Zum Heranwachsen benötigen sie länger als ein Menschenleben, ihre unwiederbringliche Beseitigung dauert oft nur wenige Minuten – markante Einzelbäume, stukturgebende Baumreihen, wegbegleitende Alleen und alte Streuobstbestände sind ökologisch und kulturhistorisch wertvolle Bestandteile unserer Landschaft . Mit dem Biodiversitätsprojekt „Fränkisch verwurzelt“ setzt sich die Regierung von Oberfranken für den Erhalt dieser grünen Landmarken ein.

Neben der Anfertigung individueller Baumsteckbriefe und enger Zusammenarbeit mit Eigentümern umfasst das Projekt Vorträge, Führungen, Informationsmaterialien – und nicht zuletzt die im Herbst 2021 konzipierte Ausstellung „ Bäume .Charakter. Landschaft “, die diese Woche im neuen Anbau der VHS Kronach zu sehen ist. Im Anschluss wird sie an vier weiteren Standorten im Landkreis gezeigt werden.

„Die ökologischen Funktionen von Bäumen sind heute ja allgemein bekannt. Wir möchten mit der Schau insbesondere auch deren ästhetische und raumbildende Wirkung auf unser Landschaftsbild zeigen“, erklärte Gerhard Bergner von der Regierung von Oberfranken bei der Ausstellungseröffnung.

Alte Baumriesen

Glücklicherweise sei Oberfranken reich an markanten, imposanten, oft mehrere Hundert Jahre alten Baumriesen, die das Landschaftsbild prägen und noch heute Orientierungspunkte darstellen. Einzelbäume dienten oftmals als Wegzeichen und stünden bevorzugt an Weggabelungen, wo sie noch immer prominente Landmarken seien. Sie seien Rechts- oder Territorialgrenze oder markierten einen Gerichtsplatz.

Die Ausstellung wolle ein Bewusstsein für ihren Wert schaffen und für ihren Erhalt werben. Um zu demonstrieren, wie unsere oberfränkische Landschaft ohne ihre Charakterbäume aussehen würde, habe man, sagt Bergner, aus den Originalfotos die Bäume digital herausretuschiert. In Überblendtechnik und auf Postern präsentiere man nunmehr, wie sich das Landschaftsbild dadurch verändert.

„Wir hoffen, mit der Ausstellung auch etwas dazu beitragen zu können, dass das in der Bevölkerung oftmals nicht sehr gute Image von Bäumen steigt“, verdeutlichte Beate Singhartinger, dass Bäume leider nicht selten als unnötig und störend oder gar als Ärgernis oder Arbeitsaufwand empfunden würden. „Laub ist kein Dreck“, betonte sie. Die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Kronach hatte auch einige Bilder aus dem Landkreis für die Ausstellung beigesteuert.

Besondere Bildpaare

Kern der Ausstellung sind die Bildpaare: Originalfotos von Landschaftsausschnitten mit markanten Bäumen sowie ihre Kopien, in denen diese Bäume „weggenommen“ wurden. Poster und eine Videoinstallation zeigen wirkungsvoll, wie das Landschaftsbild unter dem Verlust seiner Charakterbäume leiden würde. Orientierungspunkte in der Landschaft gingen ebenso verloren wie die Markierung von Wegeverläufen oder grünen Siedlungsrändern. Noch dazu sind Bäume Lebensraum für Insekten, Vögel und Moose , produzieren lebenswichtigen Sauerstoff und schützen den Boden vor Erosion.

Tief beeindruckt von der Schau, die noch viele weitere Aspekte aufgreift, war Annegret Kestler. Die VHS-Leiterin freute sich sehr über die Belebung des Begegnungsraums gerade in der Ferienzeit, wenn weniger Kursprogramme zur Verfügung stehen. Dort, im Anbau der VHS, ist die Ausstellung diese Woche jeweils zu den Ferienöffnungszeiten von 8.30 bis 12.30 Uhr ohne Voranmeldung und bei freiem Eintritt zu besichtigen. Im Anschluss wird die Präsentation vom 25. bis 28. April im Rathaus in Ludwigsstadt, vom 30. April bis 15. Mai in der Arnika-Akademie in Teuschnitz und vom 17. bis 29. Mai im Tourismuszentrum in Steinbach am Wald zu sehen sein, bevor sie weiter nach Bayreuth und Ebensfeld wandert.