Bemerkenswert: Alois Mraz bleibt trotz des Fehlstarts des Handball-Zweitligisten HSC Coburg gelassen: "Die Trainer-Diskussion wird in solchen Situationen immer schnell kommen. Das weiß ich, aber das ist kein Thema, mit dem ich mich beschäftige", sagte der Trainer, dessen Position angesichts des noch ausbleibenden Erfolges geschwächt ist.

Drei von fünf Spielen verlor der als Mitfavorit im Aufstiegsrennen gehandelte HSC und blieb bisher vor allem in fremden Hallen, aber auch im Coburger Sporttempel vieles schuldig.

Unter der Regie des nach außen hin stets besonnen und ruhig wirkenden Tschechen gewannen die "Gelb-Schwarzen" ligaübergreifend erst sechs von 43 Pflichtspielen. Bei 34 Begegnungen - 31 in der 1. und drei in der 2. Liga - verließ seine Mannschaft als Verlierer die Platte. Dazu kommen drei Unentschieden in der 1. Liga. Eine ernüchternde Bilanz.

Der Druck sei für ihn natürlich spürbar, aber nicht größer als vor dem ersten Saisonspiel gegen den TV Großwallstadt oder während der Vorbereitung im Sommer: "Wir und ganz besonders ich wollen gute Spiele machen und nur darauf konzentrieren wir uns."

Trotzdem: Für einige Fans sind die negativen Zahlen alarmierend. Deshalb wird über den Trainer gesprochen, über seine Position öffentlich diskutiert. Ist Mraz noch der richtige Mann am richtigen Ort? Gut möglich, dass es im 48-jährigen in Pilsen aufgewachsenen Wahl-Coburger derzeit mächtig brodelt. Zwar genießt er noch die volle Rückendeckung von der Vereinsführung, doch der Fehlstart hat auch bei ihm Spuren hinterlassen. Schließlich sollte - auch mit einem nochmals aufgerüsteten Staff - vieles in der Zweitliga-Saison beim HSC besser werden. Doch die Wende blieb bisher aus. Von der erhofften Euphorie ist nichts zu spüren.

Tiefe Einblicke gewährt der smarte Sportsmann zwar nicht, doch realistisch räumt er ein: "Jetzt geht es für uns darum, konstanter zu spielen. Gerade in Phasen, in denen das Spiel ausgeglichen ist, müssen wir ruhiger bleiben und abgeklärt unseren Matchplan verfolgen. Das hat bis jetzt gefehlt", meint Mraz.

Nach außen bleibt der Cheftrainer ruhig, getreu dem abgedroschenen Motto "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Und er ist nach wie vor Optimist: "Ich sehe uns jeden Tag, wie wir zusammenarbeiten, und das ist sehr gut. Deswegen habe ich keine Bedenken." Seine Mannschaft sei gut genug, um die Aufgaben in Coburg zu meistern. Der Trainer ist außerdem der festen Überzeugung, dass seine Spieler die bisherigen Spiele größtenteils kontrolliert hätten. Gegen Hüttenberg zuletzt allerdings "leider nur bis zur 15:10-Führung". Ein Problem mit der Kondition einzelner Spieler sieht der Übungsleiter nicht, obwohl die Leistungen seines Teams in der Schlussphase bisher auffallend nachließen: "Nein, eine konditionelle Frage ist das nicht."

Bestleistung ist in Nordhorn gefordert

Akribisch wie immer bereitet er seit Sonntag seine Spieler auf das schwere Auswärtsspiel in Nordhorn-Lingen am Samstagabend (Anwurf 19.30 Uhr/bei Sportdeutschland.TV) vor. "Wir müssen jetzt nicht komplett alles ändern. Wir sammeln die Erfahrungen und im Spiel in Nordhorn werden wir diese auch wieder umsetzen. Wir wollen unsere sehr guten Leistungen auf 60 Minuten verlängern", dann würde es auch mit dem ersten Auswärtssieg in dieser noch jungen Saison klappen. Davon ist Mraz überzeugt.

Genauso wie er seinen Spielern absolut vertraut: "Wir haben sieben neue Spieler in unserem Team. Die Stabilität müssen wir uns erst erarbeiten, um eben auch abgeklärter zu werden." Angesprochen darauf, ob er mit der Einkaufspolitik und Personalplanung von Geschäftsführer Jan Gorr zufrieden ist, sagt Mraz: "Die Personalplanung haben wir bis jetzt immer zusammen besprochen."

Die Sache mit den "Drehschrauben"

Von übertriebenem Aktionismus hält der langjährige Jugendtrainer ohnehin jetzt nichts. Der stolze Vater von vier Kindern lässt sich jedenfalls trotz der Kritik an seiner Person nicht aus der Ruhe bringen. Mraz bleibt souverän. Was HSC-Mentalcoach Peter Breidenbach mit den "vielen Drehschrauben, die jetzt gedreht und hinterfragt werden müssen" am Samstag nach der 27:30-Pleite gegen Hüttenberg meinte, weiß Mraz zwar nicht genau, doch fest steht für ihn: "Wir sind alle in einem Boot und in ständigem Austausch. Es ist doch klar, dass wir alle schauen, was wir besser machen können."

Und besser machen will es der HSC Coburg bereits am Samstagabend in Nordhorn. Dann steht Mraz wieder im Fokus und ist an der Seitenlinie gefordert. Aber nicht nur er. Vor allem auch seine zuletzt enttäuschenden Spieler auf der Platte. Sie sollen sich unbedingt für die Heimpleite gegen Hüttenberg rehabilitieren. Eine gute Gelegenheit, denn gerade beim Mitabsteiger HSG Nordhorn-Lingen (6./6:4 Punkte) können Tobias Varvne, Florian Billek, Jan Schäffer & Co. beweisen, dass sie deutlich besser Handball spielen können als zuletzt gezeigt.

Der HSC-Tross reist bereits am Freitag in Bestbesetzung, also mit "voller Kapelle" ins Emsland. Das Ziel ist klar: Ein Sieg. Mit dem ersten Auswärtserfolg der Saison können die Spieler nicht nur wertvollen Boden in der Tabelle gutmachen, sondern auch wieder für mehr Ruhe und Gelassenheit im Umfeld sorgen. Mehr noch: Die Mannschaft würde ihrem Trainer mit einem Sieg auch Loyalität und Vertrauen zurückzahlen. Denn eines steht außer Frage - Alois Mraz sucht die Schuld für die Misere öffentlich nie bei seinen Spielern. Bemerkenswert!