Eine große Gemeinde hatte sich am Pfingstmontag an der Marienkapelle in Kestel bei Kronach zu einer ökumenischen Pfingstandacht versammelt. Allen war die Freude anzumerken, nach einjähriger Corona-Pause im Freien zusammenkommen zu können. Ökumene bedeutet auch, das Beste beider Konfessionen zusammenzubringen, betonte Pfarrer Thomas Teuchgräber.

Der Leitende Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Kronach erinnerte eingangs daran, dass die Jünger beim ersten Pfingstfest aus einer Lethargie heraus Mut bekamen und den Glauben verkündeten. Es sei nun Aufgabe der Kirche , auf die Menschen zuzugehen, sie einzuladen, gemeinsam Gott und die Botschaft Jesu Christi zu verkünden.

Der Turmbau zu Babel

Erstmals dabei war der Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Kronach-Luwigsstadt, Markus Müller. Zunächst erinnerte er an den Turmbau zu Babel. Eine Erzählung, die erklären solle, warum sich die Menschheit kaum versteht, warum sie verstreut auf der ganzen Erde lebt und unterschiedliche Sprachen spricht. „Ist es so schlimm, dass Menschen versuchen, einen hohen Turm zu bauen?“, fragte er. Immer wieder würden Menschen etwas tun, was noch niemand vorher erreicht hat. Jede Erfindung sei zunächst kritisch beäugt worden. Neue Technik habe sich zunächst rechtfertigen müssen, weil sie im Verdacht stand, irgendwie größenwahnsinnig zu sein, Grenzen zu überschreiten. „Wir sind doch dankbar für manche großartige Erfindung“, bekundete der Geistliche . An vieles haben wir uns gewöhnt und möchten es nicht missen. Andererseits wäre uns auch manches erspart geblieben: manche Katastrophe, und unsere Luft wäre sauberer. Die Turmbaugeschichte zu Babel sage über unser zivilisatorisches Streben, sich damit einen Namen zu machen. Diese Erzählung hält auch uns Menschen heute einen Spiegel vor. „Wir hören nicht auf, Türme bauen zu wollen, mit denen wir gottgleich werden wollen. Wir hören nicht auf, uns einen Namen machen zu wollen.“ Auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sei manchmal aus den Augen geraten, sich besser abzusprechen und gemeinsam zu sprechen und dann zu einem gemeinsam verantworteten Handeln kommt. „Wie gut ist es, dass es nicht bei dieser Sprachverwirrung geblieben ist.“ Das Pfingstfest überwinde die Katastrophe von Babel. Auf einmal verstanden sich Menschen verschiedenster Herkunft, so Müller. Gottes Geist führe Menschen unter ganz anderen Vorzeichen zusammen. Sinn und Bedeutung wachsen da, wo wir mit anderen Menschen in Beziehung treten.

Vielfalt als Ansporn

Die Vielfalt der Sprachen zwischen Völkern , Generationen, Geschlechtern und Regionen könne Ansporn sein in unserem Leben. „Es gibt eben nicht nur meine Sicht der Dinge und meine Welt.“ Gott wähle den Weg der Verschiedenheit und zeigt zugleich den Weg der Einheit in dieser versöhnten Verschiedenheit. Dies sei auch das Ziel der ökumenischen Bewegung. „Durch das Geschehen an Pfingsten ruft uns Gott auf, die Grenzen neu zu überwinden und die Vielfalt unserer Sprachen zu nutzen. Immer neu zu überlegen, wie wir aufeinander zugehen können. Lasst uns zusammen eine Welt gestalten und bewahren, in der man sich verstehen kann – in der Liebe und Vertrauen zu spüren sind.“

Thomas Teuchgräber dankte der Familie Schneider, welche die Marienkapelle pflegt und erhält. Christian Kapfhammer sorgte dafür, dass die Ziegelerdener Glocken an den richtigen Stellen läuteten. Gregor Damschen gab der Andacht mit seiner Klarinette einen musikalischen Rahmen. rg