Beim Kreiserntedankfest des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Kreisverband Kronach, in der Schulturnhalle in Küps bemängelte Kreisobmann Erwin Schwarz die fehlende Akzeptanz der landwirtschaftlichen Betriebe in der Bevölkerung. So würden Bauern oftmals als „Giftversprüher“ bezeichnet, weil sie mit Pflanzenschutzmitteln ihre Pflanzen vor Schädlingen schützten. Ein Verzicht auf Pflanzenschutzmittel würde jedoch laut Schwarz die Erzeugung von Lebensmitteln um 50 Prozent reduzieren. Auch wüssten die Menschen nicht, dass es sieben Tage in der Woche ein Knochenjob sei. Und: „ Bauern streiken nicht und legen ihre Arbeit nicht nieder, wenn sie eine ordentliche Bezahlung fordern.“ Der Verbraucher sollte mal überlegen, was wäre, wenn Bauern ihre Produktion kurzfristig einstellen, ihre Arbeiter in Kurzarbeit schicken oder entlassen.

Überlebenskampf

Schwarz ging auch auf die sinkenden Betriebszahlen im Landkreis Kronach ein. Insgesamt gebe es hier nur noch 4000 Milchkühe und zwei Schweinezuchtbetriebe. „Wie sollen diese bei einem Ferkelpreis von 25 Euro, der aber bei 80 Euro liegen müsste, überleben?“, fragte er. Er ärgere sich fürchterlich darüber, dass die Bevölkerung nicht mehr Verständnis für die Landwirte aufbringe.

Der Festredner, Leitender Landwirtschaftsdirektor Rainer Prischenk (Bereichsleiter Ernährung und Landwirtschaft an der Regierung von Oberfranken), ging in seinem Referat auf Diversifizierung und strategische Unternehmensberatung ein. Er sprach über Biodiversität , Gewässerschutz , Klimawandel, Tierwohl sowie nachhaltige Ernährung und Alltagskompetenzen. Mit einem Blick auf Natur-, Umwelt-, Arten- und Klimaschutz zeigte der Redner auf, dass der Landkreis Kronach mit 23,4 Prozent ökologischem Landbau absolute Spitze in Oberfranken sei. 329 Hektar an Blühflächen betreuten Landwirte freiwillig und kostenlos. Auch die Oberflächengewässer befänden sich in einem guten ökologischen Zustand. Die Gülle-Injektion erfolge in großen Teilen bodennah. Der Strukturwandel sei spürbar: Seit 2010 schwänden jährlich 1,3 bis 1,5 Prozent landwirtschaftlicher Betriebe; deren Zahl habe sich von 759 auf 676 reduziert, wovon 80 Prozent im Nebenerwerb seien. Diese 676 Betriebe erhielten jährlich nur zwei Auszubildende.

Regionale Vermarktung als Chance

Prischenk sieht vor allem noch viel Potenzial bei regionaler Vermarktung der Produkte. Hierzu müssten staatliche Kantinen, Kantinen in Unternehmen, Kindertagesstätten und alle Schultypen mit regionalen Produkten bedient werden. „Erlebnis Bauernhof “, wie von Kreisbäuerin Rosa Zehnter und ihrer Stellvertreterin Marina Herr schon einige Zeit in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen praktiziert, sei der richtige Weg, das Bewusstsein für die Arbeit auf dem Bauernhof und die Wertschätzung von Nahrungsmitteln zu stärken. Im Landkreis Kronach arbeite man aber auch richtungsweisend an einer nachhaltigen Strategie für nachhaltige Ernährung und Alltagskompetenz mit. Zum Schluss stellte der Referent fest, dass Kronach ein „Musterlandkreis der bayerischen Agrarpolitik “ sei.

Landrat Klaus Löffler verwies auf das Spannungsfeld, in dem sich die Landwirtschaft zwischen Ökologie und Ökonomie befinde. Es sei angekommen, dass Bauern eine Planungssicherheit für ihre Investitionen benötigen. Er und Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner kämpften um ein Projekt zur Bewässerung des Waldes, denn man habe in den vergangenen drei Jahren gesehen, welche Schäden trockene Sommer anrichten können. Das Kreiserntedankfest nannte Löffler ein beeindruckendes Bekenntnis für die Heimat.

Der neue Behördenchef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg–Lichtenfels–Kulmbach–Kronach, Harald Weber, stellte sich vor. Die Landwirtschaftsverwaltung sei zum 1. Juli neu ausgerichtet worden. Statt wie bisher 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gebe es bayernweit nur noch 32 Ämter. Im AELF habe er über 130 Mitarbeiter.

Weiterhin Beratungsstelle in Kronach

Dass die Außenstelle Kronach des Landwirtschaftsamtes weiterhin als Beratungsstelle geöffnet bleibe, nannte Landrat Löffler „eine sehr gute Entscheidung für den Landkreis und die Stadt Kronach “.

Großen Beifall erhielt das Jugendorchester Küps unter der Leitung von Ina Siegelin, das die Feier musikalisch umrahmte. Der Erntegabenaltar wurde von Marina Herr, Michaela Siegelin und Susanne Hertel gestaltet, die Erntekrone kam aus Weides. Der vorangegangene Erntedankgottesdienst wurde von Dekanin Ulrike Schorn und Pfarrer Jochen Pickel gestaltet. Schorn erinnerte dabei daran, dass alle Ernte von Gott komme.