Direkt an der Flurgrenze zwischen der Gemarkung Wallenfels und Reichenbach unweit des kleinen Weilers Haid wurde im Rahmen einer feierlichen Maiandacht das Wegkreuz „Göttlich Hilf“ wiedereingeweiht.

Das Wegkreuz im Stil des „Volto Santo“ von Lucca in Italien zeigt Jesus nicht als den gekreuzigten und leidenden, sondern als den in einer gegürteten Tunika gekleideten Heiland als Triumphator und König mit Krone, langem Bart, offenen Augen, aufrecht vor dem Kreuz schwebend.

Der ehemalige Kreisheimatpfleger Roland Graf beschreibt in einem Buch die „Göttlich Hilf“ als „einmaliges Kleinod von höchster volkskundlicher Bedeutung an der östlichen Grenze des Landkreises Kronach. Es handelt sich dabei um eine fast lebensgroße ,Volto-Santo-Darstellung’, die für den gesamten nordbayerischen Raum eine absolute Seltenheit in ihrer Funktion als Flurdenkmal darstellt.“

Im Wallenfelser Volksmund wird das „Volto Santo“ liebevoll als „Göttlich Hilf“ bezeichnet und ist nicht nur für die Marienweiher-Wallfahrer ein wichtiger Wegpunkt, sondern auch ein geschätzter Besinnungsort vieler Frankenwaldwanderer.

Nachdem der Korpus im Jahr 2019 starke Schäden aufwies, erfolgte vor dem Wintereinbruch am Christkönigsfest, 24. November 2019, die Abnahme durch Angehörige der Familie Müller-Zeiner. Das Wegkreuz befindet sich bereits seit 1852 im Familienbesitz . Seit der Abnahme des Kreuzes wurde die Familie immer wieder von Einheimischen angesprochen, die ihre „Göttlich Hilf“ sehr vermissten.

In Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erfolgte die fachgerechte Restaurierung des Korpus durch das Atelier Zenkel-Schirmer in Kronach, das mit viel Einfühlungsvermögen das Werk gestaltete.

Nachdem man auch größere Schäden an der Kreuz- und Dachkonstruktion feststellte, wurde durch zahlreiche Stunden „zu Ehren Gottes “ von Wallenfelser Helfern die detailgetreue Rekonstruktion des gesamten Tragkreuzes mit Kupferbedachung angefertigt. Ein Helfer aus Geuser stellte dafür Halle und Maschinen zur Verfügung und unterstützte mit seinem Forstgerät die Aufstellung des über 500 kg schweren Kreuzes am 10. Mai.

Der Dank galt neben den zahlreichen Helfern auch den örtlichen Sägewerken, die durch Holzspenden ihre Wertschätzung für die „Göttlich Hilf“ zeigten, sowie dem Ortsheimatpfleger Franz Behrschmidt, welcher der Restaurierung mit Rat und Tat zur Seite stand.

Franz Behrschmidt erläuterte in der Begrüßungsrede den Gläubigen die außerordentliche Bedeutung dieses Kultur-Schatzes. In der Maiandacht verbunden mit der Weihe durch Pfarrer i. R. Helmut Spindler stand die Christ-Königs-Verehrung im Zentrum. Abgespielte Marienlieder und das Wallenfelser Lied umrahmten die Andacht bei bestem Wetter. red