Ein „fränkisches Dreierlei“ unter dem Motto „A wengla wos“ genoss das Publikum beim kulturellen Heimatabend der Nordhalbener Ortsgruppe des Frankenwaldvereins (FWV).

Zu verdanken hatte es dies einem späten Wiedersehen zweier ehemaliger Schulfreunde aus Kronach: Hans Blinzler, Mundartforscher und Kulturwart der lokalen FWV-Gruppe, und dem heute in Mittelfranken lebenden Florian „Flo“ Weber. Letzterer ist Verfasser von Gedichten und Liedern, ein „Liedlesmacher“, wie er sich selbst nennt. Dritter im Bund war Rudolf Ruf aus Nordhalben , der neben mittlerweile mehreren Theaterstücken auch Poesietexte in heimischem Idiom verfasst.

Die drei nahmen mit verschiedenen Vorträgen ihre Umgebung aufs Korn, mal nachdenklich, aber im Tenor meist humorvoll. Der Hauptpart gehörte dabei „Flo“ Weber, der in der Ansbacher Gegend in verschiedenen Formationen auf der Kleinkunstbühne steht. In Nordhalben gastierte er erstmals in der Art eines Bänkelsängers mit guter Stimme und komödiantischem Talent, der seine nachdenklichen Stücke auf Gitarre und Laute begleitete.

Rudolf Ruf schwelgte gekonnt in Erinnerungen an die Jugendzeit, als der Ort noch voller Geschäfte, Metzgereien, Bäckereien und Wirtschaften war. Doch ganz ohne rosa Brille konstatierte er auch den Exodus der jungen Generation aus dem Frankenwald, der „zu old werd“ und bat den Allmächtigen: „Schick Fremma her – unra eigena gscheudn Kinner möchen nümmer.“

Kronacher Lokalkolorit war Hans Blinzlers Part, der verschiedene humoristische Texte und Gedichte von Heimatautoren, darunter der unvergessenen Andreas Bauer und Willi Schreiber (geborener Nordhalbener), vortrug. „Des Flößers Wiegenlied “, „Broudwörschd“ ( Heiner Müller ) oder „Schützenfest ’91“ (Hans Blinzler) klangen nach „guter alter Zeit“, die halt nur in der verklärenden Erinnerung so ihren Zauber hat. Einen Kurzbeitrag steuerte Margarete Wunder-Blinzler bei, die an die denkwürdige Zeit der Grenzöffnung anno 1989 erinnerte. Vor lauter „Begrüßungsgeld-Auszahlen“ kamen sie und ihre Kollegen aus dem Nordhalbener Rathaus weder zum Besorgen von Weihnachtsgeschenken noch zu einem Christbaum, was absehbar familiäre Dissonanzen hervorrief.

Mit diesem Abend zeigte die Nordhalbener FWV-Gruppe, wie man aktuell ganz ohne Tümelei und Pathos Heimatverbundenheit, fränkische Kultur und gute Unterhaltung auf einen Nenner bringen kann. nn