Die Pflege von Streuobstwiesen als Lebensraum und Kulturlandschaftselement ist für den Landschaftspflegeverband Frankenwald (LPV) ein besonderes Anliegen. Daher war es für Geschäftsführerin Christine Neubauer und den stellvertretenden Vorsitzenden Erwin Schwarz eine besondere Freude, am Ortsrand von Küps ein weiteres Projekt aus der Maßnahmenliste für 2022 vorstellen zu können.

Die umfangreiche Pflege der 75 Jahre alten Streuobstwiese ist zugleich die erste Maßnahme , die 2022 gefördert wird. Auf einer Fläche von circa einem Hektar sind ehemals 100 Obstbäume gepflanzt worden. Die noch vorhandenen 46 Bäume wird nun der zertifizierte Obstbaumwart Jeremias Aigner durch einen Pflege- und Erhaltungsschnitt nach der klassischen Öschberg-Methode revitalisieren.

Eine konsequent offene Kronenform mit schräg ansteigenden Hauptästen ermöglicht die Erzeugung von Tafelobst auf Hoch- und Halbstämmen. „Der Öschberg-Schnitt dient der Intensivkultur auf starkwüchsigen Bäumen “, erklärte der Experte. Für Streuobstwiesen biete sich ein Pflanzabstand von mindestens zehn Metern an, besser noch wären zwölf Meter.

Eigentümerin hat keine Kosten

Christine Neubauer dankt dem Freistaat Bayern. Das Umweltministerium fördere die Kosten für die Maßnahme von etwa 3300 Euro über die Landschaftspflege- und Naturparkförderung mit einem Zuschuss von 70 Prozent. Durch die Beantragung über den Landschaftspflegeverband entstünden der Eigentümerin Gertrud Nadler keine Kosten. Stattdessen würden der Landkreis Kronach und die Gemeinde Küps über ihre Mitgliedschaft den Eigenanteil jeweils zur Hälfte tragen.

Neben dem Schneiden der Bäume muss auch das Schnittgut von der Wiesenfläche geräumt werden. Das übernehmen der Bewirtschafter der Fläche, Stefan Schnurrer, und die Eigentümerin.

Aufgrund der bevorstehenden Vogelbrutzeit muss das Schneiden der Obstbaumkronen bis zum 15. März abgeschlossen sein.

Eine Vertragsnaturschutzförderung nimmt der Landwirt in Anspruch. Er erhält Prämien für die schwierigere Bewirtschaftung, das späte Mähen und den Erhalt der alten Obstbäume.

Streuobstwiesen sind für viele Naturfreunde der Inbegriff von Ruhe und Erholung in Kombination mit Kultur und naturnaher Bewirtschaftung. Die Geschäftsführerin warf daher einen Blick in die Geschichte. Der Anfang dieser Bewirtschaftungsform gehe schon bis in die Jungsteinzeit zurück. Doch die Blütezeit der Streuobstwiesen sei vorbei. „Heutzutage ist ihr Erhalt sehr stark dem Natur- und Kulturschutz zu verdanken.“ Nicht verloren gegangen sei hingegen die Wertschätzung der Obstbäume. Das ökologische Umdenken zeige Streuobstwiesen eine Zukunft auf. Bäume und Pflanzen einer Streuobstwiese speicherten Kohlendioxid und reicherten die Luft mit lebenswichtigem Sauerstoff an.

Wertvoller Lebensraum

„Bei der Streuobstwiese handelt es sich um ein extrem artenreiches Biotop “, sagte Christine Neubauer . Schätzungen zufolge biete eine solche Fläche 3000 bis 5000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und Nahrung. Hier finde man neben Bakterien und Mikroben Amphibien und Reptilien, Insekten, Säugetiere, Spinnen und Vögel vor.

Auch Igel, Feldmäuse und Feldhasen fühlten sich auf einer Streuobstwiese wohl, außerdem seien dort Mauswiesel, Siebenschläfer, Gartenschläfer und – natürlich nur bei Dunkelheit – Fledermäuse antreffen. Kräuter- und blütenreiche Wiesen liefern Bienen und Hummeln Nektar. Der Dank der Geschäftsführerin galt den Kommunen, in diesem Falle dem Markt Küps , die sich an solchen Projekten stets beteiligen.

Dickes Lob vom Bürgermeister

Bürgermeister Bernd Rebhan dankte der Grundstückseigentümerin, dem Bewirtschafter, dem Freistaat Bayern und vor allem dem Landschaftspflegeverband, der mittlerweile seit 30 Jahren bestehe. „Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden, denn hier wird eine großartige Natur- und Landschaftsschutzarbeit geleistet, die die Kommunen alleine nie schaffen würden“, sagte der Rathauschef.

Und auch Privatleute wären alleine mit solchen Maßnahmen weit überfordert. Folglich müsse man für diese kooperative Zusammenarbeit verschiedener Institutionen im Interesse der Landschaftspflege sehr dankbar sein, schloss Bernd Rebhan .