Das Mariahilf-Szenarium in den Cranach-Welten von "1000 Jahre Kronach " wurde vor kurzem von einer anderen Cranach'schen Bildergeschichte abgelöst. Im Schaufenster in der Amtsgerichtsstrasse ist jetzt die biblische Geschichte von Adam und Eva im Paradies das Thema.

Ins Auge sticht dabei zunächst der große Holzschnitt in der Mitte des Fensters. Cranach hat ihn 1509 geschaffen, das Original hat eine Größe von 33,4 mal 23 Zentimeter. Anlässlich der Feier des 500. Geburtstages des großen Kronacher Sohnes im Jahr 1972 wurde der Holzschnitt vergrößert auf Leinwand aufgezogen und ebenfalls in einem Kronacher Schaufenster ausgestellt. Cranach sei durch Albrecht Dürers Kupferstich "Der Sündenfall" aus dem Jahr 1504 angeregt worden, das Thema zu bearbeiten. Er hat aber bei seinem Holzschnitt einen besonderen Akzent gesetzt, indem er Adam und Eva nicht, wie Dürer, nebeneinander stellte, sondern Adam vor dem Baum einen Sitzplatz zuwies.

Mehr als 30 Bilder bekannt

Bei seinen Adam-und-Eva-Gemälden hat er diesen Einfall aber nicht wieder aufgegriffen, sondern die beiden in unterschiedlichen Körperhaltungen nebeneinander gemalt. Mehr als dreißig Bilder sind bekannt und heute in Museen über viele Länder verstreut. Eines davon wird links im Fenster von der jungen Dame vorgestellt: Das Bild ist eigentlich in London zu Hause, wurde aber erst vor kurzem im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt. Und von dort stammen das Halstuch und die Einkaufstasche mit dem Adam-und-Eva-Motiv und andere Artikel. So begegnet einem Cranach auch außerhalb von Museen. Übrigens beschäftigte sich die Ausstellung in New York mit dem Dialog von Mode und religiösen Kunstwerken.

Die Cranach-Welten zeigen mit ihren Objekten, wie wir immer wieder Cranach im Alltag begegnen können; allerdings ist im Fenster nur Platz für einige Beispiele: Die Kunstkarten von Adam-und-Eva-Bildern aus Museen in aller Welt lassen erkennen, wie jedes dieser Bilder seine Eigenart hat, indem Adam und Eva vor oder neben dem Baum stehen oder sich in Körperhaltung und Gestik unterscheiden.

Adam und Eva erscheinen auch häufig auf Briefmarken. Besonders beliebt sind die beiden Abbildungen aus den Uffizien in Florenz, die z. B. auf Marken in Ost- und Westafrika auftauchen.

Das Adam-und-Eva-Paar aus dem Nationalmuseum in Prag treffen wir gleich mehrmals an, auf der Kunstkarte, als Briefmarke und dann auch noch zur Werbung auf einer Telefonkarte. Adam-und-Eva-Abbildungen verschönern die Ersttagsbriefe von Cranach-Briefmarken. Kleine Magnettäfelchen bietet nahezu jeder Museumsshop an, dessen Haus ein Adam-und-Eva-Original von Cranach besitzt.

Auf Kaffeetassen und Bierkrügen

Es ist also schon erstaunlich, wie präsent Kronachs großer Sohn bis in die Gegenwart ist. Der Detailreichtum seiner Bilder trägt dazu bei. Ausschnitte aus seinen Bildern sind sehr beliebt. Ein Grund dafür ist die künstlerische Qualität seiner Werke. Durch ihre Aussagefülle und die realistische Darstellung werden aus ihnen richtige Hingucker herausgefiltert, wie beispielsweise die Buchcover zum dtv-Atlas Bibel oder einer Volksmärchenausgabe, die mit Ausschnitten aus den schon genannten berühmten Florentiner Adam-und-Eva-Bildern bestechen. Unerschöpflich ist das Potenzial an Bildträgern, auf denen ein hübscher Cranach prangen kann, z. B. auf einer Kaffeetasse oder einem Bierkrug.

Die Nachkriegs-Illustrierte "Quick" - es gibt sie schon lange nicht mehr - hat im Juli 1975 Cranach-Werke, beispielsweise das Adam-und-Eva-Bild aus der Berliner Gemäldegalerie , farbig zum Ausschneiden und Aufhängen im Wohnzimmer abgedruckt. Adam und Eva aus dem Leipziger Museum der Bildenden Künste wiederum begegnen wir im Kunstmagazin Art, November 2003, auf großen Ausklappbildern. So reiht sich ein Cranach-Blickpunkt an den anderen, ein Ende der Sammeltätigkeit ist nicht in Sicht.

Die Cranach-Welten-Auswahl im Schaufenster soll Spaß machen und ermuntern zur Beschäftigung mit dem zeitlosen Werk des alten Kronachers, der nichts an Ausstrahlungskraft eingebüßt hat. red