Wissen Sie, wie man Glück produziert? Die LBV- (Landesbund für Vogelschutz ) Kreisgruppe Kronach weiß es: „mit einer extensiven Beweidung durch Angusrinder“. Die imposanten Tiere stehen in der Umgebung von Horb an der Steinach auf fünf unterschiedlichen Flächen und erledigen dort offenbar einen guten Job.

Dabei sorgen sie, laut Vorsitzendem Ulrich Münch, nicht nur für erhöhte Biodiversität , sondern auch für mehr Insektenvielfalt und unterstützen dadurch Fledermäuse, Vögel und Reptilien . Um das zu unterstreichen und um das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen, hatte der LBV in Horb einen „großen Bahnhof“ mit allen Akteuren arrangiert. Ulrich Münch stufte dabei die Tierbeweidung als „non plus ultra“ ein. „Man besinnt sich wieder auf das, was früher sehr gut funktioniert hat.“

Optimale Sommerbeweidung

Für eine optimale Sommerbeweidung gebe es aber auch Regeln, schränkte er ein und nannte den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und auf präventive Medikamente. Auch dürfe man nicht zufüttern und müsse auf artgerechte Haltungsformen achten. Die schwarz-glänzenden Hauptakteure selbst jedenfalls scheinen sich hier wohlzufühlen. Brennt ihnen die Sonne zu sehr auf den Buckel, dann ziehen sie sich in den Schatten zurück. Ansonsten finden sie auf den Flächen einen reich gedeckten Tisch, ziehen von einem Futterplatz zum anderen. Was wiederum vielfältige Strukturen, unter anderem durch Trittspuren, hinterlasse. Auch dadurch könne man die Artenvielfalt fördern. Und an den sonstigen Hinterlassenschaften könne man die Qualität des Futters erkennen, „denn im Dung tummeln sich sehr viele Insekten. Das ist bei konventioneller Tierhaltung leider nicht der Fall. Da wird nur Sondermüll produziert.“ Münch betonte außerdem, es handle sich hier um eine saisonale Beweidung von März bis Oktober. Und während dieser Zeitspanne könne man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Diese Art der Tierhaltung wertet die Gemeinden auf. Sie ist gut für den Tourismus, für Wanderer und für Radfahrer.“ Aber man müsse halt auch bereit sein, etwas dafür zu tun. „Es geht entweder auf die konventionelle Weise ohne Artenvielfalt oder auf die biologische mit einem sehr großen Artenreichtum . Aber das ist immer auch Eigentümersache.“ Seine Rechnung jedenfalls ging am Ende auf: „Eine einzige Kuh produziert eine Tonne Dung im Monat. Daraus ergeben sich 20 Kilogramm Insektenmasse. Davon ernähren sich dann beispielsweise zehn Kilogramm Vögel .“

Die Vermarktung von regionalen und saisonalen Produkten hatte Edith Memmel als stellvertretende Landrätin im Blick. Die müsse noch besser werden, und vielleicht könne es ja bald sogar einen Regionalwarenladen geben, so ihr Herzenswunsch. Und sie richtete sich an die Verbraucher: „Wir müssen immer wieder nachfragen nach entsprechenden Produkten. Aber wir müssen auch bereit sein, einen höheren Preis für diese Qualität zu zahlen.“

„Am Ende soll es eine runde Sache werden zwischen Erzeugern und Verbrauchern.“ Bürgermeister Oliver Plewa, der sich darüber freute, dass der Markt Mitwitz so viele engagierte Akteure vor Ort habe, lobte gleichzeitig auch den weiteren Mosaikstein im Steinachtal. Die „Hörber Weidelandschaft“ sei auf jeden Fall ein gelungenes Projekt, das zum Biotopverbund „grünes Band“ passe. Ziel sei sowohl der Artenschutz als auch ein sanfter Tourismus. „Und die Menschen müssen die Zusammenhänge verstehen.“ Markus Martini ist Biodiversitätsberater und quasi die Schnittstelle zwischen LBV und der Regierung von Oberfranken. Die Finanzierung werde nämlich unter anderem vom Vertragsnaturschutzprogramm gestützt. Auch er war froh, „die Akteure wieder draußen zu erleben.“ Sein Blick ging dabei in Richtung Angusrinder, die wenig beeindruckt waren von den Blicken, die man an diesem Tag auf sie richtete. „Dieses Projekt ist beispielgebend“, freute er sich. „Es stellt nämlich eine Verbindung zwischen den Produzenten und den Konsumenten her.“ Ganz am Ende kam noch ein selbst ernannter Skeptiker zu Wort, der aber gerade auf dem Weg der Bekehrung sei, wie er selber zugab.

So langsam weicht die Skepsis

Biolandwirt Heinrich Bauersachs musste sich erst von Argumenten und der Familie überzeugen lassen, dass sich die „Mehrarbeit“ auch lohne. Seine Angusrinder sind es, die in Horb auf den Flächen stehen. „Meine Angusrinder habe ich in die ganze Welt verkauft. Jetzt stehen ein paar davon endlich auch in der Heimat.“ Jetzt werde es sich zeigen, ob es innerhalb von drei bis vier Jahren möglich sei, Erfolge zu erzielen, die auch messbar seien. Auf jeden Fall plädiere er dafür, die Schöpfung zu bewahren „im Einklang mit der Natur“. Sowohl auf den Naturschutz als auch auf das Tierwohl solle bei diesem Projekt geachtet werden. Und das sei laut Ulrich Münch vor allem dadurch gewährleistet, dass die Tiere im Familienverbund lebten, das Kalb etwa acht Monate bei der Mutter bliebe, die Rinder sich vom frischen Gras ernähren – und die Mutterkuhherden fast das ganze Jahr im Freien verbringen könnten.