Die gemeinsame Sitzung der politischen sowie der Kirchengemeinde in Walsdorf begann mit einem christlichen Schnellimbiss - Fast Food für die Seele. "Habt untereinander beständige Liebe", so Pfarrer Ulrich Rauh, der die Moderation des Abends übernahm.
An dieser Krisensitzung nahmen auch die Mitarbeiterinnen der Kindergärten St. Laurentius und Arche Noah, Vertreter der Elternbeiräte und des Kirchenvorstands, Jürgen Hofmann vom evangelischen Kirchengemeindeamt, Norbert Kern vom Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim, und, mit etwas Verspätung, aber nicht zu spät, Dekan Hans-Martin Lechner teil. Die kreisförmig angeordneten Stühle im Gemeindehaus waren komplett besetzt.
Der einzige Tagesordnungspunkt war das Schicksal des Kigas St. Laurentius, dies eng verwoben mit der Schwester Arche Noah. Die beiden Mädels haben zwei Väter, wie Rauh erläuterte. Gebäude und Grundstück von St. Laurentius gehören der Kirchengemeinde. Dieser Kiga wird von der Kirche seit 71 Jahren betrieben. Die Kirche betreibt auch Arche Noah, Eigentümer ist aber die Kommune.


Kirche oder Arbeiterwohlfahrt?

Walsdorf brauche ein gutes, ganzheitliches Kiga-Konzept, so Rauh. Auf dem Weg dorthin sei es jedoch zu "Irritationen" gekommen, ausgelöst durch die Kontaktaufnahme der Gemeinde mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) als potenziellem Betreiber eines neuen Kindergartens.
St. Laurentius bedarf dringend einer Sanierung, die unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten jedoch nicht sinnvoll erscheint. Für einen zusätzlichen Hort reiche der Platz nicht aus, so Rauh: "Alle Überlegungen münden in einen Neubau, dieser in unmittelbarer Nachbarschaft des Kigas Arche Noah, also auf Gemeindegrund." St. Laurentius habe allerdings eine unbefristete Bestandsgarantie. Erst wenn die Kirche den Kiga zurückgibt, könne die Gemeinde einen Neubau ausschreiben. "Wir wollen nicht gegen die Gemeinde arbeiten, aber aufgeben werden wir auf keinen Fall."
Erster Bürgermeister Heinrich Faatz stellte das Ergebnis einer von der Gemeinde durchgeführten Bedarfsermittlung hinsichtlich der Kinderbetreuung vor und reflektierte auch die Geburtenzahlen seit 2003. "Nicht alle angeschriebenen Familien haben auch geantwortet. Viele haben wohl gedacht, mein Kind, meine Kinder sind bereits bestens versorgt. Warum also antworten?" Abgefragt wurde der Bedarf für 322 Kinder von 0 bis 15 Jahren.
Angemeldet wurden 16 Krippenplätze (aktuell sind es 12), 48 Kiga-Plätze, 35 für die Mittagsbetreuung ("Wir haben 52", so Faatz) und zwei Hortplätze, wobei jetzt schon 17 Walsdorfer in Burgebrach im Hort seien. Aus dem Geburtenverlauf resultiere ein Bedarf für drei Krippen. Des Weiteren sei eine offene Ganztagsschule im Gespräch, so der Bürgermeister.
Gemeinderat Michael Ulrich (CSU) kam auf den Punkt: "Alles, was wir brauchen, ist ein schlüssiges Konzept und eine klare Aussage zu den Kosten", was die Awo vorgetragen habe, ergänzte Stefan Huttner (FL).


Seit 71 Jahren präsent

Rauh zeigte sich kämpferisch. "Es gibt eine unverrückbare rechtliche Basis." In einer Konkurrenz zur Awo sehe er die Kirche nicht, das sei auch rechtlich gar nicht darstellbar. "Wir sind seit 71 Jahren präsent und vor Ort, und es gibt auch nicht nur ansatzweise kritische Anmerkungen, dass wir eine schlechte Arbeit abgeliefert haben."
Die Kirche wundert sich über das Vorgehen der Gemeinde, und die Gemeinde wundert sich über die Kirche.
Ende Juni habe die Gemeinde die Arbeiterwohlfahrt wie auch die Caritas angeschrieben, dies mit der Aussage, man suche einen zweiten Träger für einen neuen Kindergarten. Die Caritas habe sofort abgewunken. Einen Gemeinderatsbeschluss zu dieser Vorgehensweise habe es offenbar nicht gegeben, vielmehr sei der Geschäftsführer Andreas Geck von sich aus initiativ geworden.
"Es ist doch keine Sünd', dass wir uns informieren", meinte Manfred Ratzke (SPD), unterstützt von Stefan Huttner: "Die Awo hat ein Superkonzept."
"Was Herr Dippold (Awo) hier vorgestellt hat, tun wir schon lange", antwortete Rauh. "Eine ganzheitliche Betreuung ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Warum will man nach 71 Jahren weg von der Kirche?"
Es stellte sich heraus, dass eigentlich niemand weg will, dass aber die Korrespondenz zwischen der Verwaltung und der Kirchengemeinde dem Gemeinderat offensichtlich gänzlich unbekannt ist. Es gibt zweifellos Kommunikationsprobleme.
Jürgen Hofmann stellte jedoch auch gänzlich unaufgeregt Gemeinsamkeiten fest: "Die bauliche Notwendigkeit sehen Sie alle, auch den Bedarf sehen Sie alle. Im Grunde besteht eine große Einigkeit, aber auch eine gewisse Aggression im Gespräch, aber ganz oben sollte das Wohl der Kinder stehen."
Letztlich geht es ums Geld. Was kostet ein Neubau, welche Zuschüsse können beantragt werden, wer trägt in welcher Höhe unkalkulierbare Risiken? Michael Ulrich: "Wir drehen uns im Kreis."
Dekan Hans-Martin Lechner durchschlug den gordischen Knoten. Er schlug die Einsetzung eines überschaubaren Arbeitskreises vor, maximal sieben bis acht Mitglieder. Ein Planungsausschuss, der den Gremien dann beschlussfähige Vorschläge vorlegt. Und genau das soll nun geschehen.