Die Bertelsmann-Stiftung hat in einer Studie die These aufgestellt, die Qualität der Krankenhausversorgung in Deutschland wäre nur sicherzustellen, wenn mehr als die Hälfte der Kliniken schließen und die Versorgung auf die verbleibenden Standorte konzentriert würde. Der Kreisverband Bad Kissingen von Bündnis 90/Die Grünen erklärt dazu in einer Pressemitteilung, "wir müssen die Grundversorgung mit Krankenhausleistungen im ambulanten, stationären und notfallmedizinischen Bereich auf dem Land wieder massiv ausbauen. Das ist ein Leistungsanspruch, den wir als Beitragszahlerinnen und Beitragszahler in der gesetzlichen Krankenkasse deutlich formulieren können."

Ein Blick in die Studie offenbare auch kaum Überlegungen hinsichtlich dessen, was eine gute Krankenhausversorgung in einer ländlichen Region im Alltag ausmacht. Qualität werde in Behandlungserfolgen gemessen und der ländliche Raum finde nur als Anhängsel Beachtung. Die Fixierung der Krankenhausversorgung auf Behandlungsfälle und die Finanzierung über Pauschalen gehe aber aus Sicht der ländlichen Räume in die falsche Richtung. "Zum Röntgen des umgeknickten Fußes oder zum Nähen einer Schnittverletzung brauche ich keine spezialisierte Fachabteilung in der nächsten Universitätsklinik", meint Petra Winter, Sprecherin des Kreisvorstands. Eine wohnortnahe Vorhaltung einer solchen Versorgung sei auch ein wichtiges Maß von Qualität im Gesundheitswesen. "Bei der kinderärztlichen Bereitschaft können wir in der Region die Entwicklung schon beobachten", ergänzt Tobias Eichelbrönner, Sprecher des Kreisvorstands. "Ich überlege es mir heute mehr als zweimal, ob für mein Kind, das nach einem heißen Sommertag plötzlich Kopfschmerzen und hohes Fieber bekommt, zwei Stunden im Warteflur in der Klinik in Schweinfurt notwendig und hilfreich sind oder nicht." Diese zögerliche Haltung bewahrt die Klinik vielleicht vor weiterer Überlastung, kann im Zweifel aber auch fatal sein. In lebensbedrohlichen Situationen beginnt Erstversorgung nicht an der Krankenhausschwelle, sondern im Rettungswagen. Ein Großteil der Notfalleinsätze entfällt dabei auf nicht lebensbedrohliche Krankheitsbilder. "Ein Rettungswagen, der ein Unfallopfer mit Platzwunde von Gräfendorf nach Schweinfurt oder Bad Kissingen bringt, weil die Ambulanz in Hammelburg um 18 Uhr geschlossen hat, bindet Personal und Technik, die beim Herzinfarkt kurze Zeit später dann vielleicht nicht zur Verfügung stehen", schildert die stellvertretende Landrätin Monika Horcher das Problem.

Der Kreisverband fordert alle Akteure im Landkreis auf, die Alltagsbedürfnisse der Menschen in der Region bei der Krankenhausversorgung klar zu formulieren. Eine wohnortnahe Grundversorgung sei im Landkreis ein wichtiger Baustein. red