Selbst im Distanzunterricht entstehen kreative und tolle Arbeiten am Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Ein Musikprojekt in der Klasse 7c zeigt zum einen die Gedanken der Jugendlichen zum Thema "Corona" und zum anderen ihre rhythmische Seite. Unter der Anleitung von Musiklehrerin Lena Mischerikow schrieben die Schüler ihre eigenen Texte und vertonten sie.

Rap zählt seit Jahren zu den meist gehörten Musikstilen bei Jugendlichen, und die Auseinandersetzung mit ihm ist inzwischen fester Bestandteil des bayerischen Lehrplans. Die Klasse 7c wurde von ihrer Musiklehrerin Lena Mischerikow vor die Aufgabe gestellt, einen eigenen Rap zu schreiben. Dabei waren sie frei in der Themenwahl. Ein Großteil der Schüler entschied sich für das Thema Corona und das Auswerten der eingesendeten Audio-Dateien machte deutlich, wie sehr die derzeitige Situation die Jugendlichen beschäftigt.

"Wer hätte das jemals gedacht, dass ein Virus zu uns kommt, schleichend in der Nacht.

Maske, Abstand, hier und da, Freunde treffen war einmal.

Corona macht uns alle platt, wir haben es so langsam satt.

Mann war das schon lange her, als wir damals war'n am Meer .

Sonne, Strand , all inclusive, niemand stört's, wenn man mal niest.

Keiner hätte je gedacht, dass Corona hat die Macht.

Demonstrieren hier und dort, doch der Virus will nicht fort.

Lasst uns jetzt zusammenhalten und das Leben neugestalten.

Dann ist dieser Wahnsinn schnell vorbei und wir fühlen uns wieder frei."

Bevor die Schüler begannen, zu Hause ihre Texte zu schreiben, wurde in einer Videokonferenz das schrittweise Vorgehen besprochen: Themenwahl, Brainstorming zum Thema, Finden von Reimen etc. Weiterhin erhielt die Klasse 7c über die Lernplattform mebis ein detailliertes Handout, auf dem auch die Arbeit mit der App Groovepad empfohlen wurde, um Beats zu produzieren.

Ein Stück Frustabbau

"Im Nachhinein betrachtet würde ich das Schreiben eines eigenen Raps mit der Klasse noch ausführlicher vorbereiten und den Jugendlichen mehr Hilfen an die Hand geben", resümiert Lena Mischerikow, die seit Beginn des Schuljahres 20/21 am KZG als Musiklehrerin tätig ist. "Vor allem das Zusammensetzen des Textes mit der Musik, also des rhythmischen Sprechgesangs zu einem Beat, ist für manche noch sehr ungewohnt und bedarf vorbereitender Übungen." Trotz der wenigen Vorgaben entstanden beeindruckend hörenswerte Ergebnisse, teilweise sogar mit umfangreicher musikalischer Untermalung. Wie im Rap üblich, wurde das Verfassen der Texte auch dazu genutzt, um einigem Frust Ausdruck zu verleihen:

"Kann mir mal bitte jemand sagen wohin mit der Zeit?

Wir brauchen jemanden, der uns befreit, wir sind bereit.

Jeden verdammten Tag dasselbe machen: Schule, essen, schlafen, wie soll man da noch lachen? Immer dieselben Sachen. [...]

Wie ich diese Phase hasse. Selbst die Menschen, die ich lasse, hoffen mit Worten zurückzukommen, auch wenn sie am Stück kein Glück bei mir finden, sondern erblinden und verschwinden in meinen Augen.

Was soll ich nur glauben? Wir sind schon halb verrückt und wurden erdrückt. Dennoch geben wir die Hoffnung zu leben nicht auf."

"Corona - ich habe die Schnauze voll, ich finde dich nicht mehr toll,

Tag für Tag steigt mein Frust, ich habe zu gar nichts mehr Lust .

Das Lernen ist mir ein Graus, zu schnell geht mir die Luft aus.

Seit Wochen häng ich zu Hause rum, ich werde so langsam dumm.

Ich will wieder raus geh'n, meine Freunde seh'n.

Sonne, Strand und Meer , ich vermiss es sehr.

Am Lagerfeuer Würstchen grillen und dabei chillen.

Draußen zelten, ohne dass Regeln gelten.

Ins Schwimmbad gehen, den Zoo besuchen, zum Geburtstag wieder Freunde und Kuchen.

Ich will das Leben zurück, ohne Corona Stück für Stück."

Einzelne Schüler schrieben Texte zu Freundschaft. Gerade in diesen Zeiten ist das Thema besonders wichtig und für die Jugendlichen von großer Bedeutung:

"Doch dann dreht man sich im Kreis, aus dem Kreis wird ein Streit, mit der Zeit dann ein fight.

Doch denkt man mal nach, dass hier nur der Kopf sprach, im Herz ist es was andres, nichts Halbes, sondern Ganzes."

"Denk an die, die dich lieben, so wie du auch in Wirklichkeit bist

und an den, der dich schon nach einer Stunde vermisst.

[...] Ich glaub an dich, ich steh immer an deiner Seite, egal ob in der Nähe oder Weite."

Die Klasse fand das Projekt spannend: "Es hat besonders Spaß gemacht, weil es etwas Neues war. Es weckte unsere Kreativität und es brachte Abwechslung in das Homeschooling . Am schwersten fiel es uns, den Text zu reimen, sodass es einen Sinn ergibt. Schöner wäre es allerdings gewesen, wenn wir einen vorgegebenen Beat gehabt hätten", zieht eine Schülerin ein positives Fazit.

Die Rückmeldung und die entstandenen Raps sprechen dafür, dass die Lehrkräfte und Schüler das Beste aus der aktuellen Situation machen. Mit positivem Denken kann man überall kreativ und musikalisch sein - egal ob im Klassenzimmer oder zuhause! red