„Wir sind uns einig, dass eine regenerative Energiegewinnung ein zentrales Thema ist.“ Diese Feststellung traf Bürgermeister Oliver Plewa in der jüngsten Sitzung des Abwasserverbandes Steinachtal. Vor allem ging es dabei um die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Gelände der Kläranlage. Sie solle vor allem der Betriebsoptimierung dienen und kurzfristig auftretende Spitzenwerte im Verbrauch abfangen. Dadurch könne man Energiekosten einsparen.

Wie das Ganze aussehen könnte, wusste Energieberater Frank Berlips. Er plädierte für eine 55- bis 60-Kilowatt (KW)-Anlage und das aus zwei Gründen: „Sie deckt 20 Prozent des End­stromverbrauchs und ist erst einmal ausreichend.“ Zum anderen könne man zumindest auf dem Dach des Gebäudes keine größere Anlage installieren. 55 KW reichen aber nicht aus, um einen Speicher zu laden, auch nicht im Hochsommer. Das, was da erzeugt wird, geht direkt eins zu eins in die Anlage. Es macht keinen Sinn, etwas aufzuheben.“

Eine andere Alternative wäre, zusätzlich eine Anlage über den Klärbecken zu installieren, „aber das ist eine technische Herausforderung und kostet rund 120 000 Euro.“ Berlips tendierte dazu, es erst einmal bei der einen Anlage zu belassen und vielleicht in zwei bis drei Jahren über eine Erweiterung nachzudenken. „In der Speichergeschichte steckt momentan sehr viel Bewegung. Möglicherweise könnte es eine Technologie auf Lithiumbasis geben.“

Eine kurze Diskussion drehte sich dann genau darum, nämlich um die Möglichkeit, die Energie zu speichern. Berlips: „Einspeisen ist nicht mehr lukrativ, also lohnt sich nur der Eigenverbrauch.“ Aber um etwas verbrauchen zu können, müsse man es eben erst gewinnen und genau in diese Richtung zielte die Frage von Jürgen Kern: „Gerade im Dezember gibt es wenig Sonne, wie also füllen wir dann den Speicher?“ Diese Gretchenfrage konnte Berlips auch nicht in letzter Konsequenz beantworten. „Ja, um Weihnachten rum ist es schwierig. Da könnten wir ein Problem kriegen. Den Speicher darf ich nachts nicht angreifen, er darf nicht leerlaufen.“ Notfalls könne man die Anlage mit „normalem Strom“ laden, das sei allemal noch billiger, als viel für die Leistungsspitzen zu zahlen.

Klaus Schneider fragte nach, ob zwei Speicher einen Sinn ergeben würden, doch dies verneinte Berlips. „Man kann es nur machen, wenn man genug PV-Leistung hat. Dazu bräuchten wir mehr Fläche. Ein größerer Speicher würde hier mehr Sinn machen, aber es steckt auch viel Steuerungstechnik dahinter.“

Eine Idee, wofür man einen eventuellen Speicher noch einsetzen könne, hatte Siegmund Katholing: „Wenn wir die Geräte des Bauhofs umstellen auf Akkubetrieb, dann könnten wir die zum Aufladen da hinbringen.“ Dies sei prinzipiell bei einem Akkuschrauber oder einer Motorsense möglich, für mehr müsse man allerding den Speicher vergrößern, so Berlips. Am Ende entschied sich das Gremium für eine 55- bis 60-KW-Anlage mit der Möglichkeit auf Erweiterung.

Ihren ersten Verbandshaushalt hatte die stellvertretende Kämmerin Dana Rüger erfolgreich über die Bühne gebracht. Zusammenfassend belaufe sich das Gesamtvolumen auf 612 950 Euro und damit sei es um knapp 40 Prozent gestiegen. Als Grund nannte sie eine Investitionsumlage von rund 200 000 Euro für die geplante PV-Anlage. Hierfür habe man eine maximale Kostenschätzung zu Grunde gelegt.

Weitere Anschaffungen in dieser Größenordnung plane man für die Folgejahre nicht, so Rüger. Insgesamt sei der Haushalt ausgeglichen, die allgemeine Rücklage werde man füllen, um anschließend „wieder moderat investieren zu können“.

Technisch nachgerüstet habe man das Pumpwerk, und Bertram Ebert, zuständig für das Klärwerk, meinte dazu: „Alle Schaltschränke mussten an die Außenwand.“ Für die Klärschlammentsorgung müsse man jetzt Preise einholen, dafür wollen sich die zuständigen Bürgermeister „zusammentelefonieren“. Das Gremium entschied sich dafür, eine generelle Ermächtigung zu erteilen, damit die Bürgermeister in dieser Richtung handlungsfähig seien.