

Im Umwelt- und Sozialausschuss stellte Bürgermeisterin Angela Hofmann am Donnerstag fest, dass Kinder in der Stadt Kronach keinen großen Gefahren ausgesetzt sind. Dennoch gehöre das Thema zum Alltagsleben dazu. „Wenn Kinder erleben, dass auch der Schulweg gefährlich sein kann, brauchen sie Unterstützung.“

Alle Geschäfte, Schulen und Institutionen mit dem Notinsel- Zeichen „Wo wir sind, bist du sicher“ an der Tür seien bereit, Kindern in gewissen Situationen Zuflucht zu geben. Hofmann sprach vom deutschlandweit größten Kinderschutzprojekt im öffentlichen Raum. Ziel sei auch, Menschen zum Hinsehen und Handeln zu bewegen und ein breites Bewusstsein zu schaffen.

Es gebe viele Gründe, warum Kinder manchmal schnell Hilfe bräuchten. Als Beispiele nannte die Rathauschefin ein aufgeschlagenes Knie nach einem Sturz oder einen verlorengegangener Haustürschlüssel. Manchmal genüge dann schon ein Pflaster oder ein Anruf bei den Eltern.

In den Kronacher Schulen und Kitas sollen die Kinder und Eltern regelmäßig über das Projekt informiert werden. Damit will man sicherstellen, dass die Jungen und Mädchen bereits im Vorfeld wissen, an wen beziehungsweise wohin sie sich in einer Notlage wenden können.

Jörg Schnappauf sah die Projekt-Einführung als ein weiteres zusätzliches Qualitätsmerkmal für die familien- und kinderfreundliche Lucas-Cranach- Stadt . Der Abteilungsleiter zeigte sich sehr froh über den einstimmigen Beschluss. Bereits 2017 habe sich Stadtrat Michael Zwingmann dafür stark gemacht.

Erlös für sozialen Zweck

Schnappauf informierte das Gremium auch über die Finanzierung. Standortpartner des Notinsel-Projektes könnten städtische oder gemeinnützige Träger sein. Die Umsetzung erfolge mit Hilfe der Kinderschutzstiftung „Hänsel und Gretel“.

Bisher habe dies für die Kommunen einen einmaligen Betrag von 750 Euro plus Druck und Materialkosten gekostet. Ab 2022 müssten die Kosten von den teilnehmenden Geschäften und Institutionen getragen werden. Im ersten Jahr seien dies zwei Euro pro Monat, ab dem zweiten Jahr ein Euro. Ein Teil des Geldes fließe auf ein Materialkonto für den Kauf neuer Plakate, Aufkleber und Werbematerialien, der Rest komme der Kinderschutzstiftung zugute. Somit würden die Teilnehmer auch ein soziales Projekt direkt unterstützen.

Die Stadträte Heinz Hausmann, Carin Bülling, Marina Schmitt, Elisabeth Hoffmann und Martin Panzer sowie zweiter Bürgermeister Michael Zwingmann begrüßten das Projekt. Letzterer betonte, dass Kronach somit zumindest im Landkreis Vorreiter für dieses Leuchtturmprojekt sei.

Wie sich in anderen Städten bereits gezeigt hat, werden ausgewiesene Notinseln von Kindern gut angenommen. War man sich in diesem Beschluss fraktionsübergreifend einig, gab es Meinungsverschiedenheiten wieder einmal wegen der geplanten Baumfällungen am Bürgerspital. Gartenbautechniker Martin Burger informierte, dass die dortige Trauerweideschon 2019 stark entlastet werden musste, um einem Umstürzen vorzubeugen. Weiter sei sie stark von einem holzzersetzenden Pilz befallen, weshalb sie spätestens bis 2023 entfernt werden müsse.

Ebenfalls sollen laut Burger die vor dem Gebäude stehenden Scheinzypressen beseitigt werden, die zu nahe an der Fassade stehen und diese verdecken. Marina Schmitt meinte, die Trauerweide sei zugleich eine Augenweide und sollte so lange wie möglich erhalten werden, eventuell durch eine Sanierung. Ähnlich äußerten sich Klaus Simon , Elisabeth Hoffmann, und Martin Panzer. Carin Bülling plädierte dagegen dafür, dem Fachmann Burger zu vertrauen.

Was geschieht am Bürgerspital?

Bürgermeisterin Hofmann führte an, dass es auch um eine grundsätzliche Neugestaltung des Umfeld des Bürgerspitals gehe. Sie bat Burger, konkrete Vorschläge zu unterbreiten.

Die Bürgermeisterin informierte noch über die Arbeiten am Spielplatz in Gundelsdorf. „Da immer wieder neue Anregungen aus der Bevölkerung kommen, werde ich die Eltern anschreiben, um eine Spielplatzkommission zu bilden die sich in Dörfles bereits bewährt hat“, sagte sie.