Dekan Markus Müller vollzog am Sonntag etwas ganz Neues in der Geschichte des Dekanatsbezirks Kronach-Ludwigsstadt. Mit Martin Fleischmann führte er erstmals einen Pfarrer für überregionalen Dienst in sein Amt ein. Der Seelsorger übernimmt keine feste Pfarrstelle, sondern wird im gesamten Dekanat wandern. Im Umfang einer halben Stelle kommt er dabei bei Gottesdiensten, in der Pastoralvertretung, bei der Konfirmationsvorbereitung oder im Krankheitsfalle eines Kollegen zum Einsatz.

Auf Bauernhof aufgewachsen

„ Pfarrer Fleischmann wird zuverlässig seinen Dienst tun – dort, wo er gebraucht wird, und in die Gemeinschaft des gesamten Pfarrkapitels voll mit eingebunden“, erklärte der Dekan bei der Einführung in der Michaelskirche in Ludwigsstadt . Das neue Modell habe auch mit der Landesstellenplanung zu tun.

Geboren wurde Martin Fleischmann in Waldbuch, wo er auf dem elterlichen Hof aufwuchs. Nach seinem Abitur in Kronach und dem Grundwehrdienst studierte er evangelische Theologie in Neuendettelsau und Berlin. Sein Vikariat leistete er in Weisendorf in Mittelfranken. Sein Lebensweg führte ihn auch nach Indien. Die von ihm dort erlebte Not prägte ihn und veranlasste ihn zu einer Ausbildung in der psychosozialen Notfallversorgung, landläufig als Notfallseelsorge bezeichnet. Zuletzt war Martin Fleischmann , der auch Dekanatsjugendpfarrer in Kulmbach war, in Untersteinach im Einsatz. Der Pfarrer ist verheiratet und hat drei Kinder. Mit seiner Ehefrau wird er den von ihm mittlerweile übernommenen Hof seiner Eltern bewirtschaften.

„Ich habe festgestellt, dass mir die Erdung auf dem Bauernhof gut tut, ich aber auch die geistliche Arbeit brauche“, bekundete Fleischmann. Als Ortspfarrer in Guttenberg habe er verschiedene Arbeitsfelder kennengelernt, jetzt freue er sich auf das „Experiment“.

Eingeführt in sein Amt durch Gebet und Handauflegung wurde er durch den Dekan, Lektor Markus Müller und das Präsidiumsmitglied der Dekanatssynode, Thomas Rebhan.

„Das kann doch nicht sein“, rief Martin Fleischmann in seiner ersten, zutiefst aufrüttelnden Predigt mit Blick auf die furchtbaren Ereignisse in der Ukraine. Es könne doch nicht sein, dass 83 Jahre nach dem verbrecherischen Überfall der Nazis auf Polen wieder ein Land ein anderes angreife. Es könne doch nicht sein, dass alle Diplomatie versagt habe. „Wir sind in der vergangenen Woche in einer anderen Welt aufgewacht.“

Willkommen hießen den neuen Seelsorger die Seniorin des Pfarrkapitels, Alina Ellgring, Pastoralreferent Josef Grünbeck und Dekanatsausschussmitglied Thomas Rebhan. „Eine halbe Stelle, aber eine ganze Person“, freute sich Alina Ellgring über den neuen Pfarrer für „wo am nötigsten“. Sie hoffe für ihn, dass er gerne Auto fahre, was nötig sein werde. Als Geschenk hatte sie symbolisch unter anderem ein Multifunktionswerkzeug mitgebracht.

Der Pastoralreferent übermittelte die Grüße der katholischen Kirche. Auch diese gehe seit einigen Jahren in die Fläche und merke dabei, das dies gar nicht so einfach sei. Er wünschte seinem künftigen Amtskollegen, alle Hürden gut meistern zu können.

„Ein Glücksfall“

„Die neue Halbtagsstelle ist ein Glücksfall für das gesamte Dekanat“, zeigte sich Thomas Rebhan sicher, der auch die Glückwünsche der Dekanatssynode mit seinem Präsidiumskollegen Horst Moser aus Schmölz übermittelte.

Landrat Klaus Löffler ließ durch den Dekan die Grüße des Landkreises übermitteln.