von unserer Mitarbeiterin 
Teresa Hirschberg

Kutzenberg — Rückenschmerzen sind heutzutage der häufigste Grund, einen Arzt zu konsultieren. Mit ihrem Gesundheitsvortrag "Das Kreuz mit dem Kreuz" klärte Privatdozentin Alexandra Claus - seit 2008 Chefärztin der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie - am Samstagnachmittag im Jugendstilsaal des Bezirksklinikums Obermain über diese Volkskrankheit auf.
Hinter dem oftmals geäußerten Satz "Ich habe Rückenschmerzen!" stecke eine komplexe Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Kreuzschmerzen, denen jeweils ein vollkommen unterschiedliches Krankheitsbild zugrunde liege, sagte die Ärztin.
Der Übergang von einem akuten zum chronischen Leiden sei ab einer Episode von zwölf Wochen erreicht, wenn sich die Schmerzen vom ursächlichen Ereignis entkoppeln und in den Lebensmittelpunkt des Patienten rückten. Als Risikofaktoren für eine Chronifizierung gelten Depression, Stress, Angsterkrankungen und Vermeidungsreaktionen.
Hilfreich sei in chronischen Fällen ein multimodales Programm, bestehend aus Bewegungs- und Verhaltenstherapie sowie psychologischen Gesprächen. "Früher wurde Patienten strenge Bettruhe verordnet. Dass wir jetzt auf Bewegung gegen Rückenschmerzen setzen, ist ein wahrer Paradigmenwechsel in unserem Fach", so Alexandra Claus. Um rezidivierende Schmerzen handle es sich, wenn sie im sechsmonatigen Rhythmus abklingen und wiederkehren.
Etwa 80 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal im Leben an sogenannten unkomplizierten Kreuzschmerzen, die als ein Unwohlsein im Bereich des Rückens vom unteren Rippenbogen bis zur Gesäßfalte definiert sind. Seltener werde das nervenwurzelbezogene Rückenleiden diagnostiziert, das Taubheit und Lähmung verursachen könne oder so stark ins Bein ziehe, dass dadurch sogar die Schmerzen im Rücken überlagert würden.
"Oft beschreiben uns Patienten Schmerzstraßen", erklärte Alexandra Claus. "Wenn wir wissen, welche Körperbereiche wehtun, können wir auf die betroffenen Nervenwurzeln in der Wirbelsäule schließen."
Komplizierte Kreuzschmerzen, die nur etwa ein Prozent der Krankheitsfälle ausmachten, seien Schmerzen in der Wirbelsäule mit ausgeprägten neurologischen Ausfällen. Die Ursachen für Kreuzschmerzen müssten aber nicht immer in der Wirbelsäule lokalisiert sein: Auch Schmerzen, die durch Nierensteine, eine Blasenentzündung oder Lungenembolie verursacht werden, könnten bis in den Rücken ausstrahlen.
"Kreuzschmerzen sind nur ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung", brachte Alexandra Claus es auf den Punkt - "so wie beispielsweise ein erhöhter Blutzuckerspiegel ein Symptom für Diabetes sein kann, aber nicht muss".
Als besonders häufig auftretendes Krankheitsbild nannte sie den Bandscheibenvorfall, der für den typischen Hexenschuss sorge. Dabei trete der Nukleus aus den Segmenten zwischen den einzelnen Wirbelgelenken heraus und drücke gegen einen Nerv. Dieser Verschleißprozess begünstige Arthrose sowie eine Verknöcherung und Verengung des Wirbelkanals.
Auch zwischen Rückenproblemen und der Körperhaltung bestehe ein Zusammenhang: Alexandra Claus riet daher, mit einer aktiv aufgerichteten Haltung einem Buckel oder seitlichen Verschiebungen der Wirbelsäule vorzubeugen. "Nicht einmal mein orthopädisches Fachgebiet schützt vor Rückenschmerzen, ich habe sie nämlich selbst relativ oft", verriet die Ärztin abschließend.