Karl-Heinz Hofmann

Ungeachtet massiver Kritik aus der Landwirtschaft und den Ländern hat das Bundeskabinett am Mittwoch das Insektenschutzgesetz beschlossen. Auch die Bauern im Landkreis Kronach hatten am Montagabend mit einem Mahnfeuer gegen die Regelungen und die Folgen für die regionale Landwirtschaft demonstriert.

Mehrere Bauern versammelten sich bei klirrender Kälte von Minus 10 Grad auf einer Wiese bei Teuschnitz , um mit einem Mahnfeuer auf sich aufmerksam zu machen. Hier ist das größte zusammenhängende FFH-Gebiet. FFH-Gebiete sind europäische Natur- und Landschaftsschutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen ( Flora ), Tieren ( Fauna ) und Lebensraumtypen (Habitaten) dienen. Von den dadurch bedingten gesetzlichen Einschränkungen ist auch viel Ackerland betroffen.

Die Mitglieder im Kreisverband Kronach des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) um Kreisobmann Erwin Schwarz und Kreisbäuerin Rosa Zehnter sparten nicht an Kritik an dem nach ihrer Meinung unausgewogenen und viel zu einseitig auf die Landwirtschaft ausgerichteten Gesetzentwurf zum Insektenschutz. Der Obmann nahm unter der Prämisse "Insektenschutz geht alle an" auch Wirtschaft, Verkehr, Kommunen, Kirchen und Bürger in die Pflicht. Er kritisierte an dem Entwurf für das Gesetz, dass der tägliche Flächenverbrauch nicht ernsthaft aufgegriffen werde: Die Landwirtschaftsfläche und der Lebensraum für Fauna und Flora , die jeden Tag bundesweit durch Verkehrs- und Siedlungsprojekte verloren gehen, entsprächen der Fläche zweier durchschnittlicher bäuerlicher Familienbetriebe in Bayern.

"Gravierende Auswirkungen"

Schwarz erläuterte, dass auf mehr als der Hälfte der Bauernhöfe und rund 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen nach den Vorgaben der Agrarumweltprogramme gewirtschaftet werde. Doch die von Bundesumweltministerin Svenja Schulze initiierten Maßnahmen hätten insbesondere dort "gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft", wo Bauern in FFH-, Vogelschutz- und Naturschutzgebieten wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen haben, ihn mit ihrer Arbeit pflegen und erhalten. Im Landkreis Kronach seien durch die neuen Einschränkungen in Naturschutzgebieten , Streuobstflächen, FFH- und Vogelschutzgebieten, an Gewässern und auf artenreichem Grünland etliche Hektar landwirtschaftliche Fläche betroffen. Schwarz: "Wir brauchen Kooperation statt neuer Verbote. Denn Naturschutz geht nur mit uns Bauern !"

Die Betriebsinhaber Andre Martin aus Wickendorf und Eduard Daum aus Teuschnitz erklärten, sie fühlten sich "getäuscht und eingeengt" durch die Maßnahmen der Bundesumweltministerin. Nach deren Willen sollten die Bewirtschaftung oder notwendiger Pflanzenschutz auf 800 000 Hektar in Bayern - und damit auf 25 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche - verboten oder massiv eingeschränkt werden. In Deutschland mache die Politik die Landwirtschaft kaputt, obwohl die Bauern mit der Natur und nicht gegen die Natur arbeiteten. Sie wollten auch nicht zum Sozialhilfe-Empfänger werden, machte der 35-jährige Andre Martin seinem Ärger Luft.

"So viel Ungerechtigkeit"

"Wir müssen aufgrund der Besonderheiten der Nahrungssicherung unserer Tiere und der Menschen weiterhin konventionell arbeiten, und jetzt sollen wir durch das Insektenschutzgesetz dafür noch bestraft werden", erboste sich der Ortsobmann von Teuschnitz , Eduard Daum, über "so viel Ungerechtigkeit ".

Der Vorsitzende des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung im Kreisverband Kronach, Gerd Zehnter, nannte Maßnahmen, mit denen Bauern die Natur und Artenvielfalt schützten, wie Blühstreifen, Feldvogelinseln, Extensivgetreide, Sommergetreide mit blühender Untersaat und vieles mehr.

BBV-Kreisobmann Schwarz resümierte: "Bei der Ausweisung von FFH-Gebieten erklärte die Politik, dass die Landwirte weiterhin so wirtschaften können wie bisher. Wer weiß noch was von dieser Zusage? Auf was und auf wen kann sich die Landwirtschaft noch verlassen?"