Storchenalarm im Kronacher Landkreis. Das Mitfiebern hat ein Ende, denn drei Jungstörche residieren mit ihren Eltern mittlerweile auf dem Mitwitzer Wasserschloss und strecken ihre kleinen Schnäbel aus dem Nest. In Kürze werden auch in Küps Storchenbabys erwartet. „Es ist seit Jahrzehnten der erste Storchennachwuchs im Kronacher Landkreis“, freut sich LBV (Landesbund für Vogelschutz)-Kreisvorsitzender Ulrich Münch.

Auf dem Schloss in Hassenberg gibt es in diesem Jahr zwei Jungstörche. Münch: „Also teilen sich jetzt zwei Storchenfamilien das Revier und die Wiesen im Steinachtal, was anfangs wohl nicht so ganz reibungslos über die Bühne ging.“ Ulrich Münch muss schmunzeln, als er an das Fauchen und das Imponiergehabe denken muss, mit dem die Revierkämpfe ausgetragen wurden. Der Vorteil lag wohl erst einmal bei den Hassenberger Störchen, da diese schon etwas erfahrener seien. „In Mitwitz sind Jungstörche, sie lernen erst, wie man sich behauptet.“ Und so unglaublich sich das jetzt anhört: Störche sind die geborenen Politiker. „Sie haben Kompromisse geschlossen und sich das Revier aufgeteilt. Die Hassenberger haben jetzt die Steinachtalwiese Richtung Wörlsdorf/Schwärzdorf in Beschlag genommen und die Mitwitzer Störche haben sich Richtung Horb und Kronach verlagert.“ Und weil hier überall ausreichend Nahrungsquellen vorhanden seien, gebe es auch keine Revierkämpfe mehr. Ulrich Münch freut sich aber nicht nur über den Nachwuchs, sondern auch darüber, dass es Altbürgermeister Hans-Peter Laschka überhaupt möglich gemacht hat, dass sich die Störche in Mitwitz niederlassen können. Er nämlich habe das Nest „organisiert“.

Warum es in Bayern immer mehr Weißstörche gäbe, läge an zahlreichen Faktoren. Ulrich Münch hat Zahlen und Fakten, die das belegen. Die erfreuliche Statistik weise nämlich 750 Storchenpaare aus, von denen allein im letzten Jahr 600 Paare erfolgreich gebrütet hätten. Münch: „Rund 1500 Weißstorchjunge sind in Bayern flügge geworden.“ Jedes Jahr würden neue Rekorde gemeldet. Das liege unter anderem am sogenannten „Storchenhilfsprogramm“ des LBV. Storchenbeauftragte erforschten hier die Bedürfnisse der Störche, schufen mit verschiedenen Partnern Tümpel und Feuchtflächen und sorgten dafür, dass sich die Bodenbewirtschaftung veränderte. Auch habe man Nisthilfen repariert, renoviert und neu gebaut und Strommasten umgerüstet. Gerade die hätten nämlich immer wieder für tödliche Stromschläge gesorgt.

„Mittlerweile sorgen 350 Storchenbeauftragte in Bayern dafür, dass die Störche gute Bedingungen vorfinden, um ihren Nachwuchs großzuziehen.“

Ein weiterer Grund für die Bestandserhöhung der Weißstörche sei aber auch im Klimawandel begründet, so Münch. „Die bayerischen Störche sind sogenannte Westzieher und ihre Route führt sie über Spanien und die Straße von Gibraltar nach Afrika. Dann überqueren sie die Sahara und verbringen den Winter in Westafrika. Dieses Zugverhalten hat sich für viele Störche in den letzten Jahren verändert, sie nehmen den beschwerlichsten und gefährlichsten Teil ihrer Reise gar nicht mehr auf. Sie bleiben in Spanien, verbringen den Winter dort und haben den Vorteil, wieder frühzeitig in die Brutgebiete zurückzukehren. Dort suchen sie sich die besten Horste, um früher das Brüten anzufangen.

Einige Störche bleiben mittlerweile sogar im Winter hier bei uns. So haben zum Beispiel im Itzgrund vier Störche den Winter hier verbracht. Die Kälte macht ihnen nichts aus. Sie finden genug Regenwürmer, solange keine Schneedecke die Wiesen bedeckt. Sollte es mal zu mehr Schnee kommen, ziehen die Störche an den Flüssen entlang einfach Richtung Westen und lassen sich dann in Flusstälern nieder, in denen sie genügend Futter finden. In Bayern überwinterten etwa 200 Störche im letzten Winter. Diese Strategie erhöht natürlich die Bestandsentwicklung nachhaltig, da der gefährliche und mühsame Weg eingespart wird.“

Hans Schönecker, der im Landkreis Coburg 17 Storchenpaare betreut, erstellt auch einen Newsletter über die Entwicklung der Tiere. Wer Interesse habe, könne sich gerne an den LBV wenden, um Näheres zu erfahren, verspricht Ulrich Münch.