Ideologiekritische Comic-Bilderwelten, kleinformatige Wolkenbilder, kunstvolle Spray-Arbeiten sowie zauberhafte Tiermotive, an denen garantiert niemand ohne ein Schmunzeln vorbeikommt – bei der Ausstellung im Kronacher Impfzentrum erfreuen auch vier Künstler aus der Metropolregion Nürnberg das Auge des Betrachters.

„Als ich meine Idee der ,Temporären Galerie’ umsetzen konnte, gab es coronabedingt keine Möglichkeit, Arbeiten aus Nürnberg und anderswo nach Kronach zu holen. Auch der Versand war problematisch, persönliche Transporte sollten nicht riskiert werden. Ich konnte daher nur auf Arbeiten zurückgreifen, die ich hier für Ausstellungsprojekte gelagert hatte“, verdeutlicht Ingo Cesaro, der in freundschaftlichem Kontakt zu vielen mittelfränkischen Künstlerkollegen steht. Seinem umfangreichen Fundus ist es zu verdanken, dass auch rund 30 Arbeiten vier namhafter Künstler im Impfzentrum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

„Mit dabei ist Ölmalerei von Walter Bauer , der schon in der Galerie ,EINblicke’ ausstellte und der immer wieder beim Mitwitzer Künstlermarkt und bei der Kunstmesse ,ARTkronach’ beteiligt war“, informiert der Organisator. Die schmalen Formate des Power-Painters zeigen viele Tiermotive in leuchtendem Kolorit. 1993 gründete der frühere IT-Manager in seiner Heimatstadt Nürnberg ein eigenes Atelier; seit 2000 ist er dort als freischaffender Künstler tätig.

Der hochproduktive Künstler, Jahrgang 1952, fertigt Serien – beispielsweise von Kühen, denen er frisch und unbeschwert, zugleich aber auch sorgsam und respektvoll auf den Leib rückt. Darüber hinaus malt der selbst ernannte Kuh-Maler auch Kirschen, Karpfenporträts sowie Tauben und Türme , wozu es mit Cesaro die gemeinsamen Editionen „Geklaute Kirschen“, „Karpfenporträts“ und „Tauben und Türme “ gibt.

„Seit 20 Jahren gibt Johannes Häfner das Frankfurter Buchmessen-Buch heraus, immer mit einem Engel-Gedicht von mir, dazu noch zwei Jubiläumsbände“, erzählt Cesaro. Häfner ist in Kronach kein Unbekannter, konnte er doch bereits gemeinsam mit seinem Bruder Guido Häfner in der Synagoge ein Engel-Projekt vorstellen – mit Malereien von ihm sowie Holz- und Metall-Skulpturen seines Bruders, der ein angesehener Bildhauer und Grafiker ist. 1961 in Schlaifhausen geboren, studierte Johannes Häfner Gestaltung und Kommunikationsdesign in Nürnberg. Seit 1995 arbeitet er als freischaffender Künstler, der seinen poppigen Bilderwelten stets einer ideologiekritischen Betrachtung unterzieht.

Die Ruhe der Wolken

Im krassen Gegensatz hierzu stehen die kleinformatigen Wolkenbilder von Dietrich Köhlert, die durch ihre wiederkehrende Ruhe eine tiefe Symbolik erreichen. Dem kunstinteressierten Kronacher Publikum ist er durch seine Cranach-Porträt-Variationen bei „Kunst in Kronacher Schaufenstern“ bekannt sowie durch seine oftmalige Teilnahme an der „ARTkronach“. Köhlert wurde 1942 in Bad Harzburg geboren. Ab 1969 studierte er freie Malerei an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg.

Etwas Besonderes sind die Spray-Arbeiten auf Papier von Diethard Riedel. Drei davon sind im Impfzentrum zu bestaunen. „Bei den Schulprojekten ,Lukas No. eins und zwei’ am Frankenwald-Gymnasium konnte ich vier Sprayer einladen. Die beiden aus Frankreich wurden damals dort von der Polizei gesucht und durften hier nicht fotografiert werden“, erinnert sich Cesaro an die Anfänge der Szene. Später begannen Sprayer auch damit, ihre Arbeiten auf Papieruntergrund zu bringen. Riedel dagegen arbeitete von Anfang an auf Papier und schuf zarte Motive mit starker Ausdruckskraft. Er bewies, dass moderne Spraykunst keinesfalls gleichbedeutend mit Graffiti ist. Der gebürtige Berliner, Baujahr 1963, lebt und arbeitet seit 1985 in Nürnberg. Für den Spraykünstler liegt das Besondere im dreidimensionalen Arbeiten ohne direkten Kontakt des Malinstruments zum Bildträger sowie in dem aus der Zerstäubung von Farbe entstehenden Sprühnebel – absolut faszinierend.