„Sie singen gern. Ich habe in der Ukraine mit Leuten gesprochen, die lachen. In der westlichen Ukraine leben die Menschen tatsächlich weitgehend so wie wir hier.“ Die Schüler der Siegmund-Loewe-Realschule lauschten gespannt in der Aula, als Tom Sauer von seiner Fahrt mit einem Hilfstransport in die Ukraine erzählte.

„Die Leute sind freundlich, die winken einem zu. Ein wirklich tolles Land.“ Sauer und die Humanitäre Hilfe für Menschen in Not wollten helfen und schauten sich um: Wo gibt es eine Organisation, die sich kümmert?

5200 Kilometer weit gefahren

In Johannisthal gibt es die „Aktion Roman“. Hier werden sonst leer in die Ukraine zurückkehrende Lkw mit gesammelten Hilfsgütern beladen. Sauer wollte allerdings selbst sehen, dass die Hilfe auch tatsächlich bei bedürftigen Menschen ankommt. „Ich bin dann rund 5200 Kilometer gefahren“, erzählte er. „Acht Tage war ich unterwegs.“ Von einer westukrainischen Stadt ging es im Konvoi mit weiteren kleineren Transportern zunächst nach Kiew − über viele Schlaglöcher und notdürftig geschlossene Granatlöcher hinweg.

Das Einzige, was bis dahin auf den Krieg hingewiesen hatte, waren die Checkpoints. Von Kiew ging es 500 Kilometer weiter ostwärts. „Bis dort sind große Flächen zu sehen, nur Felder – bis zum Horizont. Wunderschön. Dann siehst du einen Bauern und denkst: ,ist der mutig.‘ Sehr oft war zu sehen oder zu hören, dass solche Bauern bombardiert wurden oder auf Minen fuhren“, berichtete Sauer.

Gemeinsam mit seinem Mitfahrer Jürgen Jakob erreichte er die Stadt Sumy, die erst wenige Tage vorher von ukrainischen Soldaten befreit worden war. „Wir sprachen mit Menschen, die schon warteten“, berichtete Sauer. Kurz zuvor war hier geschossen worden. Ein Panzer stand noch verlassen da – sein Rohr direkt auf ein Krankenhaus gerichtet.

„Würde ich in solch einer Situation mit der Waffe kämpfen wie die Menschen in Sumy?“ Die Frage beschäftigt den Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer Sauer seither. Ganz leise sagte er: „Ich glaube, da würde auch ich eine Waffe in die Hand nehmen und versuchen, mich zu wehren. Die Ukrainer wollen, dass ihre Kinder und ihre Tiere leben. Sie wollen eigentlich nur Frieden.“ rg