Ein neugeborenes Kind ist für die Mutter ein Grund zur Freude - will man(n) meinen. Doch 15 bis 20 Prozent aller Frauen stürzen laut Statistik nach der Geburt in eine tiefe psychische Krise.
Laien und auch Fachleute wissen oft nur wenig über die Problematik. Das Bamberger Netzwerk "Krise nach der Geburt" hat es sich zum Ziel gesetzt, Laien und Fachleute umfassend über die sogenannten postpartalen Krisen zu informieren. Die 4. Ausstellung wurde am Montag in der Regiomed-Klinik Lichtenfels eröffnet.
Die Ursachen, die eine postpartale Krise auslösen können, seien vielfältig, erläuterten Sabine Wegner, Sozialpädagogin im Landratsamt, und Tina Kosuch von der Schwangerschaftsberatung des Diakonischen Werks. Änderungen im Hormonhaushalt, psychische Vorerkrankungen und eine genetische Disposition erhöhten demnach das Risiko. Zudem seien Mütter durch die vielen Umstellungen einer enormen Belastung ausgesetzt.


Depressionen, Ängste, Zwänge

Der gefühlte gesellschaftliche Druck, eine perfekte Mutter sein zu müssen, stelle eine erhebliche Belastung dar. Erschwerend komme hinzu, dass immer häufiger ein schneller Einstieg ins Berufsleben erwartet werde. Postpartale Depressionen, Ängste und Zwänge können nach Ausführungen der beiden Fachleute schleichend bis zu einem Jahr nach der Entbindung auftreten. Befinde sich eine Mutter nach der Geburt in einer Krise, empfinde sie ihr Kind als Last und glaube, ihr Kind nie lieben zu können. Dies könnte so quälend für die Betroffene sein, dass die Mutter Suizidgedanken entwickle, warnten sie. Deshalb sei eine schnelle Behandlung enorm wichtig. Übrigens können auch Männer in eine psychische Krise geraten. Auch für sie bedeute die Geburt eines Kindes einen tiefen Einschnitt in den Alltag, erklärte Sabine Wegner. Sie müssten sich an die Situation mit dem Kind gewöhnen, Verantwortung übernehmen und dürften dabei ihre Arbeit nicht vernachlässigen. Ihr Rat an Männer ebenso wie an Frauen: rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen.
Landrat Christian Meißner maß der Krisensituation nach der Geburt hohe Bedeutung bei. Erfreulich sei die hohe Geburtenrate mit steigender Tendenz im Landkreis Lichtenfels. 600 Geburten im Jahr registrierte Oberärztin der Frauenklinik Dr. Birgit Ach.
In der Entbindungsstation würden die angehenden Mütter von einem Dutzend hochqualifizierten Mitarbeitern betreut. Neben sieben Ärzten stünden zwei Hebammen und vier Schwestern zur Verfügung. Krankenhausdirektorin Eva Jungkunst wies darauf hin, dass die Ausstellung in der Entbindungsstation noch bis zum 7. Juni präsentiert wird.