Kronach  —  Wunderbare Klänge der „Königin der Instrumente“ schwebten an diesem Sonntag durch das Kirchenschiff der Kronacher Christuskirche. Auf der Empore ließ Hilmar Bauerfeind auf der romantischen Steinmeyer-Orgel den jazzigen Sound von „Satchmo“ Louis Armstrong im Brückenschlag mit der barocken Pracht des Altmeisters Johann Sebastian Bach erklingen. Wie oft der Organist seine herrlichen musikalischen Glaubensbekenntnisse schon in den Gotteshäusern im evangelisch-lutherischen Dekanat Kronach-Ludwigsstadt auf die Reise geschickt hat, vermag er nicht mehr zu sagen. Für seine „Musik zur Freude der Menschen und zur Ehre Gottes“ wurde er nunmehr mit der „Soli-Deo-Gloria“-Nadel geehrt.

Am Sonntag Kantate stelle man, so Dekan Markus Müller, die Musik in den Mittelpunkt. Der Tag sei daher der passende Termin für die Verleihung der „Soli-Deo-Gloria“-Nadel, mit der die Evangelische Landeskirche seit dem Jahr 2013 ehren- bzw. nebenamtliche Kirchenmusiker für langjähriges außergewöhnliches Engagement würdige. Mit Hilmar Bauerfeind werde dies einem im Dekanatsbezirk Kronach-Ludwigsstadt sehr gefragten Organisten zuteil.

„Sein kirchenmusikalisches Engagement erstreckt sich schon über mehr als zehn Jahre“, lobte der Dekan. Der Kronacher begleite aber nicht „nur“ viele Gottesdienste auf der Orgel, sondern zeige zudem großen Einsatz bei weiteren musikalischen Gruppierungen wie der Kirchenband oder auch im Chorwesen. Auch in Konzerte und musikalische Lesungen bringe er sich mit ein.

Als Zeichen der Anerkennung überreichte er ihm die Auszeichnung in Form einer Nadel sowie einer von Oberkirchenrat Michael Martin unterzeichneten Urkunde, die der Geehrte sichtlich gerührt und mit dem Dank an alle Entscheidungsträger entgegen nahm. Der von Kirchenmusikdirektor Marius Popp eingebrachte Vorschlag war vom Präsidium der Dekanatssynode eingereicht worden. Weiter dankte der 69-Jährige seiner ebenfalls kirchlich sehr engagierten Ehefrau Tamara, die unter anderem zusammen mit Christine Schnelle seit 35 Jahren die Kindergottesdienste gestaltet.

„Soli Deo Gloria“ – allein Gott sei Ehre: Mit diesen Worten unterschrieb Johann Sebastian Bach viele seiner Werke. Dieser Leitgedanke prägt auch das kirchenmusikalische Wirken von Hilmar Bauerfeind. In Rugendorf geboren und Wartenfels aufgewachsen, spielte er bereits als junger Erwachsener die Orgel in seinen Heimatorten. Vor elf Jahren habe ihn, so Bauerfeind, die damalige Pfarrerin der Kirchengemeinde Fischbach, Alina Ellgring, dazu animiert, in Fischbach tätig zu werden – zunächst als zweiter Organist .

„Ich habe dann immer mehr übernommen, nachdem es auch Anfragen aus anderen Kirchengemeinden gab“, verrät der 69-Jährige. Hierzu zählte insbesondere der nördliche Landkreis; teilweise war er aber auch in südlicher Richtung tätig. Leider gebe es immer weniger Organisten . Gleichwohl räumt er ein, dass dieses Amt schon mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden sei. Auch beruflich nahm bei ihm die Musik einen großen Stellenwert ein, unterrichtete der ehemalige Volksschullehrer unter anderem auch Musik an der Wallenfelser Schule bzw. an der Gottfried-Neukam-Schule in Kronach . Auch hier brachte sich das musikalische Allround-Talent, das auch weitere Instrumente wie Gitarre spielt, in die Gestaltung von Schulfesten und anderer Events ein. Das meiste seines musikalischen Könnens eignete er sich dabei selbst an.

Die Jugend begeistern

„Ein großes Anliegen ist mir die Verbindung der Kirchenmusik , die die Menschen über Jahrhunderte hinweg gehört haben, zur heutigen Musik“, erklärt er die von ihm beim Gottesdienst dargebotenen – doch recht ungewöhnlichen – Klänge. Mit dem Versuch, diese Musik in die Neuzeit zu transportieren, versuche er, auch die Jugend hierfür zu begeistern. Ein Herzenswunsch von ihm sei es, dass die Kirchengemeinde Kronach wieder über einen Chor verfüge. Singen stabilisiere erwiesenermaßen die Immunabwehr. Richtiges Atmen diene der Gesundheit. Die Durchblutung werde gefördert; die Lunge frei. Gleiches gelte natürlich auch für das Singen im Gottesdienst , das hoffentlich bald wieder möglich sei.

In seiner Predigt ging Pfarrer Andreas Heindl auf die Musikliteratur von Paul Gerhardt ein. Der Pfarrer hatte ein bewegtes und schweres Leben; habe er doch den 30-jährigen Krieg hautnah mitbekommen und dabei viel Leid gesehen. Aber auch privat hatte er schwere Schicksalsschläge zu verkraften: Drei seiner fünf Kinder verstarben in sehr jungen Jahren, nach nur 13 Ehejahren auch seine Ehefrau. Obwohl er sehr darunter gelitten habe, schrieb der „Meister der Bilder“ so fröhliche Lieder wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ oder „Sollt ich meinem Gott nicht singen“. Letzeres – im Dativ gesungenes – Lied drücke aus, dass es beim Singen nicht um Selbstdarstellung gehe oder die eigene Stimme zu hören, sondern allein darum, Gott zur Ehre zu singen.

Auch im Gottesdienst erklang unter anderem Musik von Paul Gerhardt . Die stimmungsvolle Umrahmung oblag Dekanatskantor Marius Popp an der Orgel sowie Ulrike Maria Gossel am Cello.