Ein juristisches Nachspiel hatte ein handfester Streit, den sich ein 21-jähriger Hobbyfußballer aus dem Landkreis Kronach im August vergangenen Jahres mit drei Jugendlichen lieferte. Nach einem Auswärtsspiel soll der junge Mann in den frühen Morgenstunden zugeschlagen haben.

Aufgehellt wurden die Geschehnisse am Freitag durch das Kronacher Jugendgericht unter Vorsitz von Jürgen Fehn. Da die vermeintlichen Opfer wohl auch einige heftige Fouls begangen hatten, stellte der Richter das Verfahren wegen Körperverletzung in drei Fällen und Beleidigung zum Nachteil von gleich drei Opfern kurzerhand gegen eine Geldauflage von 400 Euro ein.

Von einer mutigen Vorgehensweise des eher schmächtigen Angeklagten gegen die ihm körperlich überlegenen Opfer sprach Staatsanwalt Mario Geyer. So soll

der 21-Jährige einem drei Jahre Jüngeren zuerst einen „gezielten Schlag“ ins Gesicht versetzt und diesen auch noch als „Schwuchtel“ betitelt haben. Später habe er seinem Kontrahenten mit der Faust auch noch ein „Veilchen“ verpasst. Einem Freund des ersten Opfers soll der Beschuldigte ebenfalls die geballte Hand auf die Nase und einem weiblichen Mitglied der Clique den Ellenbogen ins Gesicht gerammt haben. Im Anschluss soll der Angeklagte den Tatort verlassen haben. Die angeblichen Opfer alarmierten um 4.30 Uhr die Polizei , um ihren Kontrahenten anzuzeigen.

Stimmung kippte

„Ich war vom Fußballspiel auf dem Weg nach Hause“, erinnerte sich der Angeklagte . Als er an einem Spielplatz vorbei gekommen sei, habe ihn das ihm bekannte Trio gerufen und eingeladen, mit ihm ein Bier zu trinken. Nach ein paar Bier habe man ihm dann vorgeworfen, den Geburtstags eines der Clique-Mitglieder vergessen zu haben. Daraufhin habe er versucht, dem Geburtstagskind Geld zu schenken, was jedoch massiv abgelehnt worden sei.

Als er schließlich gehen wollte, habe ihn das angebliche Hauptopfer, der 18-Jährige, als „Hurensohn“ beleidigt und beschimpft: „Wenn deine Eltern verhütet hätten, wärst du nicht da“. Nachdem der 18-Jährige das Schimpfwort „Hurensohn“ ständig wiederholt habe, habe er nur versucht, ihm den Mund zu verschließen. Möglicherweise habe er dabei die junge Frau mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen.

Der Angeklagte weinerlich: „Man kann mich beleidigen, aber nicht meine Eltern.“ Der 18-Jährige habe dann gedroht, die Polizei zu holen.

Andere Erinnerungen als einst bei der Anzeigeerstattung hatte der angeblich Hauptbetroffene. So sei die Stimmung an dem Abend irgendwie „gekippt“, nachdem der Angeklagte eingetroffen sei. Der 18-Jährige räumte ein, dass alle Beteiligten reichlich alkoholisiert gewesen seien.

Nur gekappelt?

Dann sei es zu einem Streit gekommen. „Sie haben sich nur gekappelt. Sie haben nicht aufeinander eingeprügelt. Von Beleidigungen weiß ich nichts“, so der Zeuge. Auch habe er selbst keine Verletzungen erlitten. Seine Bekannte sei höchstens ein bisschen getroffen worden, aber nicht schwer. Die Polizei habe er alarmiert, „weil die Stimmung gekippt ist“.

Eine nochmals andere Geschichte hatte die 21-jährige, angeblich am Auge getroffene Frau mit in den Gerichtsaal gebracht. So soll der Angeklagte zuerst andere weibliche Mitglieder der Clique angemacht und belästigt haben. „Die haben ihn abblitzen lassen.“ Dann sei der Angeklagte auf den 18-Jährigen los. Die Worte „Du Schwuchtel“ seien auch gefallen. Die Zeugin beteuerte: „Das habe ich ganz genau gesehen und gehört.“

Der Angeklagte habe sie dann an den Haaren gezogen und ihr den Ellenbogen ins Gesicht geschlagen. „Wir wollten keine Schlägerei, wir haben deshalb die Polizei gerufen.“

„Wir können das Verfahren auch anders beenden“, schlug schließlich der Richter dem Staatsanwalt vor, der auch zustimmte. Beide gingen von einer gegenseitigen Auseinandersetzung aus. Die Geldauflage darf der Schichtarbeiter in monatlichen Raten abzahlen.