Die Lindan- und PCP-Rückstände im Dachstuhl des Rathauses verzögern die Sanierung des Gebäudes. Wie die städtische Pressesprecherin Britta Kaiser mitteilt, war der Informationsbedarf nach Bekanntwerden der Kontamination so hoch, dass die Stadt nun einen Überblick über den Stand der Arbeiten im Historischen Rathaus gibt. Gleichzeitig übte Manfred Hümmer, der Fraktionssprecher der Freien Wähler, gestern erneut Kritik an der Informationspolitik von OB Uwe Kirschstein (SPD). "Die nicht ungewöhnliche Holzschutzmittel-Belastung ist bereits seit 2016 analysiert", stellt Hümmer fest. "Derartige Belastungen findet man an jedem zweiten Projekt dieser Größenordnung, sie sind charakteristisch für die Bauwelt der 60er und 70er Jahre. Warum wurden wir erst am Mittwoch darüber informiert?" Weiter fragt Hümmer, ob Kirschstein seiner Fürsorgepflicht nachkomme und "Vorsorgeuntersuchungen bei den städtischen Bediensteten anberaumt" habe?
Folgende Einschätzung zum Stand der Dinge gab die Stadt am Donnerstag bekannt:

1.Verunreinigung:
Wie im Planungsausschuss berichtet, ist die Kontamination im Dachraum des historischen Rathauses mit PCP und Lindan schon im letzten Jahr durch ein Gutachten bestätigt worden. Zu diesem Zeitpunkt ist man von einem begrenzten Sanierungsbereich ausgegangen, für den schon entsprechende Szenarien für die Zeit der Baumaßnahmen und die Zeit der Nutzung danach entworfen und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft wurden. Unter anderem ist geplant, diesen Dachbodenbereich grundsätzlich sowohl von der Gebäudeversorgung als auch von der mechanischen Abgrenzung her von den restlichen Gebäudeteilen komplett zu isolieren. Zu-sätzlich sind Belüftungsvorrichtungen eingeplant. Für diese Sanierungsarbeiten wurden entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen schon eingeplant.

2. Schimmel:
Im Zuge der Arbeiten, die durch einen Wasserschaden Ende Januar ausgelöst wurden, wurde eine aktuelle Neubewertung der Sachlage notwendig. Um Schwamm- und Schimmelbildung zu vermeiden, wurden auf Anraten der Denkmalpflege Wände im Bereich des Wasserschadens geöffnet. Diese Gebäudeteile (und nur dieser Bereich!) haben aus baulicher Sicht Kontakt zum Dachboden. Deshalb wurden hier sofort als Vorsichtsmaßnahme mechanische Messungen durchgeführt, die tatsächlich eine geringfügige Kontamination des Füllmaterials ergaben. Die Werte der Messungen liegen deutlich unter denen des Dachstuhls, sind also extrem niedrig. Dennoch hat die Stadt aus Vorsichtsgründen ein Betretungsverbot erlassen.
Tatsächlich waren und sind mechanische Messungen wie auch Raumluftmessungen generell vorgesehen und werden seit Beginn der Maßnahmen zeitlich abgestimmt durchgeführt. Durch den Wasserschaden hatte sich aber diese vorzeitige mechanische Messung ergeben. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass nach einer fachgerechten Sanierung bei der späteren Nutzung des Gebäudes eine PCP- oder Lindanbelastung kein Thema mehr sein wird. Auch die Belastung des Dachstuhls wird durch die natürliche Ausdünstung mit den Jahren immer stärker nachlassen.

3.Vorgehen:
Wie geht es weiter? Geplant ist zunächst eine "Staubfreimachung" jener Bereiche, in denen eine Schadstoffbelastung festgestellt wurde. Dazu gehört auch die Entfernung von kontaminiertem Füllmaterial in Wänden. So können Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die den allgemeinen Vorschriften des Arbeitsschutzes entsprechen.
Im ersten Schritt wird die Firma Geocon GmbH, die schon die bisherigen Bauuntersuchungen vorgenommen hat, ermitteln, welche Kosten hier entstehen werden. Danach findet eine Ausschreibung für diese Spezialarbeiten statt. Parallel dazu werden in den kommenden Wochen, wenn die Außentemperaturen steigen, weitere Raumluftmessungen durchgeführt, die sowieso schon (vor Kenntnis der neuen Sachlage) im Zuge der allgemeinen Bauforschung eingeplant waren. Die bisherigen Raumluftmessungen waren unauffällig.

4.Zeitplan:
OB Uwe Kirschstein (SPD) sieht keine Verzögerung des Baufortschrittes gegeben, da ja parallel die Beratungen in den Stadtratsgremien zum Nutzungskonzept des Rathauses laufen. Der OB will den Räten bewusst Zeit einräumen, um Ideen zu entwickeln, zu diskutieren und notfalls auch wieder zu verwerfen. Diesen Diskussionsprozess empfindet er als extrem wichtig: "Den Aspekt der Nutzung sollten wir grundständig lösen, das halte ich für sinnvoll. Wir wollen nichts übers Knie brechen, sondern uns die Zeit nehmen, die wir dafür brauchen." Die Mitteilung der Stadt schließt mit dem Hinweis: Selbstverständlich werde "der Faktor Zeit nicht ganz außer Acht gelassen". Verwaltung und Stadtrat seien sich bewusst, dass das Rathaus zügig neu genutzt werden solle. red