von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Lichtenfels — Daniel Welbat, besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Wellbad", kennt keine musikalischen Scheuklappen. Der 26-jährige Hamburger zählt so illustre und höchst unterschiedliche Gruppen und Künstler wie die "Black Keys", Willie Dixon, Paolo Nutini, "Eels" oder Tom Waits zu seinen großen Vorbildern.
Genauso klingt seine Musik, die ein unorthodoxer, spannender Stilmix zwischen Tradition und Moderne ist. Mit dieser gewann er die German Blues Challenge im schleswig-holsteinischen Eutin und beeindruckte auch die Lichtenfelser St.-Georgs-Pfadfinder. Gemeinsam mit der Stadt Lichtenfels lockten sie das vielversprechende Nachwuchstalent für ein Konzert in die Korbstadt. Am Donnerstag, 29. Oktober, um 20 Uhr spielt Wellbad unter dem Motto "Judgment Days", so auch der Titel seines zweiten Albums, im Stadtschloss.
Sein Markenzeichen ist seine markante Kratzstimme, bei der man sich unwillkürlich fragt: Krächzt er wie ein Rabe, knarzt er wie ein alter Holzboden oder gurgelt er infernalisch? Eine Mischung aus allen dreien dürfte es wohl am ehesten treffen. Auf seiner Internetseite wird der Hoffnungsträger der deutschen Roots-, Blues- und Indiemusik wörtlich wie folgt beschrieben: "Wellbads markante Kratzstimme ist staubtrocken wie der Boden im Death Valley, der Vollbart stachelig wie ein Wüstenkaktus, die Atmosphäre seiner Songs erinnert an Filmszenen von Jim Jarmusch, Quentin Tarantino oder David Lynch." Nach Ansicht vieler Kritiker befreit der Hamburger den Blues aus seinen engmaschigen Genregrenzen, so wie es auf internationaler Ebene Künstler wie Jack White von den "White Stripes" oder Asaf Avidan vorgemacht haben. Darüber hinaus verpackt der Jungspund mit der Reib eisenröhre emotionale Geschichten in markante Dur- und vor allem Mollakkorde, die Musikliebhabern nicht nur Unterhaltung, sondern auch geistige Erbauung schenken sollen.


Liebe, Hoffnung, Tod

Die englischsprachigen, von Schriftstellern wie Franz Kafka, Dylan Thomas, Charles Bukowski, Rainer Maria Rilke und Bertolt Brecht beeinflussten Texte thematisieren klassische Motive wie Liebe, Hoffnung, Genesung, Schmerz, Verlust und Tod. Diese werden auf Basis persönlicher Erfahrungen entfremdet, überspitzt oder ins Gegenteil verkehrt. Für die Umsetzung seiner Soundvision greift der experimentierfreudige Multiinstrumentalist und Klangästhet aus der Hansestadt, der im Studio und live von Bassist Stefan Reich, Gitarrist Lennard Eggers, Pianist Simon Andresen und Schlagzeuger Basti Meyer unterstützt wird, auch selbst zu Mundharmonika, Maultrommel, Kazoo, irischem Banjo, Akustik-, E- und Baritongitarre, Percussion, Orgel oder Klavier.
Die deutsche Musikkritik rückte den Nachwuchskünstler in ein gutes Licht. Die Tageszeitung "Die Welt" sieht in ihm das "neue Gesicht einer alten Musik" und der Norddeutsche Rundfunk wählte einen bilderreichen Ton: "Bei dieser Stimme denkt man an Tom Waits, dunkle Bars und lange Nächte." Karten gibt es im Vorverkauf bei der Tourist-Information Lichtenfels, Marktplatz 10 (Telefon 09571/7950102).