Der 20. Februar 1861 war ein epochemachendes Datum für Kronach und den Frankenwald! Mit einem Festgottesdienst wurde die feierliche Eröffnung der Bahnlinie Hochstadt-Kronach eingeleitet. Der Eröffnungs-Eisenbahnzug lief mit den Abordnungen der Gemeindegremien gegen 16 Uhr dicht besetzt in Kronach ein, von dröhnendem Kanonendonner und den Klängen der Landwehrmusik begrüßt. Ein Festdiner im ehemaligen Dorf'schen Gasthof bildete den Glanzpunkt der Feier.

Wenige Monate vorher - am 15. Dezember 1860 - traf im noch kleinen Kronacher Bahnhof von Hochstadt kommend erstmals eine schnaufende Lokomotive ein. Dieses historische Ereignis löste bei der Bevölkerung einen Riesenjubel aus. Schließlich war damit der Grundstein für eine entscheidende Wende in der wirtschaftlichen Weiterentwicklung gelegt und der Frankenwald damit der Welt erschlossen worden.

Bevor sich Kronach zu diesem Vorhaben durchringen konnte, ergriff bereits 1841 der Stockheimer Grubenbesitzer Henry Joseph von Swaine die Initiative für einen Bahnbau. Schließlich erwies sich der Kohletransport in jener Zeit als sehr problematisch. Der Absatz der Steinkohle war zu sehr vom Wasser , auf dem dieses Produkt in Fässern durch Floßherren aufgekauft und von den Flößern mit als Oberlast bis Frankfurt befördert wurde, abhängig. Vor allem im Winter gab es enorme Transportprobleme .

Nach dem Fehlschlag der ersten Eingabe wurde am 23. Oktober 1853 abermals ein Gesuch an die "Generaldirektion der königlich bayerischen Verkehrsanstalten" eingereicht, das wieder abschlägig beschieden wurde. Nach einem Beschluss aus dem Jahre 1854 trat die Stadt nach intensiver Vorklärung 1857 selbst für den Bau der Bahn von Hochstadt bis Kronach und darüber hinaus bis Stockheim auf den Plan. Die Bausumme von 1,2 Millionen Gulden bereitete jedoch ernsthafte Schwierigkeiten. Erst als es gelang, den Fabrikbesitzer Theodor von Cramer-Klett in Nürnberg zur Übernahme der Bauausführung zu gewinnen, ging es wieder vorwärts. Mit der Leitung des Bahnbaues wurde Bezirksingenieur Philipp Kühles von 1860 bis 1863 betraut.

Am 27. März 1860 erhielt Kronach die Konzession zum

Eisenbahnbau Hochstadt-Kronach-Gundelsdorf. Die Kgl. Bank in Nürnberg streckte das Kapital, das 1 200 000 Gulden nicht übersteigen durfte, vor. Binnen zwei Jahren sollte das Vorhaben fertiggestellt sein. Nach ihrer Vollendung, so wurde festgelegt, pachtet die Generaldirektion den Betrieb auf 56 Jahre (also bis 1918) und errichtet einen jährlichen Pachtschilling von 60 000 Gulden. Ohne das Eintreffen der Konzessionsurkunde abzuwarten, hatte man schon im Januar 1860 in Kronach die Vermessung in Angriff genommen und bezüglich der Erdarbeiten Fakten gesetzt.

Viele Gebäude mussten weichen

Als besonders schwierig erwies sich die Festlegung des Platzes für den Bahnhof , der einmal auf die Hofwiesen, ein andermal auf den Flügelbahnhof und

zum Schluss dann doch trotz großer Einwände auf den Ziegelanger kam. Dass diesem Bahnprojekt nicht weniger als 17 Wohnhäuser, mehrere Scheunen, die Bergmühle, die alte Ziegelei, viele Gärten und zwei Pappelalleen zum Opfer fielen, ist heute kaum mehr nachvollziehbar.

Nach der Entscheidung der Standortfrage ging der Bahnbau rasch seiner Vollendung entgegen. Im Vorfeld stand jedoch Schwerstarbeit für die Männer auf der Tagesordnung. Vom Neuseser Wäldchen (in Höhe der Südbrücke) bis zum Ziegelanger sowie am sogenannten Langoldsberg musste ein beachtliches Bergmassiv abgetragen werden - mühsam in Hand- und Spanndiensten von Mensch und Tier. Das Abertausende von Kubikmetern umfassende Abraummaterial wurde zur Auffüllung von allen möglichen Vertiefungen im inneren und äußeren Stadtgelände verwendet.

Noch vor der offiziellen Eröffnung der Bahnstrecke traf die erste Lieferung ein. Sie bestand aus Getreide für die Kunstmühle Fillweber sowie Zubehör für die Bahnhäuschen. Am 20. Februar 1861, also vor 160 Jahren, wurde die Bahnstrecke feierlich eröffnet.

Die Linie endete vorerst in Gundelsdorf, nachdem die geplante Weiterführung nach Stockheim einstweilen zurückgestellt wurde. Man wollte erst den Erfolg des in Abteufung begriffenen "Maxschachtes" abwarten.1862 wurde dann doch der Bau dieser Reststrecke in Angriff genommen. Am 1. März 1863 konnte der Stockheimer Bahnhof feierlich eröffnet werden, der allerdings bis 1885 Endstation blieb.

Ein folgenschweres Unglück

In der Folgezeit kam es in Kronach immer wieder zu Verbesserungen und Veränderungen. Eine ganz wesentliche Vergrößerung erfuhr das Bahnhofsgebäude, und zwar schwerpunktmäßig in der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1930. Den Erweiterungsbau - vom Bauamt Lichtenfels genehmigt - übernahm das Kronacher Baugeschäft Franz Haun und Josef Zeiss. Einige Jahre später, am 8. Februar 1934, kam es zu einem folgenschweren Unfall . Die etwa sechs Meter hohe Bahnbrücke, die den Ziegelanger mit der Stadt verband, wurde durch einen zu hoch beladenen Lastkraftwagen umgerissen und nicht mehr aufgebaut.

Mit der überraschenden Öffnung des " Eisernen Vorhangs " am 9. November 1989 ergaben sich neue verkehrspolitische Perspektiven. Die Hauptlinie München-Berlin erlebte ein Comeback. Rund 260 Millionen Mark ließ sich der Staat die Zweigleisigkeit bis Probstzella kosten. In diesem Zusammenhang verschlang aber auch die Modernisierung des Kronacher Bahnhofs viel Geld. Zum Fahrplanwechsel am 28. Mai 1995 konnte die alte Strecke von Nürnberg nach Leipzig durch das Saaletal durchgehend mit E-Loks befahren werden.