Kaplan Florian Will verlässt nach zwei Jahren seine Wirkungsstätte in der Pfarreiengemeinschaft Kronach . Am Samstag verabschiedeten ihn „seine“ Höfleser im Kirchweihgottesdienst.

Dann kam er: Er, der die Herzen aller im Sturm eroberte. Er, der jung und alt begeisterte. Er kam, sah und siegte. Die Rede ist von Kaplan Florian Will, mit dem die Höfleser – trotz Corona – „su a schöna Zeit“ verbrachten, ihm nunmehr aber bald auf Wiedersehen sagen müssen. Zuvor wurde der „Kaplan der Herzen“ erst einmal gebührend verabschiedet – mit allerhand Überraschungen…

So eine Idee!

„Eine Verabschiedung an der Kerwa. Wer kummt denn auf su a Idee?“ Das fragten sich Barbara Backer, Sabine Stadelmann, Petra Schwarz und Claudia Blinzler. Vielleicht, so mutmaßten die vier ganz in schwarz gekleideten Frauen, weil manchenorts die Leute froh gewesen seien, ihren „Pfarra“ endlich losgeworden zu sein und es dann an der Kerwa „su richtig krachen“ lassen konnten. Ganz anders in Höfles!

Hier wurde der scheidende Kaplan tränenreich mit einem Schauspiel in mehreren Akten verabschiedet mit allerhand Anekdoten der gemeinsamen Zeit. Eingebettet darin waren auch die Grußworte von Claudia Wellach namens der Ortsvereine, Sabine Gross seitens der Stadt Kronach , Marie-Theres Ultsch namens des Liturgiekreises, Barbara Backer seitens der Kirchengemeinde und Kirchenverwaltung sowie Elke Burger für die Ökumene . Claudia Wellach, Vorsitzende des Musikvereins Höfles-Vogtendorf, erinnerte an die Moderation von Florian Will beim Jahreskonzert 2019. Die weitere Stellvertreterin von Bürgermeisterin Angela Hofmann, Sabine Gross, zeigte sich von der liebevollen Verabschiedung sowie vom beeindruckenden Gottesdienst sehr angetan: „Da geht einem das Herz auf!“

Freundlich und unaufgeregt

Marie-Theres Ultsch würdigte dessen wertschätzende, freundliche und spontane Art. Unaufgeregt und ruhig finde er immer die passenden Worte. Stellvertretend für Pfarrerin Alina Ellgring dankte Elke Burger für das von großer Offenheit und Herzlichkeit geprägte ökumenische Miteinander. Dem schloss sich Barbara Backer auch im Namen von Kirchenpflegerin Marga Ruppert an. „Du wirst ein Segen für deine nächste Kirchengemeinde sein“, zeigte sie sich sicher.

Auch Pfarreimitglieder kamen zu Wort. Sie dankten unter anderem für die ergreifende Gestaltung der Osterfeiertage und einen schönen Gottesdienst zur diamantenen Hochzeit.

Die Kommunionkinder überreichten ihrem „Kaplan der Herzen“ dann auch ein Herz, während ihn die Ministranten mit einer Flasche Whiskey nebst zugehörigem Glas bedachten. Als Bonus konnte er sich noch Schokolade „erschätzen“. Hierfür musste er erraten, ob die von Oberministrantin Carina Lieb geschilderten kleinen Missgeschicke von Höfleser „Minis“ wahr oder erfunden sind. Man mag es nicht glauben, was sich in der ehrwürdigen Höfleser Kirche schon alles ereignete: Ein falsch herum gehaltenes Buch des Tagesgebets, ein im Gottesdienst verlorener Schuh, das Umfunktionieren einer Christbaumkugel als Spiegel fürs Styling, das Anzünden eines Strohsterns am Christbaum mit einer Kerze sowie zu nahe am Körper gehaltener Weihrauch, der dann zum Kragen des Gewands wieder herauskam, gehörten da noch zu den harmloseren Begebenheiten. Der Kaplan durfte bei seiner Einschätzung auch Publikumsjoker nutzen, die er sich aber erst durch das Lenken eins ferngesteuerten Spielzeugtraktors erarbeiten musste.

„Die Jahre hier machen mir Mut“, bekundete der gebürtige Motschenbacher (Landkreis Kulmbach), der in den beiden Jahren in der Pfarreiengemeinschaft Kronach auch für St. Marien Höfles sowie St. Leonhard Zeyern mit Heilig Kreuz Oberrodach zuständig war. In seiner ersten Kaplanstelle habe er gelernt, dass Kirche nicht bedeute, dass nur einer vorne steht. Vielmehr lebe die Kirche davon, dass sich viele Ehrenamtliche in den Gemeinden einbringen. Er gehe mit einem weinenden Auge, vor allem aber mit großer Dankbarkeit. Für ihn gab es langen, warmen Applaus und Standing Ovations.

In seiner Kirchweihpredigt war er zuvor auf die Berufung von Gott eingegangen – ohne Vorleistung. Die Menschen seien berufen, sich in den Gemeinden einzubringen und zu wirken – als die, die sie seien, mit ihren Talenten, aber auch Fehlern und Schwächen.

Eigener Text für den Kaplan

Musikalisch stimmungsvoll umrahmte den Gottesdienst Silvia Wachter, die zur Melodie von „Über den Wolken“ eigens einen persönlichen Text für den Kaplan geschrieben hatte. Darin heißt es unter anderem: „In Höfles, Roudich und Zeyern war der Flori ganz schnell sehr beliebt“ oder auch „Hoch lebe der Flori. Er hat hier ganz vieles geschafft.“

Florian Will wird zum 1. September seine zweite Kaplanstelle im katholischen Seelsorgebereich Coburg Stadt & Land antreten. Sein Nachfolger wird Kaplan Dominik Stehl, „bildet“ man doch in Höfles Kapläne aus. Nach über 30 Kaplänen habe man darin Übung, zeigen sich die Höfleser sicher. Wenn man diejenigen dann endlich so weit habe, dass sie passten, hauten sie wieder ab. Anders sei es bei Florian Will gewesen, der schon bei seiner Ankunft alles gekonnt habe; schlicht und einfach, hieß es weiter, ein „Träumchen“ gewesen sei.