„Ich war nach einem Krankenhausaufenthalt mit meinen Kräften am Ende. Dinge, die mir früher leicht von der Hand gingen, fallen mir jetzt zunehmend schwerer. Ich brauche Hilfe “, räumt Friedrich Hadrawa ein. Unterstützung bei der Bewältigung seines Alltags in den eigenen vier Wänden erhält der 87-Jährige von Gemeindeschwestern des BRK Kronach . Die Anlaufstelle für Senioren und deren Angehörige möchte es pflegebedürftigen Menschen ermöglichen, so lange wie möglich mit hoher Lebensqualität in der gewohnten Umgebung wohnen zu bleiben.

Drei Gemeindeschwestern agieren als Ansprechpartner, beraten und organisieren eine individuell zugeschnittene Unterstützung. Der Startschuss hätte schon im Herbst 2020 fallen sollen, er verzögerte sich jedoch coronabedingt auf den 1. Juli vergangenen Jahres. BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes zog bei einem virtuellen Pressegespräch eine erste Bilanz .

Es hat Überwindung gekostet

„Sich einzugestehen, Hilfe zu brauchen, ist nicht einfach. Auch mich hat es Überwindung gekostet, zum Telefon zu greifen. Aber ich bin sehr froh, dass ich die Gemeindeschwester habe“, bekundet Friedrich Hadrawa. Um über alle, oftmals sehr persönlichen Probleme offen sprechen zu können, brauche es eine Vertrauensperson. Diese hat er mit Dagmar Heinlein gefunden. Sie verfügt über eine 30-jährige Berufserfahrung in der ambulanten Pflege. Ohne lange Wartezeit habe diese mit ihm bei einem kostenlosen Erstgespräch den Beratungsbedarf und mögliche Hilfen abgestimmt, beispielweise im Haushalt, bei der Gartenpflege und beim Schneeschaufeln. Herzbeschwerden hätten ihm hierfür die Kräfte genommen, erzählt der Witwer, der einst bei der Firma Wiegand die Elektro-Werkstatt leitete.

Große Nachfrage

Die große Nachfrage bestätigte Dagmar Heinlein. Unter anderem hätten auch weiter weg wohnende Kinder pflegebedürftiger Eltern das Gespräch mit ihr gesucht, wobei es oftmals um Alltagshilfen gegangen sei. Hier komme der Leiter der BRK-Servicedienste, Wolfgang Stumpf, mit einem umfassenden Angebot ins Spiel. Für Wohnraumberatungen habe man mit Schreinermeister Markus Stöckert einen kompetenten Kooperationspartner gefunden. Mit einem möglichst barrierefreien Umbau möchte man erreichen, dass sich Senioren idealerweise weiter eigenständig bewegen und so daheim verbleiben können. Neben der Familienmanagement-Leiterin Antje Angles sind auch Petra Rauh und Kerstin Hinz direkte Ansprechpartnerinnen, wenn es um Beratung und Betreuung geht. Die Teamleiterin der Sozialstation Süd, Petra Rauh, ist vorwiegend im südlichen Kreis unterwegs, während Kerstin Hinz für das Betreuungsmanagement verantwortlich zeichnet. Sie berichtete von bislang 43 dokumentierten Hilfeanfragen. Dabei ging es in den meisten Fällen um die Stellung eines Pflegeantrags.

Sehr dankbar für das wertvolle Hilfsangebot zeigten sich Steinbachs Bürgermeister Thomas Löffler sowie Ina Schnetzer aus dem Büro von MdL Jürgen Baumgärtner . Das Projekt ist laut Bürgermeister ein weiterer wichtiger Baustein des umfangreichen Leistungsportfolios des BRK. Selbst die modernste Technik könne eine persönliche Anlaufstelle niemals ersetzen. Von einem tollen Konzept, das zum Modell für den Freistaat werden könne, sprach Schnetzer.

Gefördert wird das Modellprojekt bis Ende 2022 vom bayerischen Gesundheitsministerium und vom Landesamt für Pfllege mit 274 000 Euro. Danach soll es von den Akteuren weitergetragen werden, die einen Nutzen haben: Kommunen, BRK, Dienstleister und Sozialversicherungen. Auch der Bürger soll einen Eigenanteil übernehmen. „Es ist wichtig, dass das Projekt dann nicht zu Ende geht“, appellierte Roland Beierwaltes. Dem konnte sich Friedrich Hadrawa nur anschließen: „Manchmal reicht es schon, einen Ansprechpartner zu haben, jemanden, dem man sein Herz ausschütten kann.“