In der Turnhalle des Sportheims vom VfR Johannisthal hat sich seit dem Beginn des Ukraine-Krieges eine unermüdliche Helferschar zusammengefunden, die zusammen mit dem Initiator Roman Grycak nun bereits den elften Sattelzug mit Hilfsgütern auf den Weg gebracht hat. Neben vielen Sachspenden wurden auch Geldbeträge gespendet. Diese werden nun vor allem für den Kauf von Lebensmitteln genutzt, denn nach nun gut vier Wochen gehen in vielen Gebieten in der Ukraine die Vorräte zu Ende.

Einen zuverlässigen Unterstützer hat die Aktion Roman nun mit Rade Savic bekommen, der den Rewe-Markt in Küps betreibt. Er hatte selbst als Kind den Krieg in Jugoslawien miterlebt und weiß, was Not bedeutet. Mit seiner Hilfe konnten am Samstag zig Paletten von Lebensmitteln auf einen Lkw verladen werden. Weitere Sachspenden wurden am Sportheim des VfR Johannisthal zugeladen. Der Sattelzug Nr. 11 ist startklar und wird schon sehnlichst in der Ukraine erwartet.

Während die Sachspenden inzwischen etwas zögerlicher ankommen, sind über den Helferkreis um Roman neue Kontakte entstanden, um die Hilfe bündeln und sicher in die betroffenen Regionen schicken zu können. Etliche Firmen, Organisationen, Vereine und Privatleute helfen mit. Es bleibt jedoch weiterhin eine organisatorische Herausforderung für alle Helfer, die Waren zu organisieren, zu verpacken und auf den Weg zu bringen.

„Die erste Bedingung, um mit anderen in Frieden leben zu können, ist die, mit sich selbst in Frieden zu sein. Dies scheint jedoch für die Herren Lukaschenko und Putin derzeit nicht zu gelten“, so Tom Sauer vom Verein für Humanitäre Hilfe für Menschen in Not e.V. aus Weißenbrunn. Er ist von Anfang an bei der Aktion Roman aktiv und wird sich zusammen mit Jürgen Jakob am 10. April auf den Weg in die Ukraine machen, um dort vor allem medizinische Hilfsgüter zu übergeben. Tom Sauer hilft aber auch in der Region Kronach mit Zuwendungen Menschen, die in Not geraten sind. „Menschen brauchen Hilfe, jetzt und überall. Das ist wichtig und ich bin glücklich, mit anpacken zu können.“

Sauer, der bereits im Jugoslawienkrieg Hilfstransporte in die Kriegsgebiete brachte, ist von Beruf heilpädagogischer Förderlehrer, aber auch leidenschaftlicher Musiker und Pfadfinder . Die humanitären Ziele der Pfadfinderbewegung eint Tom Sauer auch mit Jürgen Jakob, der in seinem früheren Heimatort Friesen als Pfadfinder aktiv war. Nun machen sich der Förderlehrer Tom Sauer und der Polizist Jürgen Jakob auf den Weg in die Ukraine, denn sie wollen lebensnotwendige Güter übergeben und sich ein Bild von der Lage vor Ort machen. Unterstützt werden sie vom Polizeipräsidium Oberfranken mit Schutzhelmen und Schutzwesten sowie von der israelitischen Kultusgemeinde in Bayern.

Weitere Unterstützung kommt von Thomas Ruddy, der für die UN gearbeitet hat. Der Amerikaner ist aktuell in Krakau und organisiert von dort humanitäre Hilfe. Ihn und Jürgen Jakob verbindet seit Jahren eine Freundschaft, und so entstanden mit Hilfe von Thomas Ruddy wichtige Kontakte zu Behörden in der Ukraine. Tom Sauer: „Noch sind ein paar Tage Zeit bis zur Abreise. Wir werden uns eines sehr breiten Netzwerkes bedienen, was uns vor Ort helfen wird. Und wir werden wohl auch einen Baum pflanzen in der Ukraine. Er soll uns noch in Jahrzehnten daran erinnern, dass wir alle Menschen sind, die in Frieden und miteinander sehr viel schaffen können.“

Jürgen Jakob ergänzt: „Erst vor einigen Jahren habe ich das Grab meines Großvaters Georg ausfindig machen können. Er starb im Juli 1944 in der Nähe von Bobruisk im heutigen Weißrussland. Er zog für das damalige Naziregime in den Krieg, ohne es zu wollen. Er hat drei Kinder und seine Frau hinterlassen, die ohne den Familienvater auskommen mussten. Tausende von russischen Soldaten sind nun auch in diesem Krieg gefallen. Sie hinterlassen Frauen, Kinder, Familien. Das Leid ist furchtbar, wird aber in den russischen Medien negiert.“