Die Konjunkturabschwächung hat nun auch die Kulmbacher Wirtschaft erreicht. In der jüngsten Umfrage der IHK für Oberfranken korrigieren die Unternehmen die zuletzt positiven Bewertungen zum Teil spürbar nach unten. Während die Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage trotz einer ersten Eintrübung noch auf einem stabilen Niveau verharrt, rutschen die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate ins Negative.

"Die Unternehmen aus dem Kulmbacher Raum rechnen mit konjunkturellen Herausforderungen. Die noch gute Lage darf den Blick auf die Zukunft nicht verklären. Die Probleme der Automobilindustrie wirken sich schon jetzt auf die Zulieferer aus und werden weitere Kreise auch in andere Branchen hinein ziehen", so Michael Möschel, Vorsitzender des IHK-Gremiums Kulmbach.

Niedrigster Wert seit neun Jahren

Im Ergebnis sackt der IHK-Konjunkturklimaindex für die Region Kulmbach um 19 Punkte ab und liegt nun bei 111 Zählern - dem niedrigsten Wert seit neun Jahren. "Diese deutliche Korrektur nach unten zeigt, wie abrupt der Wirtschaftsmotor ins Stottern gekommen ist."

Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage bleibt positiv, auch wenn die Einschätzung der befragten Kulmbacher Unternehmen eine merkliche Eintrübung erfährt. 43 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre derzeitige betriebliche Situation positiv, zwölf Prozent negativ. "Die Kulmbacher Wirtschaft zeichnet sich durch einen breiten Branchenmix aus. Das hilft uns jetzt, weil Probleme aktuell vor allem aus der Industrie gemeldet werden. Dennoch zeichnen sich Vorboten unruhiger Zeiten ab", so Möschel.

Sind die guten Zeiten vorbei?

Für 2020 überwiegt der Pessimismus. Eine Seltenheit in Kulmbach, zuletzt waren die Unternehmen im Herbst 2011 ähnlich zurückhaltend, was die weitere Entwicklung angeht. 20 Prozent erwarten eine positive Entwicklung, 26 Prozent eine Verschlechterung. "Nach zehn Jahren Hochkonjunktur rechnen immer mehr Betriebe mit einem Ende der Boomphase. Angesichts der aktuellen Meldungen, vor allem seitens der Automobilzulieferer, ist das kein Wunder. Der vorsichtige Kaufmann begegnet dieser Entwicklung mit Zurückhaltung", erläutert Möschel.

Anders als zu erwarten nehmen die örtlichen Firmen in Kulmbach allerdings keine Kurskorrektur bei den geplanten Inlandsinvestitionen vor. Sie wollen 2020 mehr investieren als im Vorjahr.

"Die Unternehmen wollen ihre Standorte stärken und zukunftsfähig gestalten. Steigende Investitionen sind ein Indiz für eine optimistische Grundeinstellung. Die Unternehmen glauben an ihr Geschäftsmodell und an den Standort Kulmbach", freut sich der IHK-Vizepräsident.

Politik ist gefordert

Auch die Beschäftigtenplanungen werden von der negativen Prognose zur Entwicklung der Geschäftslage nicht allzu stark beeinflusst. Möschel: "Ich vermisse aber klare Signale aus der Politik. So müssen Unternehmen und Bürger unbedingt steuerlich entlastet werden. Die Zeit für gegenseitige Durchhaltegeschenke der Regierungsparteien auf Kosten der Zukunftsinvestitionen für unser Land muss vorüber sein!" red