Johannisthal  — Der fünfte voll beladene Sattelzug fährt von Johannisthal aus nach Lutsk in der Ukraine, wo mittlerweile Millionen von Menschen nun auf der Flucht vor den Bombardements durch die russische Armee sind. Es gibt unermessliches Leid und Not bei den Menschen in den Kriegsgebieten und darüber hinaus.

Roman Grycak ist Ukrainer und arbeitet in der Frankenwaldklinik in Kronach. Auch seine Familie lebt hier. Als die ersten Raketen und Bomben auch zivile Ziele trafen, machte sich Roman zusammen mit seinem Fußballkameraden Andi auf die Reise an die polnisch-ukrainische Grenze. Einen Kleinbus voll mit Spenden konnten sie dort abliefern. Das dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein war, wurde schnell klar.

Mittlerweile hat sich das Gelände des VfR Johannisthal in eine Art Logistikzentrum verwandelt. Familien, Vereine und Firmen aus dem gesamten Landkreis Kronach und weit darüber hinaus, arbeiten Hand in Hand, um zielgerichtet humanitäre Hilfe zu leisten. Durch die hervorragende Zusammenarbeit eines bunt gemischten Teams gelang es nun, bereits den fünften 40-Tonner zu beladen und auf den Weg zu bringen. Die Lieferungen aus Johannisthal werden direkt bis nach Lutsk in die Westukraine geliefert. Von dort aus werden alle Hilfsgüter zielgerichtet in die von Not betroffenen Gebiete verteilt.

Am Samstag fand nun ein spontanes Gebet mit einem Reisesegen in Johannisthal statt. Domkapitular und Kronacher Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber betete gemeinsam mit Helfern, Spendern und Fahrern und sprach sehr eindringliche Worte: „Gerade in dieser schweren Zeit, ist es wichtig, wenn Menschen zusammenstehen. Wenn wir zeigen, dass wir nicht allein sind, dann spendet dies Trost und gibt neue Zuversicht.“

Tom Sauer aus Weißenbrunn, der mit seiner humanitären Hilfe für Menschen in Not e.V. bereits seit dem Jugoslawienkrieg bekannt ist, griff zur Gitarre und interpretierte den Titel von Udo Lindenberg „Wozu sind Kriege da?“ Er hatte für Roman ein kleines Kästchen mit Schutzengeln dabei, die Roman sodann an die Teilnehmer der Andacht verteilte. „Solche Schutzengel brauchen wir derzeit alle, aber wir selbst können auch zu Schutzengeln werden, indem wir weiter Hilfe leisten und für den Frieden kämpfen“, so Tom Sauer. Längst hat die „Aktion Roman“ auch überregional für Aufsehen gesorgt. So konnten bei der Firma Gerlinger in Nördlingen und bei der Firma Polifilm in der Nähe von Halle zwei Sattelzüge mit hochfesten Klebebändern und Folien auf den Weg in die Ukraine gebracht werden.

Mit diesen Sachspenden können zerstörte Fenster und Türen notdürftig geflickt werden. Weitere Transporte sind geplant und werden lebensnotwendige Güter dort abliefern, wo sie den Menschen helfen, um zu überleben.