Eine der drei Feldkapellen in der Nurner Gemarkung steht an der Kreisstraße in Richtung Hubertushöhe. Erstmals wurde an dieser Stelle eine Kapelle im Jahr 1923 erbaut. Im Volksmund wird sie die Dreifaltigkeitskapelle genannt.

Das Ende dieses kleinen Heiligtums schien gekommen zu sein, als im August 1996 randalierende Jugendliche aus dem Kreis Lichtenfels die Kapelle aufgebrochen, die Fenster eingeschlagen und die Inneneinrichtung samt den Heiligenfiguren zerschlagen haben. Doch der seinerzeitige Besitzer, der inzwischen verstorbene Martin Förtsch, leitete einen Wiederaufbau ein.

Keinen so großen Schaden wie bei den Verwüstungen gab es, als vor rund zwei Jahren eine der links und rechts neben der Kapelle stehenden Winterlinden den Widrigkeiten nicht mehr standhielt. Bis heute war die verbliebene Linde ohne „Partner“ dagestanden, was von so manchem Vorbeikommenden beklagt wurde. Nun setzte die heutige Besitzerfamilie Hans und Gertrud Schneider diesem Umstand ein Ende, so dass künftig die Kapelle wieder von zwei Bäumen flankiert wird.

Hans Schneider wandte sich wegen einem geeigneten Baum nach zwei vergeblichen Versuchen an den Forstbetrieb Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten und stieß hier bei Forstbetriebsleiter Peter Hagemann auf offene Ohren.

Am Wochenende war es der Forstchef persönlich, der eine Sommerlinde anlieferte, die von Forstwirt Karlheinz Deuerling gesetzt wurde. Bei dieser Gelegenheit informierte der Besitzer den Rothenkirchener Betriebsleiter anhand von Bildern und Texten von der Geschichte der Dreifaltigkeitskapelle. Peter Hagemann fand dabei nicht nur lobende Worte für das Engagement der Familie Schneider, sondern betonte, dass sein Forstbetrieb derartige Interessen im Rahmen der vor Jahren gestarteten Aktion „Kulturgüterkartierung“ gerne unterstütze. Hagemann weiter: „Wir haben aber keine zweite Winderlinde, sondern eine Sommerlinde gewählt. Diese ist bei uns im Frankenwald doch sehr rar und jetzt wollen wir mal sehen, wie sie hier wächst.“

Die Geschichte der Dreifaltigkeitskapelle besagt, dass zunächst ein bescheidener Bildkasten mit der Darstellung der Krönung Mariens an dieser Stelle gestanden war.

Danach sei von einem Teilnehmer am Ersten Weltkrieg eine kleine Holzkapelle anstatt des Bildkastens gestiftet worden. Der Soldat lag durch einen Lungenschuss schwer verletzt im Lazarett , als er für seine Genesung den Bau der Kapelle im Jahr 1923 gelobte. Noch heute führen die alljährlichen Bittprozessionen der katholischen Kuratiegemeinde nicht nur zu der näher am Ort liegenden Marien- und Lukaskapelle, sondern auch zu dieser knapp zwei Kilometer von Nurn entfernten Gedenk- und Betstätte. hf