Burgkunstadt — Die Wanderung der Umweltstation im Rahmen Bayern-Tour-Natur zum Kordigast war am Sonntag mit 32 Personen ein voller Erfolg. Der ehemalige Kreisfachberater Josef Schröder wusste auf dem ca. vier Kilometer langen Rundweg über die Geologie und Geschichte sowie Pflanzenwelt viel zu berichten. Bei strahlendem Sonnenschein und nicht zu heißem Wetter hatte man vom Kordigast, der letzten Erhebung im Norden der Fränkischen Alb, einen atemberaubenden Rundblick bis zum Fichtelgebirge, Thüringer- und Frankenwald so wie das Coburger Land.
Besonderen Wert legte Schröder darauf, die Beziehungen zum Gesteinsuntergrund einerseits sowie Bodenarten, Geländeformen und Bewuchs andererseits herauszuarbeiten. Auch die kulturgeschichtlichen Aspekte fanden eine Berücksichtigung. Um die Spuren des ehemaligen Bergbaues zur Eisengewinnung zu erkennen, musste man schon genau hinschauen. So konnten noch Abraumhalden im Wald beim Anstieg zum Kordigast so wie ein noch offener Stolleneingang, das sogenannte Fuchsloch entdeckt werden. "In dem etwa 80 Meter starken Aufbau des Eisensandsteines stehen im oberen Bereich waagerechte Flöze mit einer Stärke von 0,5 Meter an. Diese Steine mit 30 Prozent Eisenanteil wurden von den Kelten, im Mittelalter und sogar noch im letzten Weltkrieg zur Verhüttung abgebaut. Die Landwirte aus Burkheim und Pfaffendorf haben sich im Winter als Bergbauern ein Zubrot verdient", erläuterte Schröder.
Weitere Spuren der ehemaligen Nutzung durch den Menschen konnten in der Formation des Eisensandsteines entdeckt werden. "Bis 1910 dienten die noch schwach erkennbaren Terrassen im Wald der landwirtschaftlichen Nutzung", sagte Schröder.
Neben der Gaststätte Waldfrieden sahen die Gartenfreunde einen kleinen Steinbruch, der dazu diente, Kalksteine zu brechen, um diese im Tal in Brennöfen zu Baustoff zu verarbeiten. "Jetzt ist hier eine Schürfstelle der Umweltstation eingerichtet. Hier können nach Herzenslust aus dem Kalkstein Fossilien gebrochen werden. Die Schürfstelle am Kordigast ist zu einem wichtigen Anziehungspunkt für Familien sowie Jugendgruppen und Schulklassen geworden. Mit großer Begeisterung klopfen die Kinder hier die Steine und suchen nach versteinerten Lebewesen aus dem subtropischen Jurameer", wusste Schröder zu berichten.
Schröder zog bei seinen Erläuterungen immer wieder Paralellen zum Staffelberg, wo der gleiche Schichtaufbau in noch deutlicherer Form als am Kordigast vorhanden sei. "Die Massenkalke am Gipfel sind durch Schwammriffe im subtropischen Jurameer entstanden und bilden daher ein besonders festes Gestein mit Felsklippen und Türme sowie Spalten, Löcher und Höhlen. Auf beiden Bergen haben die Kelten sichere Festungen gebaut, die miteinander in Sichtkontakt standen", erläuterte der Exkursionsleiter.
Alle Teilnehmer waren beeindruckt vom Kordigast und dessen Umgebung. Sie wünschten sich noch mehr solche Exkursionen zum Kennenlernen unserer Heimat. Christa Schröder