„Eins und Eins = Eins“ – Unter diesem Titel hätte im Mai 2020 erstmals eine gemeinsame Ausstellung der Zwillingsschwestern Gabi June Michel und Ulrike Bernardt stattfinden sollen. Mehr als 30 Jahre sind bereits ins Land gezogen, nachdem der Vorsitzende der Regionalen Kunstförderung Kronach , Ingo Cesaro, diese Idee an die beiden herangetragen hatte. Dabei wollte er neben ihren eigenen Kunstwerken auch von ihnen gemeinsam gemalte Bilder ausstellen. Als dieses Vorhaben hätte endlich umgesetzt werden sollen, kam Corona – und damit ein Aufschub auf unbestimmte Zeit. Stattdessen finden sich nunmehr Bilder des Zwillings-Duos in „Cesaros temporärer Galerie“: großformatige magische Bilderwelten, die sich vom Stil und Motiv her sehr ähneln und die gleiche Botschaft bergen; aber doch mit ganz eigener künstlerischer Handschrift.

„Mir geht es in meinen Bildern um den Umgang der Menschen mit unserem Planeten“, erklärt Gabriele June Michel. Oft malt die Küpserin Frauen, Bruchstücke und Fragmente verschiedener Persönlichkeiten, Augenblicks-Aufnahmen – immer in Zusammenhang mit der Natur, mit einer Katze, Blume, einem Fisch oder auch mal tot vom Himmel fallenden Vögeln. Auch ihre Schwester thematisiert die Verbindung Mensch und Universum – oftmals mit feingliedrigen elfengleichen Frauenfiguren, deren Wimpern beispielsweise mit dem Mond verbunden sind, oder mit weiterführenden Tierhaaren. Auch Fische kommen in ihren Bildern oft vor, die untrennbar miteinander verbunden sind – durch ein Seil, zusammengewachsene Flossen oder Ähnliches. „Wir müssen darauf achten, was wir tun. Wir sind abhängig von unserem Planeten, nicht umgekehrt“, betont die Kronacherin, die ihren Stil noch etwas „krasser“ als den ihrer Schwester empfindet.

Beide malen großformatig, obwohl sie um die Problematik wissen: Je größer ein Bild, umso schwieriger wird der Verkauf – wegen des benötigten Platzes sowie des Preises. „Ich fühle so und ich passe mich nicht dem Markt an“, zeigt sich Ulrike Bernardt kompromisslos. Und auch ihre Schwester sagt: „Ich lasse mir nicht vorschreiben, wie ich zu malen habe. Es geht darum, Persönlichkeit in ein Bild zu bringen. Nur handwerkliches Können allein bringt nichts.“

In sozialen Netzwerken präsent

Nach dem Fachabitur begann Gabriele June Michel eine Lehre als Bauzeichnerin. Ihren Job hat sie mittlerweile für ein Leben als freie Künstlerin aufgegeben. Die Küpserin ist stark in den sozialen Netzwerken unterwegs – mit etlichen Fans. Werke von ihr sind in der ganzen Welt verstreut. Auch in der hiesigen Kunstszene ist sie sehr präsent – beispielsweise auf der Kunstmesse „ARTkronach“ und den Mitwitzer Künstlermärkten sowie beim Internationalen Vogelscheuchen-Wettbewerb, ebenfalls in Mitwitz. Sie malt Öl auf Leinwand, aber auch Mischtechniken. Neuere Werke sind collagenartig aufgebaut. Manchmal zeichnet sie auch mit Bleistift und Tusche und sie fotografiert sehr gerne.

Bei den Bildern ihrer Schwester handelt es sich zu 99 Prozent um Öl auf Leinwand. Arbeiten von Ulrike Bernardt waren regelmäßig bei „ Kronach leuchtet“ zu sehen. Mehrere Jahre hatte sie ein eigenes Atelier in Kronachs Altstadt . Sie stellte ebenfalls bei der „ARTkronach“ aus, im Café Lorla in der Oberen Stadt, in Kronachs Partnerstädten oder bei der „Palette“ in Steinwiesen. Auch sie verkauft ihre kraftvollen Malereien im In- und Ausland. Sie hat eine eigene Schmuckkollektion, unter anderem aus zusammengeklebten Zeitungsausschnitten.

Die jetzige Situation ist für beide Künstlerinnen sehr schwierig, fehlt ihnen doch die Möglichkeit, ihre Werke einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Umso mehr freuen sie sich über „Cesaros temporäre Galerie“ – und auf die hoffentlich zeitnahe Verwirklichung der 30 Jahre alten Ausstellungidee einer Schwester-Schwester-Ausstellung. Geplant ist, dass beide jeweils eine Seite der Kronacher Synagoge mit eigenen Kunstwerken präsentieren und auch Gemeinsames – wie ein von beiden gemaltes Selbstportrait, auf dem sie als Kinder zu sehen sind.