Kronach  —  Es ist laut, frech, singt ständig Lieder, reimt von früh und bis spät und hat ständig Heißhunger auf die unmöglichsten „Leckereien“. Das quirlige Sams mit den roten Haaren und den blauen Punkten im Gesicht wählt sich den schüchternen Herrn Taschenbier zum „Papa“ und wirbelt dessen wohlgeordnetes Leben tüchtig durcheinander. So schlittert er bei seiner grantigen Vermieterin, Frau Rotkohl, beim Einkauf in einem Kaufhaus oder bei der Arbeit im Büro von einer Verlegenheit in die nächste. Aber das Sams kann auch Wünsche erfüllen. Vor allem aber verhilft es seinem „Papa“ zu wichtigen Einsichten und neuem Mut …

„Ich wollte schon immer einmal das Sams spielen – schon damals, als ich das zum ersten Mal als Kind in der Augsburger Puppenkiste gesehen habe“, freut sich Anne Scherliess, der mit ihrem zauberhaften Lächeln und den strahlenden, wachen Augen die Rolle des rotzfrechen und dabei doch enorm liebenswerten Wesens wie auf den Leib geschrieben scheint. Ihr Wunsch geht schon bald in Erfüllung – genauer gesagt, ab dem 27. Juni, wenn sie als Hauptfigur aus Paul Maars gleichnamigem Kinderbuch erstmals die Festung Rosenberg in Kronach „unsicher“ macht.

Dargestellt wird ihr „Papa“ von Harald Pilhar von Pilchau, dem an seiner Rolle vor allem der Entwicklungsprozess des erst so introvertierten und dann sich immer mehr „öffnenden“ – „samsiger“ werdenden – Herrn Taschenbier reizt.

Während dieser dem treuen Kronacher Theaterpublikum bereits wohlbekannt ist, wirkt Anne Scherliess erstmals bei den Rosenberg-Festspielen mit. Sie und Anja Dechant-Sundby kennen sich von der Schauspielschule. Die Schauspielerin war im letzten Jahr für die Woody Allen-Komödie vorgesehen, bevor die letzte Saison aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste. „Was habe ich gejubelt, dass ich jetzt heuer bei den Aufführungen dabei bin und zudem auch noch die Hauptrolle im ,Sams’ spielen darf“, strahlt die in Bonn beheimatete Darstellerin über das ganze Gesicht.

Mit den Proben ist die Regisseurin Stephanie Kuhlmann rundum happy. „Obwohl fast alle Darsteller nicht aus der Region kommen und sich vorher nicht kannten, sind sie schon eine richtig eingeschworene Gemeinschaft“, verrät Stephanie Kuhlmann.

Erzählerin kommt aus Ludwigsstadt

Das Stück sei ein Klassiker, noch dazu aus der Feder eines fränkischen Autors . Von daher sei es eigentlich klar gewesen, es einmal als Familienstück in Kronach auf die Bühne zu bringen. Sie selbst kenne das Sams bereits aus Kindheitstagen. Als Erwachsener sei sie nochmals „frisch“ an den Inhalt herangegangen und habe dadurch einen anderen Zugang erhalten. Eine tragende Rolle in dem Stück komme gerade auch der Erzählerin zu. Die gebürtige Ludwigsstädterin Sabine Rossbach mimt dieses androgyne Wesen, das die Geschichte steuert und dabei ein wichtiger Teil von ihr wird. Das Sams selbst sei, so Kuhlmann, eine absolut tolle Figur. Da es alles wörtlich nehme, was man ihm sage, und dieses dann auch vehement einfordere, ergäben sich viele hinreißend komische Szenen.

Kostümbildnerin Ruth Pulgram hat wieder zauberhafte Kostüme für die Hauptdarsteller entworfen. Die Sprecherin erhält einen Anzug aus glänzendem Stoff – ein echter Hingucker, während das Sams in einer an eine Echse oder an einen Drachen erinnernden Haut stecke. „Das sieht stachelig aus; ist aber ganz weich und ganz leicht“, erzählt Ruth Pulgram, die Bühnen- und Filmgestaltung in Wien studierte und Bühnenbilder und Kostüme für große namhafte Theater, Oper und Tanz entwirft. Das Stück hält für sie jede Menge Herausforderungen parat, insbesondere auch „kulinarischer“ Art; esse doch das Sams alles, was ihm vor sein lockeres Mundwerk kommt. Seine Speisekarte besteht beispielsweise aus Taschentüchern, Knöpfen, Textilien wie Krawatten und grundsätzlich allem, was mit Holz zu tun hat. Wunderbar umgesetzt werden die Kostüme einmal mehr von der Gewandmeisterin Elke Daum-Heinisch. „Das ist das schönste Kostüm, das ich je hatte“, schwärmt Anne Scherliess.

Drei ganz unterschiedliche Stücke werden das Festspielpublikum verzaubern, beginnend mit dem Sams: Ein Riesenspaß für Kinder und ein großes Vergnügen für die Älteren!