Geistliche Musik von Rossini war unlängst in der Seibelsdorfer Kirche zu hören. Das Publikum war begeistert und spendete stehend Applaus, insbesondere für den Mann mit dem Taktstock, den scheidenden Dekanatskantor Marius Popp.

Stabat mater dolorosa – es stand die Mutter schmerzerfüllt: So beginnt eine lateinische Dichtung aus dem 13. Jahrhundert, die den Kreuzestod Jesu aus der Perspektive seiner Mutter schildert.

Der italienische Tonschöpfer Gioachino Rossini , dessen Namen man zuallererst in Verbindung mit bedeutenden Opernkompositionen bringt, setzte das „Stabat Mater“ in einer Mischung aus opernhaften sowie kirchenmusikalischen Zügen um. Dabei entstand ein ausgesprochen farbiges, höchst abwechslungsreiches, teilweise fast beschwingtes geistliches Chorwerk voller leidenschaftlicher Emotionen, durchdrungen von tiefer Religiosität und Innigkeit.

Im Seibelsdorfer Gotteshaus gelangte die Komposition für Soli, Chor und Orchester in einer kammermusikalischen Fassung von Joachim Linckelmann zur Aufführung. Kirchenmusikdirektor Marius Popp hatte den Dekanatschor Kronach , verstärkt mit Mitgliedern des Lehrersängerkollegiums des BLLV Kronach und des Süddeutschen Ärztechors, in gewohnter Art und Weise exzellent vorbereitet. Ihm gelang eine ausgezeichnete Balance zwischen opernhaftem Glanz und sakraler Schlichtheit.

Die stimmgewaltigen Sänger dankten es ihm mit einem homogenen, flexiblen Chorklang – hochgespannt, agil, präzise, mit vorbildlicher Text- und Wortbehandlung, während das Ansbacher Kammerorchester mit Konzertmeister Norbert Herrmann mit einer dynamisch fein abgestuften Wiedergabe erfreute.

Stimmen wie ein Naturereignis

Die „Trumpfkarten“ der Aufführung waren die Solisten, die in dem Werk keine handelnden Personen sind, sondern den unfassbaren Schmerz und das Leiden der Gottesmutter unter dem Kreuz Christi betrachten: Consuelo Gilardoni (Sopran), Marina Serpagli (Mezzosopran), Cosimo Vassallo (Tenor) und Frano Lufi (Bass) stellten sich den enormen solistischen Herausforderungen dieses Meisterwerks.

Mit nuanciertem, geschmeidigem Dirigat führte der Dekanatskantor einmal mehr voller Leidenschaft durch das außergewöhnliche Musikereignis bis hin zum grandiosen Finale, dem feinsten acappella angestimmten Klagegesang „Quando corpus morietur“ und der mitreißenden Schlussfuge „Amen“. Welch fulminanter Schlusspunkt – auch hinter dem 20-jährigen Wirken Popps, der im Anschluss mit minutenlangem Applaus, Jubel und Bravorufen gefeiert wurde.

Eingangs hatten Michael Kurzmann vom Landesposaunenrat sowie Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr die Verdienste von Marius Popp herausgestellt.

Marius Popp war es „ein Herzensanliegen, sich bei meinem wunderbaren Publikum für die langjährige Treue zu bedanken“. Gleiches gelte für seine Chormitglieder.