Zum Artikel "In Syrien hilft nur noch ein Gebet" vom 5.8.2020: Nachdem ich selbst Jahre in den Krisenländern verbracht habe, möchte ich zum Leserbrief von Albin Schorn, Haßfurt, einige Ergänzungen aus meiner Sicht anmerken.

Es ist zu einfach, nur auf die augenblickliche syrische Regierung einzuschlagen. Erinnern wir uns an die Vorgeschichte. Ausgangspunkt des Ganzen war die Zerstörung des Staates Irak durch die völkerrechtswidrige Invasion der USA.

Als Folge entstand unter anderen der IS, der sich schnell über weite Teile Iraks und Syriens ausbreitete. In einem angesehenen Nachrichtenmagazin war vor einigen Monaten zu lesen, dass die CIA parallel eine Milliarde US-Dollar zur Verfügung bekam, um in Syrien Unruhe zu schüren und Aufständische mit Waffen gegen Assad auszurüsten mit dem Ziel des Sturzes der Regierung in Syrien. Bunte Truppen von Islamisten mit unterschiedlichen Zielen schlossen sich der Bewegung an.

In der Folge flohen viele Menschen vor IS und dem Chaos. Der machthungrige Nachbar im Norden wartete in der Türkei schon seit Jahren darauf, seinen Anteil zu sichern.

Panzer aus deutscher Produktion, mit zaghaftem, lächerlichem Protest aus Deutschland, rollten aus der Türkei ins Land, das die Amerikaner den Türken überlassen hatten. Wir lieferten trotzdem weiteren Waffen und Munition.

Tausende unschuldige Menschen aus der syrischen Grenzregion verloren Heimat, Hab und Gut. Alles längst vergessen.

Vor einigen Wochen erhielt ich den Bericht des Vertreters einer großen christlichen Kirche, der die Gegend zu einer Momentaufnahme bereiste. Er betreut christliche Einrichtungen.

In der von der syrischen Regierung beherrschten Region befindet sich die Gemeinschaft demnach in einem erstaunlich guten Zustand. Wo im Norden andere Machthaber herrschen, ist die christliche Gemeinschaft sichtlich geschwächt. Da komme es schon vor, so das Schreiben, dass an Orten noch 50 Christen wohnen, wo es einmal 5000 waren.

Wir sollten unsere westliche Brille einmal absetzen und die Region als Ganzes in ihrer Struktur sehen. Demokratische Regierungen in unserem Sinne gibt es in der Region, außer in Israel, kaum.

Wenn Albin Schorn in seinem Leserbrief meint, in Idlib leisteten nur noch Saudi-Arabien und die radikalislamische Miliz Hilfe zu einem menschenwürdigen Leben, so muss man gleichzeitig auch die Ziele dieser Gruppen kennen. Sind sie wirklich eine Alternative? Hätten sie in Syrien gewonnen, würde außerdem das 2000 Jahre alte Christentum in Syrien, wie schon in der Türkei und anderen Staaten, definitiv ausgelöscht.

Aber Minderheitenschutz interessiert in der Großmachtpolitik und im Westen in keiner Weise. Da ist es auch kein Wunder, wenn die Mehrheit der Christen in Syrien ihre einzige Überlebenschance im Regime Assad sehen. Alles in allem eine sehr komplizierte Situation, wo viele Parteien - auch der Westen - sehr kritisch zu sehen sind.

Franz Galster

Leutenbach