Nicht nur der Michel aus Lönneberga will geordnete Verhältnisse auf dem Blauen Planeten , sondern auch der Erzengel Michael. Doch vorher muss er erst mal im Himmel mit eisernen Besen kehren. Ob ihm das schier Unmögliche auch auf Erden gelingt, ist eine Frage der Zeit und der Logistik.

Im großen Kampf zwischen Gut und Böse, im Kampf gegen den Teufel und die Mächte der Finsternis spielt der heilige Michael eine entscheidende Rolle. Karl der Große machte ihn zum Schirmherrn des Heiligen Römischen Reiches, zum Beschützer des deutschen Volkes und damit zum Obersten aller Michl. Während der Belagerung im Dreißigjährigen Krieg verteidigte sich die Kronacher Bürgerschaft tapfer unter dem Banner des Erzengels, der zum Schutzpatron auserkoren war. In dieser schrecklichen Zeit der Jahre 1632 bis 1634 gelobten die Kronacher Bürger alljährlich die „Schwedenprozession“ von der Stadtpfarrkirche hinauf zur Festung Rosenberg .

Erzbischof Ludwig Schick war bei einem Besuch im Sommer hellauf begeistert von der Bildstockkultur im Landkreis Kronach . So zeige das Sandsteinmarterla an der Frankenwaldhochstraße zwischen Lahm und Hesselbach gegen Süden hin den heiligen Michael, der das Bistum Bamberg von Anfang an begleitet habe: 1012 wurde ihm im ersten Dom gemeinsam mit der Muttergottes und dem heiligen Georg der Altar des Ostchores geweiht, 1015 das nördlich des Doms gegründete Benediktinerkloster am Michaelsberg unter seinen Schutz gestellt.

Der Erzengel Michael spielt eine wichtige Rolle im Volksglauben. Er ist es, der ein Verzeichnis der guten und schlechten Taten eines jeden Menschen erstellt, das er diesem zunächst am Tag des Sterbens, aber auch am Tag des Jüngsten Gerichts vorlegen wird und auf dessen Basis er über ihn richtet.

Der Seelenwäger

Er erscheint hier in der wichtigen Position des Seelenwägers, wenn er die Seelen der Verstorbenen auf den Weg in die Ewigkeit begleitet.

Sankt Michael ist eingebettet in den Altweibersommer . Hermann Löns schreibt: „Mir will scheinen, wenn je die Sonne lächelt, dann lächelt sie im Herbst, gerade im Altweibersommer – gütiger, nachsichtiger als selbst im ersten Frühling“, und der Bauernkalender preist den September als den Mai des Herbstes: „Durch des Septembers heitern Blick schaut noch einmal der Mai zurück.“

Am Sonntag nach Michaeli feiert die Kirche das Erntedankfest. Am festlichen Höhepunkt des Bauernjahres soll einerseits die Freude über eine erfolgreiche Ernte zum Ausdruck gebracht werden, andererseits der Dank an den Schöpfer für die Ernteerträge im Mittelpunkt stehen. Im Lied zum Erntedank von Matthias Claudius heißt es in der 3. Strophe: „Was nah ist und was ferne, von Gott kommt alles her, der Strohhalm und die Sterne, der Sperling und das Meer. Von ihm sind Busch und Blätter und Korn und Obst von ihm, das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm.“