Über dem Altar hängt eine große Muttergottes-Figur, flankiert von zwei Engeln. Die Ausstattung ist schlicht: nicht zu prunkvoll, nicht überladen, mit schönem Blumenschmuck geziert: Es ist ein schmuckes Kirchlein, das auf der nordöstlichen Anhöhe in Roßlach in der Weggabelung – zur Schäferei nach links und zur Weiterführung des Kapellenwegs nach rechts – in einer kleinen Wiese gelegen, auf Besuch wartet: freundlich , hell und heimelig – wie eine Oase der Ruhe und Stille.

Am Himmelfahrtstag, 3. Mai 1951, gab Pfarrer Dittrich der neu erbauten Marienkapelle in der damals selbstständigen Gemeinde Roßlach den kirchlichen Segen. Die Idee für diesen Neubau hatten Johann Renk, der später Bürgermeister war, und Balthasar Böhnlein. Sie wollten, dass „auch von Roßlach ’s Höhen eine Glocke Gottes Lob verkündet“.

Als beide in den Krieg ziehen mussten, gaben sie sich beim Abschied das Versprechen, mit aller Kraft ihr Vorhaben zu verwirklichen. Leider kehrt nur Johann Renk zurück. Er fühlte sich seinem gefallenen Kameraden in der Pflicht, das gegenseitig gegebene Versprechen in die Tat umzusetzen. Er motivierte seine Familie, seine Verwandtschaft sowie die Bürger von Roßlach . Auch Pfarrer Dittrich half mit. Der Baumeister Heinrich Geiger aus Friesen erstellte den Bauplan.

Auf dem Grundstück von Johann Böhnlein stand eine kleine und baufällige Kapelle, die den heiligen fünf Wunden geweiht war. Hier sollte die Roßlacher Kapelle gebaut werden. Das Grundstück schenkte Johann Böhnlein der Gemeinde. Die Bauleitung lag in Händen von Johann Renk, der Maurer war, und des Zimmermanns Hans Renk. Sie gelten als Erbauer des Gotteshauses .

Viele engagierte Leute halfen mit. Die Roßlacher Bürger spendeten großzügig. Die Gemeindekasse steuerte 1000 DM bei. Die Steine stammen aus dem Steinbruch von Michael Fischer . Nach mühevollen Brucharbeiten schleifte Georg Baier diese im Winter mit dem Pferdeschlitten zum Bauplatz. Dort wurde jeder einzelne Block mit der Hand behauen. Viele Waldbesitzer stellten Baumstämme zur Verfügung. Adam Wich fuhr Sand und Kies herbei. Da die Wege sich in sehr schlechtem Zustand befanden, waren die Transporte mit großen Schwierigkeiten verbunden. Oft mussten Kühe vorgespannt werden. Ein zweiter Schlepper von Letsch half in Notlagen.

Nach einer Bauzeit von circa zwei Jahren konnte endlich die Glocke installiert werden. Sie stammt aus Friesen. Friesen besaß insgesamt sechs Glocken. Vier mussten im Krieg abgegeben werden, zwei wurden versteckt. Aus ihrem Versteck fand eine Glocke ihren endgültigen Platz in der Roßlacher Kapelle, wie dies Hans Brückner in seiner Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Kapelle beschrieb.

Üblicherweise wurden alljährlich zu Christi Himmelfahrt und Maria Himmelfahrt an der Kapelle Gottesdienste gefeiert. Gerne wurden in der Kapelle auch Sebastians-, Mai- und Rosenkranzandachten gebetet sowie Taufen und Totengebete für Roßlacher Mitchristen abgehalten.

Der Jubiläums-Gottesdienst an der Kapelle beginnt um 8.30 Uhr. Corona-bedingt stehen keine Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Die Besucher können sich jedoch selbst eine Sitzgelegenheit mitbringen.