„Lass das Gestern heute nicht zum Morgen werden!“ So lautet ein Appell der aufrüttelnden Video-Installation, die derzeit in den Schaufenstern der BDKJ-Büroräume beziehungsweise des Jugendamtes der Erzdiözese Bamberg in Kronach zu sehen ist. „Flammende“ Botschaften führen die Pogrome der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 vor Augen, schaffen andererseits aber auch einen Bezug zu den aktuellen Geschehnissen auf der Welt.

Seit 2012 gedenkt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend ( BDKJ ), Regionalverband Kronach /Teuschnitz, alljährlich der Reichspogromnacht durch verschiedene Aktionen. Unter dem Leitbild „Sehen-Denken-Handeln – Gegen das Vergessen“ wurden beispielsweise große Banner an Schulen oder im Stadtgebiet aufgehängt, Plakatständer in Kronach verteilt, in Form von „Opfern“ angelegte Folienstraßenaufkleber auf den Straßen angebracht, am Schulzentrum eine „Wand gegen das Vergessen“ errichtet, eine Luftballonaktion initiiert, ein Poetry-Slam auf „Radio Eins“ gesendet sowie eine „Todesanzeige“ in Zeitungen aufgegeben.

Coronabedingt konnte der BDKJ mit seinem „Projekt gegen das Vergessen“ heuer allerdings nicht in direkter Art und Weise mit der Bevölkerung in Kontakt treten. Daher entschied man sich, auf dieses historische Datum erneut in digitaler Form aufmerksam zu machen. Da die zentral in der Innenstadt liegenden Räumlichkeiten über zwei große Schaufenster verfügen, erhofft man sich eine verstärkte Aufmerksamkeit. „Es ist ein Tag, der nicht vergessen werden darf und immer noch aktueller denn je ist“, mahnt der Bildungsreferent Andy Fischer.

Die tagsüber in Endlosschleife zu sehende Video-Installation greift mit der Symbolik Feuer die Geschehnisse der Reichspogromnacht auf, als in ganz Deutschland Synagogen brannten und jüdische Bürger attackiert wurden. Die große Leinwand im rechten Schaufenster zeigt in lodernden Flammen eingebettete Appelle wie beispielsweise „ Menschlichkeit beginnt in dir“.

„Wie handelst du?“

Diese Reflexion auf das eigene Ich, „Wie handelst du?“, findet sich im linken Schaufenster wieder, veranschaulicht durch eine große menschliche Silhouette mit brennendem LED-„Gesicht“ sowie Fragestellungen wie: „Wie würdest du dich fühlen, wenn man … heute dein Haus oder deine Wohnung erstürmen würde, dich heute foltern würde oder dich heute deines Lebens berauben würde?“

„Die Aktion will menschliche Werte wie Nächstenliebe , Toleranz und Akzeptanz in den Blick nehmen“, appelliert Andy Fischer, Fremdes oder Andersartigkeit nicht zu verurteilen, sondern mit Achtung zu begegnen. Jeder solle sich hinterfragen, wie durch das eigene Verhalten der Faktor Menschlichkeit in der Gesellschaft stärker gelebt werden könne.

In aller Munde sei die Thematik im Landkreis aktuell durch den teilweise in Kronach gedrehten Kino-Film „Resistance“. Die Anfangsszenen der Reichspogromnacht zeigten die Abartigkeit der Geschehnisse. „Wir alle dürfen uns glücklich schätzen, eine solche Zeit nicht erleben zu müssen“, sagt der Bildungsreferent, der gleichzeitig vor einer Spaltung der Gesellschaft durch die emotional diskutierte Impfthematik sowie Regeln für „ Randgruppen “ warnt. Hier bedürfe es eines gemeinsamen Wegs des respektvollen Umgangs miteinander.

Projektträger ist der BDKJ Kronach /Teuschnitz, Dachverband der katholischen Jugendverbände im Landkreis Kronach . Unterstützt wird die Aktion durch das Jugendforum unter dem Förderprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren , Frauen und Jugend.