Karl-Heinz Hofmann

Pressig  —  „Man muss auch mal loslassen können. Ja, es wird Zeit loszulassen!“ Mit bewegter Stimme spricht Georg Dinkel, Ortsheimatpfleger von Pressig , diese Worte und sitzt vor einem Berg von Aktenordnern prallvoll mit Fotos , Dokumenten und Berichten aus dem Markt Pressig . Sein Lebenswerk, das er in über sieben Jahrzehnten über die Vergangenheit seines Heimatortes gesammelt hat, übergibt der 87-Jährige schweren Herzens, aber doch auch mit etwas Freude an die Marktgemeinde.

Von Jugend an wollte er der Nachwelt davon berichten können, wie es in Pressig vor Jahrhunderten aussah, und trug dazu unzählige Dokumente zusammen. Mit großem Dank und voller Freude nahm Bürgermeister Stefan Heinlein die Sammlung entgegen. Er habe sich in den vergangenen Tagen mehrmals mit dem Vermächtnis auseinandergesetzt und festgestellt, dass er daraus sehr viel lernen könne. Obwohl er in Pressig aufgewachsen und hier beruflich wie politisch stets seine Heimat hatte, konnte er sich noch nie intensiv mit dem Lebensstil und den Härten des Lebens der Vorfahren auseinandersetzen. Daher werde diese historische Sammlung einen Ehrenplatz im gemeindlichen Archiv einnehmen.

Eine Besonderheit ist, dass sich Georg Dinkel trotz seines hohen Alters moderner Technik nicht verschloss, sich PC-Kenntnisse aneignete und viel Zeit für die Digitalisierung dieses Geschichtswerkes aufgewendet hat. Fotos , Dokumente und Schriftstücke aus seinen Aktenordnern scannte er mühsam Foto für Foto , Blatt für Blatt ein und schuf so eine digitalisierte Version der Heimatgeschichte Pressig . Diese Version, so der Bürgermeister , werde man demnächst der Allgemeinheit auch auf der Homepage des Marktes Pressig im Internet zur Verfügung stellen.

In minutiöser Archivarbeit hat der Ortshistoriker Dinkel die Bedeutung der Eisenbahn für den Ort Pressig und das Auf und Ab der Bahnstation Pressig-Rothenkirchen recherchiert und festgehalten. Dabei verfolgte er die Ereignisse bis in die Zeit des Eisenbahnbaus 1885 zurück. 120 Bildtafeln sind bestückt mit rund 850 Fotos und sonstigen Dokumenten, die auch in digitaler Form als Ausstellungsobjekte einsetzbar sind, beschreiben die große Entwicklung über die Elektrifizierung in den 1950er Jahren, den Bahnhof als Interzonenzug-Haltestelle und schließlich bis zum Abbau- und Rückbau des Bahnbetriebswerkes und der allmählichen Reduzierung der Bahngleise von 16 auf sieben Gleise . Von fast 100 Lokführern aus Pressig blieben nur drei übrig, bedauert Dinkel. Voller Freude informiert Bürgermeister Heinlein, dass zurzeit aber wieder drei Auszubildende aus Pressig Lokführer lernen.

Zur Geschichte der Eisenbahn Pressig überreicht der Heimatfreund weitere zehn Fotoalben mit je 200 Fotos „über alles Mögliche, was sich von früher her auf dem Bahngelände in Pressig bewegte und heute noch durchra(a)st“, wie er sich ausdrückt. Weiter erwähnt er noch sieben Fotoalben , ebenfalls mit je 200 Fotos von Pressig , Eila und weiteren Ortsteilen, in denen er vor allem Häuser und Ortsstraßen zeigt und das Augenmerk auf die Baustile legte. Damit aber lange noch nicht genug. Für verschiedene Ausstellungen hat er 49 Ausstellungs-Tafeln in DIN-A3-Format über verschiedene Themen erhalten, wie Handwerksmeister verschiedener Berufe, Ehrungen, Ehrenbürger, Künstler sowie Bilder und Schilderungen des ersten Weihnachtsmarktes und Ostermarktes.

Bei der Gelegenheit erwähnt der Archivar auch, wie er zu seiner Passion kam. Als Junge von circa 15 Jahren hab er von seiner Oma ein Foto von Pressig aus dem Jahr 1880 in Händen gehalten und sich gewundert, warum da fast keine Häuser zu sehen waren. „Das war für mich der Auslöser, dass ich mich mit der Geschichte auseinandersetzte, wie sich der Ort Pressig entwickelte.“

Alles in allem eine großartige Archivbereicherung, schwärmten die beiden Bürgermeister , Stefan Heinlein und Zweiter Bürgermeister Wolfgang Förtsch, bei der Übergabe. Besonders Erster Bürgermeister Stefan Heinlen zeigte sich geradezu fasziniert, mit welcher Akribie sich Dinkel den Themen, früher in seiner Freizeit und in den vergangen zwei Jahrzehnten fast im Vollzeitjob als Rentner, dieser Aufgabe hingegeben hat.

Dieses Lebenswerk werde im Markt Pressig seinen Ehrenplatz erhalten und ein wertvolles Nachschlagewerk für die Nachwelt sein. Es sei auch eine hervorragende Grundlage für die Vorbereitung der 700-Jahr-Feier, die im Jahr 2025 für Pressig ansteht.

Zu erwähnen sei auch noch, dass Georg Dinkel zusammen mit Michael Trebes aus Pressig eine Pfarrchronik aus Anlass 100 Jahre Pfarrei Herz-Jesu Pressig im Jahr 2013, mit ausgezeichneter Archivierung in Bild und Wort, erstellt hat.   eh