Eigentlich waren „eine Million Sterne“ als Lichteraktion geplant, dazu ein Gottesdienst. Jetzt wird die Aktion, die zum „Welttag der Armen “ am Sonntag in Kronach geplant war, wegen der Corona-Pandemie ins Frühjahr verlegt. Der Kronacher Caritasverband gab ein Pressekonferenz, in der vor allem die Armut im Kronacher Landkreis beleuchtet wurde.

„ Die Armen habt ihr immer bei euch.“ Unter dieses Motto habe Papst Franziskus den Welttag der Armen gestellt. Tatsächlich werde Armut ganz unterschiedlich wahrgenommen, erklärte Barbara Borschert, die Abteilungsleiterin für Familienhilfe von der Erzdiözese Bamberg . „Hunger, Dürre, diese Form haben wir hier nicht. Wir haben eine relative Armut . Wir haben Familien, die sich keinen Urlaub leisten können, in denen es keine Familienfeiern gibt, weil einfach kein Geld dafür da ist. Wir haben Menschen, die von Transferleistungen leben. Menschen, die trotz eines Jobs nicht genug zum Leben haben, oder solche, die nicht voll arbeitsfähig sind. Diese Menschen können sich nicht einmal eine Waschmaschine leisten, dabei bedeutet Waschen Würde.“

Wer arm sei, werde ausgegrenzt und dieser Zustand verfestige sich umso mehr, je länger er andauere. Das könne man unter anderem in den Beratungsstellen feststellen, denn die seien „der Seismograf für die Probleme unserer Zeit.“

Hier warf die Geschäftsführerin des Kronacher Caritasverbands , Cornelia Thron, ein, dass die Not gerade im ländlichen Bereich sehr hoch sei. „Aber wir haben ein gut funktionierendes Hilfsnetzwerk. Im Landkreis gib es zehn verschiedene Hilfsangebote und Stellen, an die man sich wenden kann.“

„Wir helfen Menschen ohne zu fragen,“ unterstrich Irene Piontek, die die Abteilung für soziale Hilfen bei der Caritas leitet. Das bedeute unter anderem, einen Weg aus der Misere aufzuzeigen, nicht nur Notstände abzumildern. Kernzelle dafür sei die soziale Beratung , an die sich jeder wenden könne. Erschreckend sei, dass Armut sich möglicherweise sogar vererbt. „Wenn Kinder nichts als Not kennen, keinen guten Zugang zu Bildung haben, dann führt das zu einem Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist.“ Piontek richtete den Fokus aber auch auf diejenigen, die „versteckt obdachlos “ seien. „Sie schlafen bei Verwandten oder Bekannten auf der Couch, weil sie sich die Miete für eine Wohnnung nicht leisten können.“ Von der Armut Betroffene wären aber auch digital abgehängt, gab sie zu bedenken.

„Welche Signale senden wir an die Politik?“, fragte Ursula Kundmüller, die stellvertretende Diözesan-Caritasdirektorin. Sie forderte eine Umwandlung von „ Hartz IV “ in ein „Bürgergeld“.