Wohnraum in Bad Kissingen ist begehrt. Die Stadträte haben deshalb gut daran getan, dem Prinzregentenpark ihr Placet zu geben. Wohnen, Kinderbetreuung, Freizeit - an vieles haben die Investoren gedacht. Kritik über das angebliche Fehlen eines innovativen Verkehrskonzepts oder die Anzahl der Parkplätze ändert daran nichts. Letztere braucht es - nicht nur von Gesetzes wegen. Sondern auch deshalb, weil die individuelle Mobilität nach wie vor einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft genießt und genießen wird.

Selbst wenn eines Tages das Auto aus dem Stadtbild verschwindet, sind die Parkplätze nicht leer. Denn nur weil es Stellplätze gibt, müssen dort nicht zwangsläufig Autos parken. Die individuelle Mobilität verlagert sich auf andere Verkehrsmittel. Wer weiß, ob junge Familien aus dem Viertel in Zukunft nicht einfach einen Stellplatz für ihre E-Lastenräder in der Tiefgarage mieten? Die vorhandene Infrastruktur mit Bahn- und Busanbindungen, wie auch die Innenstadtnähe geben es her, zukünftig kein Auto besitzen zu müssen, um seine täglichen Besorgungen zu erledigen.

Solange das Auto jedoch das Stadtbild prägt, hilft die Parkmöglichkeit unter der Erde schon jetzt dabei, angrenzende Straßen zu entlasten. Würden für die etwa 155 Wohnungen beispielsweise nur 50 Stellplätze gebaut werden, beginnt ein Hauen und Stechen um das rare Gut. Das Kinderspiel "Reise nach Jerusalem" für Erwachsene. Mit SUVs. Das provoziert letztlich emporgereckte Mittelfinger, Slalomfahrten und stockenden Verkehr wegen rangierender oder parkender Autos. Alles Situationen, die sowohl für Fußgänger als auch Radler etwa so angenehm wie der neunte Kreis der Hölle sind und Gefahren bergen. Die geplanten Tiefgaragen verhindern das Verkehrs-Inferno alighierischen Ausmaßes. Zwar ist klar, dass die Autos dort nicht nur parken, aber den Moment, an dem alle Bewohner mit ihren Autos gleichzeitig ins Viertel einfahren wollen, wird es nicht geben. Der Blick auf eine Karte zeigt zudem, dass Anrainer kaum vom Verkehrslärm belästigt werden würden. Die Hotels und Kurgebäude liegen fern des Projektgebiets und den Zufahrten. Wohnhäuser wären ebenfalls kaum betroffen. Und das unabhängig davon, ob es einen Anschluss an den Ostring gibt. Ein fehlendes Konzept sieht anders aus.

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