Der Förderverein der Kronacher Sing- und Musikschule und der Berufsfachschule für Musik hatte zu zwei Recitals des in Kronach geborenen Pianisten Dominik Krügel in den Vortragssaal des gemeinsam genutzten Schulgebäudes eingeladen. Weil der kleine Raum bei Einhaltung der vorgeschriebenen Mindestabstände nicht mehr als 25 Personen fassen kann, wurde das Programm einmal um 11 Uhr und ein weiteres Mal um 17 Uhr vor jeweils voll besetzten Publikumsplätzen aufgeführt.

In seiner Begrüßung erläuterte Schulleiter Burkhart Schürmann, dass Dominik Krügel wie wohl kaum ein anderer das erfolgreiche Zusammenwirken der Kronacher Musikausbildungsstätten verkörpere: Schon als Vierjähriger war Krügel in die Kreismusikschule eingetreten, um zunächst die Musikalische Früherziehung zu besuchen, dann als Sechsjähriger mit dem Klavierspiel bei Judith Fröhlich zu beginnen, später zu Marco Fröhlich zu wechseln und schließlich nach dem Abitur eine zweijährige Ausbildung an der Berufsfachschule für Musik mit dem Hauptfach Klavier bei Wendelin Treutlein anzuschließen. Nach dem Abschluss als Staatlich geprüfter Ensembleleiter studierte Krügel dann Schulmusik mit instrumentalpädagogischer Vertiefung im Schwerpunktfach Klavier an der Hochschule für Musik „ Franz Liszt “ in Weimar.

Welch bemerkenswerten Grad musikalischer wie pianistischer Reife er durch seine mittlerweile 20-jährige Auseinandersetzung mit dem Klavier bereits erlangt hat, demonstrierte Krügel gleich zu Beginn des Programms in dem anspruchsvollen Charakterstück „Vallée d’Obermann“ von Franz Liszt . In Anspielung auf den frühromantischen Briefroman „Oberman“ von Étienne Pivert de Senancour verwandelt Liszt darin die grüblerischen und schwärmerischen Stimmungen, die ein melancholischer Protagonist in einem imaginären Tal in den Schweizer Alpen erlebt, in musikalische Klänge, die von Krügel intensiv und einfühlsam nachgezeichnet wurden.

Auch mit dem Präludium und der Fuge in h-Moll aus Band 1 des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach und den f-Moll-Variationen von Joseph Haydn hatte sich Krügel besonders anspruchsvolle, tiefsinnige und komplexe Kompositionen ausgewählt, deren hervorragende Bewältigung von der großen Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit des jungen Musikers zeugte.

Einen mitreißenden Schlusspunkt setzte der leidenschaftlich musizierte erste Satz aus dem 2. Klaviertrio in e-Moll von Camille Saint-Saëns , bei dem Dominik Krügels Bruder Sebastian am Violoncello und die gemeinsame Kommilitonin Tatjana Retter an der Violine mitwirkten.

Eine besondere Begabung als Musikvermittler offenbarte Krügel außerdem durch seine Konzertmoderation, in der er die Werkauswahl auf sympathisch persönliche Weise erläuterte und dem Publikum die erklingenden Stücke durch erhellende Informationen zu einzelnen Aspekten näherbrachte. Vor der Zugabe (der „Eintritt“ aus Robert Schumanns Waldszenen op. 82) bedankte sich der junge Pianist für den begeisterten Applaus und wies darauf hin, dass die am Ausgang aufgestellten Körbchen einer Spende für die Kronacher Flüchtlingshilfe dienten. bms