Wallen­fels — Wer die Pfarrkirche St. Thomas in Wallen­fels betritt, der sieht im Deckengewölbe unzählige bunte Schmetterlinge „fliegen“. Rund 600 Schmetterlinge zieren den Kirchen ­innenraum. Der Strom der bunten Falter zieht sich von der Orgelempore bis zum Kreuz an der Decke des Altar­bogens, strebt zum Kreuz hin. Die Installation ist noch mehrere Wochen in der Pfarrkirche zu sehen.

„Der Hoffnung Flügel geben“ – unter diesem Motto waren die Gläubigen in Wallen­fels eingeladen gewesen, während der Fasten­zeit Bitten, Wünsche, Gebete und Selbstgebasteltes in der Pfarrkirche abzugeben. Symbol der Aktion war dabei der Schmetterling, ein Zeichen für Auferstehung und Hoffnung. Neben großen und kleinen Kirchen ­besuchern beteiligten sich auch der Kinder­hort und der katholische Kinder­garten St. Josef an der Aktion. All die gesammelten Arbeiten wurden zu Ostern im Kirchen ­raum aufgehängt.

Schmetterlinge sind schon im Altertum Zeichen für die Seele gewesen. So stand das griechische Wort Psyche sowohl für Seele als auch für Schmetterling. Im Christentum existiert der Schmetterling als Symbol ebenfalls seit frühester Zeit. Während es zurzeit zu kalt ist, um welche zu Gesicht zu bekommen, waren die ersten Schmetterlinge dieses Jahr in den wärmeren März-Tagen schon unter­wegs. Das Organisations­team der Wallen­felser Pfarrei St. Thomas hat den Schmetterling zum Leit­motiv seiner Fasten­aktion gewählt. „Der Hoffnung Flügel geben“, das wollten die Initiatoren in Zeiten von Corona.

Den Impuls dafür setzte Denise Regel, die als Ehrenamtliche in der Pfarrei tätig ist. Zum Projekt erzählt sie: „Die Idee, eine Installation aus Gebeten in der Kirche aufzuhängen, gab es natürlich auch schon in anderen Pfarreien . Wir wollten das auch mal in Wallen­fels ausprobieren.“ Gerade in den Zeiten des Lockdowns findet es Denise Regel wichtig, Menschen eine Möglichkeit zu bieten, ihre Anliegen und Sorgen in irgendeiner Weise „loszuwerden“. Während der Fasten­zeit lagen Vorlagen in Schmetterlings­form in der Kirche aus, auf die jeder Besucher Gebete , Bitten, Dank formulieren konnte. „Auf den Schmetterling als Motiv sind wir schon während der ersten telefonischen Besprechungen gekommen“, erklärt Regel.

Symbol für die Verwandlung

Mit seinem Lebens­zyklus – von der Raupe über die Puppe zum glanzvollen Schmetterling – steht dieser wie kein anderes Tier für die Verwandlung, die allen Christen durch Jesus zuteil werden soll. Auf das Symbol des Schmetterlings durften die Wallen­felser ihre Sorgen und Anliegen schreiben und „abladen“. Die Installation in der Pfarrkirche besteht aber nicht nur aus Gebeten . „Einige aus dem Vorbereitungs­team haben auch Origami-Schmetterlinge gebastelt“, so Regel. Zu diesen Ehrenamtlichen zählt unter anderem Eva-Maria Seiboth-Müller. Die Mutter von vier Kindern war begeistert, als sie vom Projekt zu hören bekam, und hat sich sofort mit eingebracht. Wie viele andere Familien sieht sie auch diese durch den Lockdown zunehmend belastet. Gerade deshalb freut sich Seiboth-Müller: „Es war mal was anderes als Haus­putz und Homeschooling. Außerdem zaubert es den Leuten ein Lächeln ins Gesicht.“

Aus Tonpapierbögen wurden große Exemplare gefaltet und auch für die Schneideabfälle fand sich noch Verwendung. „Mein jüngster Sohn Oskar kam zu mir und hat gesagt: Mensch Mama, wir könnten doch kleine Schmetterlinge falten und sie an Ostern den Leuten in der Kirche schenken.“ Gesagt, getan – und so wurden zusätzlich noch 130 kleine Falter gebastelt.

Doch nicht nur in der Familie Seiboth-Müller wurde man kreativ. Als Eltern ­beirats-Vorsitzende hat Eva-Maria Seiboth-Müller gleich das Personal des katholischen Kinder­gartens St. Josef mit ins Boot geholt. Die Idee wurde begeistert aufgegriffen, und obwohl in der Woche vor Ostern kein Präsenzbetrieb mehr stattfinden konnte, wandte sich die Leitung in einem liebevoll gestalteten Brief samt Bastel­vorlage an die Eltern , so dass zu Ostern auch immer mehr bunte Schmetterlinge von den Kinder­gartenkindern in der Kirche eintrudelten. Parallel dazu organisierte Pfarrgemeinderats-Mitglied und Kinder­hort Betreuerin Kerstin Haderdauer mit ihren Kolleginnen die Bastel­arbeiten im Kinder­hort: „Wir suchen immer nach Ideen für die Kinder­betreuung, da hat sich das angeboten“, erzählt Haderdauer. Aus Toiletten­papier­rollen und Karton sowie mit viel Fantasie wurden viele bunte Exemplare von den Schulkindern gestaltet.

Eine große Herausforderung stellte das Aufhängen der Arbeiten im Kirchen ­raum dar. Wichtig sei dabei die gute Vorarbeit gewesen, erklärt Denise Regel: „Bei diesem Projekt konnte viel im Voraus zu Hause erledigt werden.“ Am Karsamstag musste das 20 mal 4 Meter große Netz mit Schmetterlingen bestückt werden. Eine Arbeit, die unter den Coronabeschränkungen etwas länger gedauert hat. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rund 600 Schmetterlinge zieren nun den Kirchen ­innenraum. Die Installation wird noch einige Zeit in der Kirche bleiben. Wenn es die Umstände erlauben, soll sie danach ins Alten- und Pflege­heim umziehen und auch dort dem Betrachter ein Lächeln auf die Lippen und Hoffnung ins Herz zaubern.