Weißenbrunn —  Der Weißenbrunner Gemeindeteil Gössersdorf hat gerade einmal 200 Einwohner. Dafür kann das Dorf jedoch mit mehr als 700 Jahren Geschichte aufwarten. Nun wird eine Ortschronik veröffentlicht, die genau diese Historie aufbereitet.

„Ein kleines Dorf – seit 1321 im Spiegel seiner Geschichte“, heißt das Buch, das Dieter Runzer, Helmut Schuberth und Heinrich Glaser verfassten und das der Arbeitskreis „Heimatpflege für Weißenbrunn“ nun veröffentlicht.

Gössersdorf gehörte früher zum Landkreis Stadtsteinach und wurde dann zunächst dem Landkreis Kulmbach zugeordnet.1976 erfolgte die freiwillige Eingemeindung nach Weißenbrunn und Gössersdorf wurde Teil des Landkreises Kronach .

Falsches Jubiläum gefeiert

Bis vor einigen Jahren waren die Gössersdorfer noch davon ausgegangen, dass das offizielle Datum der Ersterwähnung 1333 gewesen sei. Deshalb feierten sie 1983 ihr 650-jähriges Bestehen. Im Vorfeld hatte der damalige Pfarrer Manfred Voigt eine Ortsgeschichte verfasst. Mit dieser Chronik hatte er den Grundstein für die aktuelle Ausgabe mit über 290 Seiten mit Fotos und Grafiken gelegt.

Dieter Runzer, ehemaliger Ortsheimatpfleger und Heimatforscher , baute auf der Arbeit von Voigt auf und wirkte so maßgeblich an der neuen Chronik mit. Sie ist der neunte Band der heimatkundlichen Schriften für Weißenbrunn und seine Gemeindeteile, die Runzer veröffentlichte.

Erste Erwähnung schon im Jahr 1321

Der ehemalige Heimatpfleger fand zusammen mit Helmut Schuberth heraus, dass es Quellen gibt, die auf ein früheres Entstehungsdatum von Gössersdorf hinweisen. Es geht konkret um die Bestätigung einer Schenkung eines umfangreichen Besitzkomplexes an das Kloster Langheim.

Dieser erste urkundliche Nachweis von Gössersdorf hielt der Historiker Johann Looshorn fest: „Iring von Redwitz, Amtmann in Lichtenfels, eignet am 23. Februar 1321, nach dem Verzichte der Veilsdorfer auf einige Güter in Gösserdsdorf, diese Oheime (patruo) Albert Vortscho von Thurnau, der sie dem Kloster Langheim schenkt.“ Im Jahr 1495 bekam Hermann Zolstab von Alexius von Redwitz zu Theisenort dessen Erbhof zu Gössersdorf als Lehen. Inzwischen gibt es sogar Vermutungen, dass der Ort schon im achten Jahrhundert gegründet wurde. Beim Ortstermin im Rathaus bleibt es aber bei Gössersdorfs 700-jähriger Geschichte.

Verfasser vor Fertigstellung verstorben

Dieter Runzer war mit den Recherchen und der Aufbereitung bis zur bayerischen Gebietsreform in den 1970er Jahren gekommen. Schuberth hatte bis dahin auch schon einen Großteil des umfangreichen Materials aus den verschiedenen Archiven und Kirchenämtern beschafft. Nach dem Tod Runzers im Jahr 2015 stand man vor einem Problem: Die Festplatte, auf der alle seine Daten gespeichert waren, war defekt.

Nach einiger Zeit gelang es seinem Neffen jedoch, die Daten zu retten . Runzers Familie war sich einig, dass der noch fehlende Teil der Geschichte bis in die Gegenwart vervollständigt werden sollte. Schuberth bat daraufhin seinen langjährigen Freund Heinrich Glaser um Hilfe. Im Rathaus Weißenbrunn nahmen Bürgermeister Jörg Neubauer (SPD) und Altbürgermeister Egon Herrmann (SPD) ein erstes Exemplar der Gössersdorfer Ortschronik entgegen.

Zur Überreichung waren die Mitverfasser Heinrich Glaser und Helmut Schuberth ins Rathaus gekommen und hatten auch den ehemaligen Pfarrer Manfred Voigt dabei. Eine offizielle Vorstellung für die Öffentlichkeit wird es am kommenden Sonntag um 15 Uhr im Gasthaus Alex in Gössersdorf geben.