Die Klasse 8 d der Realschule (RS) II befasste sich im Unterricht mit Stefanie Höflers Buch „Tanz der Tiefseequalle“. Dabei entstand eine Vielzahl kreativer Arbeiten. Beschlossen wurde die literarische Reise mit einer Autoren-Lesung.

„Wie viele Leute haben dich schon Tiefseequalle genannt, deine Sachen in den Baum geworfen, wie viele Kommentare zu deinem Hinterteil musstest du schon runterschlucken? Wie oft?“ Der Achtklässler Niko ist ein beliebtes Mobbing-Opfer, da er unter Übergewicht leidet. Er hat kaum Freunde und wird in der Schule Tag für Tag schikaniert und mit gemeinen Sprüchen bloßgestellt. Bei einer Klassenfahrt hilft er seiner hübschen und beliebten Klassenkameradin Sera, als diese von einem anderen Mitschüler, dem Mädchenschwarm Marco, bedrängt wird. Fortan richten sich die Beleidigungen auch gegen sie. Hals über Kopf laufen Sera und Niko davon und tauchen im wahrsten Sinne des Wortes unter …

Aus doppelter Ich-Perspektive

In ihrem zweiten Buch „Tanz der Tiefseequalle“ erzählt Stefanie Höfler die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die sie ebenso berührend wie witzig aus den Blickwinkeln der Jugendlichen schildert. Humorvoll und trotzdem nie die Ernsthaftigkeit der Problematik aus den Augen verlierend, greift sie die Themen Mobbing und Ausgrenzung, Anders-Sein und Identitätsfindung auf. Beeindruckend ist dabei vor allem ihre Erzählform, die doppelte Ich-Perspektive der beiden Protagonisten.

Schüler in Geschichte einbezogen

Auch bei ihrer virtuellen Lesung für die Klasse 8 d der Siegmund-Loewe-Realschule, die sich im digitalen Unterricht mit dem Jugendroman beschäftigt hatte, wechselte die Autorin beständig zwischen Niko und Sera hin und her. Ausdruck verlieh die im Schwarzwald lebende Lehrerin und Theaterpädagogin diesen Perspektivwechseln, indem sie dabei beim Lesen entweder „sichtbar“ für ihr junges Publikum war oder aus deren Sichtfeld verschwand. Die Autorin, Jahrgang 1978, las dabei insbesondere auch die Lieblingsstellen der Schüler , die diese im Vorfeld ausgewählt hatten. Trotz der räumlichen Distanz bezog sie diese immer wieder in die Geschichte mit ein, kam mit ihnen ins Gespräch und stellte sich anschließend auch deren Fragen.

Dabei wollten die Achtklässler beispielsweise wissen, wie sie auf die Idee gekommen sei, ein Buch zu schreiben. Die Antwort überraschte dann sehr, gestand die Autorin doch, als Kind sehr oft gelogen und immer irgendwelche Geschichten erfunden zu haben. „Meine Eltern haben mich gefragt, warum ich solche Sachen erfinde – und ich antwortete, weil es mir Spaß macht. Ich hatte einfach Bock, Geschichten zu erzählen, die nicht stimmen“, verriet Stefanie Höfler, deren erste drei Kinder- und Jugendbuchveröffentlichungen „Mein Sommer mit Mucks“ (2015), „Der Tanz der Tiefseequalle“ (2017) und „Der große schwarze Vogel“ (2018) mehrfach ausgezeichnet und auch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert waren. Für das Schreiben eines Buches brauche sie, wie sie erklärte, etwa ein Jahr. Bis zur Veröffentlichung dauere es aber insgesamt in der Regel rund zwei Jahre, da vor allem auch das Lektorat viel Zeit in Anspruch nehme.

Comics, Bilder und Handyvideos

„Eine Lesung lebt von Austausch“, meinte sie und bedauerte, seit einem Jahr trotz zahlreicher Anfragen nicht direkt an die Schulen kommen zu können. Für das virtuelle Format wähle sie aber nur solche Schulklassen aus, in denen sich die Schüler mit dem Buch beschäftigen und dieses in ihren Unterricht einbauen, so wie an der RS II.

Fächerübergreifend hatten dabei die Schüler in den Unterrichtsfächern Kunst und Werken bei den Lehrkräften Maria Seubert und Dirk Fischer jede Menge coole Comics, kreative Gedanken- und Schattenbilder, spannende Handyvideos sowie auch fantasievolle „Explosionsboxen“ entstehen lassen, um damit ihre Lieblingsstellen der Geschichte nachzustellen. Diese Beiträge fand Stefanie Höfler so genial umgesetzt, dass sie eine Projekt-Ausstellung anregte.

Ein kleines Highlight für die Schüler

Mit der Autoren-Lesung war sie einer Einladung von Deutsch-Lehrer Thomas Hauptmann gefolgt. Dieser hatte das Buch ausgesucht, nachdem er auf die Autorin bei einer SWR3-Buchvorstellung aufmerksam geworden war. In der Kronacher Buchhandlung drückte man ihm „Tanz der Tiefseequalle“ in die Hände. „Ich war schon ab der zweiten Seite voll dabei“, schwärmte er von dem mit viel Sprachwitz geschriebenen Buch . Besonders Niko sei ein großartiger Charakter: witzig, selbstironisch und ständig neue „Superwörter“ erfindend, worüber sich der Studienrat köstlich amüsierte. Die Autoren-Lesung zum Abschluss der literarischen Reise sei, wie er erläuterte, auch als kleines Highlight für die Schüler in dieser so schwierigen und unwirklichen Zeit gedacht. hs