Auch im letzten Jahr war der Hospizverein mit seinen Helfern im Einsatz. Vorsitzender Peter Witton freut sich unter anderem, dass die Mitgliederzahl sogar etwas in die Höhe gegangen ist. Weniger froh zeigt er sich darüber, dass die Spendeneinnahmen um etwa 40 Prozent zurückgegangen sind. Witton begründet das damit, dass keine Veranstaltungen zugunsten des Vereins stattfinden konnten.

Auch aus der Trauergruppe um Iris Zinkant kommen ein paar Informationen aus dem letzten Jahr. Sie bestätigt, dass sowohl Einzelgespräche als auch zwei Erwachsenentrauergruppen hätten stattfinden können. Aufgrund der aktuellen Situation fände momentan die Trauergruppe "Brücke" online statt. Zinkant: "Sie wird sehr gut von allen Altersklassen angenommen."

Witton fasst die Arbeit des Vereins so zusammen: "Es ist die menschliche Zuwendung, die im medizinischen Bereich so nicht vorhanden ist. Es ist die Antwort auf die Verzweiflung am Ende des Lebens und es ist ein lebensgerechtes Sterben, um dem Sterbenden gerecht zu werden." Es gehe vor allem darum, was man einer Familie in dieser speziellen Situation an Hilfe bieten könne. "Manchmal sitzt man einfach am Bett und hält die Hand, oder man bietet Hilfe bei Konflikten, schaut zusammen ein Fotoalbum an oder erzählt einfach eine Geschichte. Wir bringen Zeit zum Sterbenden, ohne unter Zeitdruck zu sein." Ingrid Steinhäußer ergänzt noch: "Unser Besuch kann auch eine Entlastung für die Angehörigen sein, die während dieser Zeit ihre Besorgungen machen können."

Raum zum Verarbeiten

Bei all dem Leid und der Verzweiflung, die Hospizbegleiter erleben, wo bleibt da der Raum, um alles selbst zu verarbeiten? Witton: "Nach einer Begleitung gibt es eine Pause und wir können uns professionelle Unterstützung holen." Diese Pause sei allein auch deshalb notwendig, weil gegen Ende einer Begleitung die Helfer unter Umständen den Betroffenen sogar zweimal täglich besuchen. Brigitte Rabgrund erinnerte sich zum Beispiel an eine Frau mit aufsteigender Lähmung und einer Krebserkrankung. "Diese Frau hat viel geweint, der Mann war überfordert , Kinder waren keine da. Die Sterbebegleitung war also ein Segen."

Sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen, auf Grenzen zu achten, das gehöre zum Leben eines Hospizbegleiters. Ingrid Steinhäußer, die miterleben musste, wie ihr Vater in einem Krankenhaus gestorben ist, völlig verwirrt und ruhiggestellt, weiß, wie wichtig es ist, Menschen in einer vertrauten Umgebung sterben zu lassen. Und genau dafür sei der Hospizverein da, meint auch Witton, nämlich "um Sorgen und Ängste loszuwerden und um Spannungen abzubauen. Eine Trauer ohne Abschied ist extrem schwierig." ml