Ein guter Zeitpunkt für die Anlage von Blühflächen ist der Spätsommer. Die in der Regel zu erwartenden niedrigeren Temperaturen und höheren Niederschlagsmengen begünstigen die Herbstaussaat. Die Kreisfachberatung für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Haßberge gibt Tipps, was bei der Aussaat von Blühflächen grundsätzlich zu beachten ist, und zeigt weitere Alternativen auf.

Immer mehr natürliche Lebensräume gehen verloren. Insbesondere artenreiche Blumenwiesen in der Kulturlandschaft seien heute selten geworden, bedauern die beiden Kreisfachberater Guntram Ulsamer und Johannes Bayer. Durch das Anlegen von Blühflächen kann das Nahrungsangebot für Insekten ergänzt und so bis in den Herbst hinein verlängert werden. Zugleich erhält die manchmal eintönige Feldflur durch die bunte Blütenpracht eine optische Aufwertung. So manche, vorher recht karge Fläche im Ort erstrahlt in neuem Glanz und selbst im Garten bieten bunte Blühflächen einen Anziehungspunkt für Insekten.

In der Regel erfolgt die Aussaat im Frühjahr. Dabei kann man zwischen ein- und mehrjährigen Saatgutmischungen auswählen. Wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, gestaltet sich eine Frühjahrsaussaat wegen der starken Trockenheit oft schwierig. Die Kreisfachberatung am Landratsamt Haßberge empfiehlt daher eine Aussaat im Spätsommer. Dazu geeignet sind ausschließlich ausgewählte mehrjährige Saatgutmischungen. Wer mit dem Gedanken spielt, eine Blühfläche anzulegen, der kann jetzt schon die Flächen vorbereiten und das Saatgut besorgen, denn die kommenden Spätsommermonate sind ein guter Zeitpunkt zum Aussäen. Damit dieses Vorhaben tatsächlich auch gelingt, gibt die Kreisfachberatung Tipps, was dabei zu beachten ist:

Standortfrage

Auf den richtigen Standort kommt es an - es muss sonnig sein. Ein magerer Boden begünstigt das Wachstum der Artenvielfalt. Zu viele Nährstoffe im Boden, also zu fette Böden, sind ungeeignet. Ob der Boden zu fett oder zu mager ist, kann man an den dort bisher wachsenden Pflanzenvorkommen ablesen oder durch eine Bodenprobe bestimmen. Zu fette Böden können beispielsweise mit Sand abgemagert werden.

Der vorbereitete Boden muss eine feinkrümelige Struktur aufweisen. Große Erdklumpen, Steine oder Wurzeln auf der Aussaatfläche verhindern, dass das feine Saatgut Fuß fassen kann. Vorhandene Wurzelunkräuter sollten sorgfältig entfernt und gegebenenfalls auch später immer wieder herausgestochen werden. Denn sie verdrängen die junge Blumenaussaat und sind deshalb auch das größte Problem.

Wer in ein gutes Saatgut investiert, legt den richtigen Grundstock. Billige Blühmischungen enthalten oft gezüchtete Blumensorten und keine Wildformen; sie sind für Insekten nicht besonders wertvoll. Deshalb sollte man auf regionales Saatgut mit heimischen Wiesenkräutern und Gräsern achten. Diese Pflanzen sind die ganze Saison über attraktiv, langlebig und im Blühzeitpunkt an die heimische Insektenwelt angepasst. Für die Herbstaussaat empfiehlt die Kreisfachberatung die "Haßberg-Mischung", eine eigens für den Landkreis Haßberge hergestellte Mischung. Sie besteht aus 42 mehrjährigen Arten und zu 100 Prozent aus Wildstauden, die eine Höhe von 60 bis 100 Zentimetern erreichen. Das Saatgut ist sehr fein. Auf einen Quadratmeter ist eine Saatgutmenge von nur zwei Gramm auszubringen. Die Kreisfachberatung rät dazu, das Saatgut genau mit der Küchenwaage abzuwiegen und eventuell mit Saathilfe oder feinem Sand zu mischen. Das erleichtert eine gleichmäßige Verteilung.

Weil viele Wiesenblumen sogenannte Lichtkeimer sind, wird das Saatgut auf die offene Bodenfläche ausgebracht. Damit es Anschluss an den Boden bekommt, wird es mit einer Walze oder einem Brett festgedrückt. Die ersten Wochen sind nun entscheidend. Da muss gewässert werden, und zwar so lange, bis die jungen Pflanzen den Boden bedeckt haben. Die Kreisfachberatung empfiehlt, zweimal pro Woche zu wässern, bei extremen Trockenphasen auch öfter. Da der Herbst in der Regel mildere Temperaturen und höhere Niederschlagsmengen mit sich bringt, bietet die Herbstaussaat aus eben diesen Gründen einen entscheidenden Vorteil.

Ganz ohne Pflege geht es dann aber doch nicht, wenn sich ein langfristiger Erfolg einstellen soll. Ein guter Zeitpunkt für die erste Mahd ist im Juli. Das Mähgut muss unbedingt von der Fläche entfernt werden. Wird nicht gemäht, dann nehmen im Lauf der Zeit die konkurrenzstarken Pflanzenarten überhand und verdrängen andere.

Ein zweiter Schnitt ist dann Anfang bis Mitte September fällig, damit die Blumenwiese möglichst luftig in den Winter gehen kann und sich bei Feuchtigkeit und Schnee kein Schimmel bildet. Eine Schnitthöhe von sieben Zentimetern ist ratsam. Das Mähgut soll einige Tage auf der Fläche verbleiben und zum Trocknen und Aussamen gewendet werden. Weil artenreiche Blühwiesen nicht gemulcht werden, muss das Mähgut von der Fläche entfernt werden. Viele Flächen haben schon einen wertvollen Pflanzenbestand. Sie brauchen keine Umwandlung in eine Blühfläche, lediglich eine Umstellung der Pflege oder, anders ausgedrückt, einen Nährstoffentzug. Das wird erreicht durch wenig Mähen, nicht Mulchen und nicht mehr Düngen.

Wer also ohne großen Aufwand eine natürliche Blumenwiese im Garten haben möchte, denjenigen empfiehlt die Kreisfachberatung, die Rasenpflege zu extensivieren und den Rasen im Garten wachsen zu lassen und nicht mehr zu düngen.

Für weitere Fragen steht die Kreisfachberatung am Landratsamt Haßberge unter der Telefonnummer 09521/942618 gerne zur Verfügung. red