In Wilhelmsthal wird an diesem Wochenende Kirchweih gefeiert. Der Festottesdienst am Sonntag, 18. September, beginnt um 10 Uhr Die stolz über Wilhelmsthal thronende St.-Josef-Kirche wurde am 19. September 1905 von Erzbischof Friedrich Philipp von Abert eingeweiht. Damals war Wilhelmsthal noch Teil der Pfarrei St. Ägidius Lahm.

Die Kirchenstiftung von Lahm hatte 1899 nach langer Diskussion darüber, ob die Lahmer Kirche neu gebaut oder erweitert wird, beschlossen, dass Wilhelmsthal eine eigene Kirche bekommen soll. Erst nach einer namentlichen Abstimmung in Wilhelmsthal unternahm der damalige Pfarrer Johann Leisner alle Anstrengungen, im Ort eine neugotische Kirche erbauen zu lassen. Die Kirchenstiftung von Lahm scheute keine Kosten, am Eichsberg ein Gotteshaus würdig auszustatten und dem „ärmsten Dorf Bayerns“ zur Verfügung zu stellen.

Die neugotische Innenausstattung der Pfarrkirche wurde in der Schnitzer- und Malerwerkstatt von Ferdinand Stuflesser in St. Ulrich im Grödnertal (Südtirol) angefertigt. Von großem Kunstcharakter sind die wunderbar gestalteten Fenster, die die Botschaft des Engels am leeren Grab sowie die Auferstehung und die Erscheinung des Herrn zeigen.

Ein Kraftakt für die Bevölkerung

Zeitgleich mit dem Kirchenbau wurde auch das Pfarrhaus errichtet und mit dem Bau des Schwesternhauses begonnen. Obwohl der Transport des gesamten Baumaterials dieser Baugruppe sich äußerst schwierig gestaltete, wurden die drei imposanten Gebäude in bemerkenswert kurzer Zeit erstellt. Dies lag vor allem daran, dass alle Wilhelmsthaler mit Hand anlegten und bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gingen. Neben den körperlichen Strapazen kamen erhebliche finanzielle Belastungen auf die Einwohner zu. Durch Erzbischof Jakobus von Hauck wurde die Kuratie St. Josef Wilhelmsthal mit Wirkung vom 1. Juli 1937 zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Die letzte große Kirchensanierung war Ende der 1990er/Anfang der 2000er-Jahre; sollte doch das Gotteshaus zum 100-jährigen Kirchweihfest 2005 wieder in ursprünglicher Pracht erstrahlen. 2021, rund zwei Jahrzehnte später, machten starke Beschädigungen weitere Maßnahmen dringend erforderlich. Diese betrafen insbesondere die durch Frost- und Witterungsschäden stark in Mitleidenschaft gezogene Außenfasssade sowie Teilbereiche im Kirchinneren. Auch einige Fenster wiesen zum Teil deutliche Ausbrüche an den Fenster-Gewänden aus. Im Innenbereich erfolgten vor allem Energiesparmaßnahmen sowie weitere Maßnahmen wie beispielsweise der Austausch der Heizpumpe. Die Sanierung stellte für die Kirchenverwaltung – trotz Zuschüssen des Erzbischöflichen Ordinariats und der Gemeinde Wilhelmsthal – einen großen Kraftakt dar.

Geweiht ist die Kirche dem heiligen St. Josef. Nach dem Neuen Testament war er Bräutigam der Gottesmutter Maria und väterlicher Beschützer des Jesuskindes. Der hebräische Name „Josef“ bedeutet: „Gott hat hinzugefügt“. Weil der heilige Josef für das Jesuskind und dessen Mutter Maria in treuer Weise gesorgt hat, wird er auch als besonderer Schutzpatron der Kirche verehrt und angerufen. Er ist außerdem Patron der Ehepaare und Familien, der Jungfräulichkeit, der Zimmerleute, der Sterbenden und bei Wohnungsnot.